
Der Schrein mit den Gebeinen der heiligen Ida wurde durch Herzfeld getragen.
Große Identracht mit dem neuen Weihbischof in Herzfeld
Hegge: Wie Ida Zeugnis geben von der Liebe Gottes
Lippetal-Herzfeld. Sich nicht an materielle Dinge zu klammern, sondern nach dem Vorbild der heiligen Ida Zeugnis von der Liebe Gottes zu geben – dazu hat Weihbischof Christoph Hegge die Gläubigen zum Abschluss der Herzfelder Ida-Woche aufgerufen. Beim Pontifikalamt am Sonntag (12.09.2010) in der Wallfahrtskirche betonte Hegge, dass kaum eine andere Heilige "so auf Gott gesetzt hat wie sie"
Ida (770-825) war vermutlich eine Verwandte Karls des Großen und kam nach ihrer Vermählung mit dem Sachsenherzog Ekbert nach Westfalen. Beim Überqueren der Lippe soll ihr ein Engel im Traum den Auftrag gegeben haben, einen Kirche zu bauen. Ida gilt als Gründerin der ersten christlichen Gemeinde im Münsterland. Nach dem Tod ihres Mannes ließ sie sich über dessen Grab an der Kirche einen Portikus als Wohnstätte bauen und widmete sie sich ganz dem Gebet und dem Wohl der Gemeinde, gilt seitdem als "Mutter der Armen".
In seiner Predigt erinnerte Hegge daran, dass es immer wieder Menschen wie Ida von Herzfeld gebe, die sich von materiellen Dingen lösten, "um die wahren Werte zu erkennen". Als Beispiel nannte er Schwester Maria Euthymia, die sich im Zweiten Weltkrieg gegen den Widerstand der Nazis aufopferungsvoll um verwundete französische und russische Kriegsgefangene gekümmert habe. Oder Karl Leisner, der 1939 wegen seiner Kritik an Adolf Hitler ins Konzentrationslager kam, in dem er heimlich zum Priester geweiht wurde. Als drittes Beispiel nannte Hegge Mutter Teresa, die in Kalkutta eine sterbende Frau von einer Müllkippe geholt und gepflegt habe, lange bevor die Fernsehkameras auf sie gerichtet gewesen seien.
Weihbischof Christoph Hegge in Herzfeld. |
"Sich von Christus verwandeln lassen"
Hegge betonte, solche Zeugenschaft setze voraus, "sich als Christen von Christus packen und verwandeln zu lassen", denn niemand könne Zeuge aus eigener Kraft werden. Der Weihbischof wandte sich direkt an die Zuhörer: "Wer das nicht will, der soll fernbleiben. Das ist hier keine kulturelle Veranstaltung." Es gehe darum, sich wie Ida in die Nachfolge der Apostel zu stellen. Wenn der Glaube zur Gewohnheit erstarre, sei jeder berufen, ihn neu leben zu lassen und die Kirche zu erneuern. Bei aller Vergänglichkeit der Dinge könne nur derjenige Christus als den "Schatz im Acker und die kostbare Perle" erkennen, der bereit sei, loszulassen. Genau dafür stehe die heilige Ida, sagte Hegge.
Nach der Eucharistiefeier wurde der Schrein mit den Gebeinen der Heiligen in der so genannten Großen Identracht von vier Kaltblut-Schimmeln auf einer Kutsche durch die mit Fahnen geschmückten Straßen gezogen. Dem Vierspänner folgten zahlreiche Bannerabordnungen der Herzfelder Vereine sowie eine Abordnung der Komturei Münster der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Zurück in der Kirche spendete Hegge den Segen, ehe die Ida-Festwoche nach zahlreichen religiösen Veranstaltungen mit einem Dorffest ausklang.
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Text: Michael Schwakenberg | Fotos. Michael Schwakenberg
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