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23.05.2012
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Weihbischof Heinrich Janssen

Heinrich Janssen ist privat vor einiger Zeit von Xanten nach Kevelaer umgezogen. In seinem Wohnzimmer hat er seiner Bücherwand eine ungewöhnliche Ordnung gegeben. Aus mehreren tausend Werken, die er in Xanten noch besessen hat, hat er hier die Bücher zusammengestellt, deren Autoren er sich persönlich verbunden fühlt.

Dankbarkeit wächst - Zuversicht steigt

Heinrich Janssen war 24 Jahre Regionalbischof am Niederrhein

Bistum. 24 Jahren wirkte Heinrich Janssen als Regionalbischof am Niederrhein. Ohne Aufsehen möchte er nun seinen neuen Lebensabschnitt beginnen: ein Leben als Seelsorger nach der Emeritierung als Bischof.

Heinrich Janssen hat sich, so hofft er, gegen all die Menschen durchgesetzt, die ihn wohlmeinend mit einer offiziellen Verabschiedung ehren wollen; der Weihbischof, dessen Emeritierung seit dem 31. Mai amtlich ist und der bis zur Weihe seines Nachfolgers Wilfried Theising am 29. August weiterwirkt, möchte still in seine neue Lebenszeit schreiten. Und "gehen" wird er ohnehin nicht ganz.

Geschenk für die Kirche

Der Pfarrer an St. Marien Kevelaer, Stefan Zekorn, freut sich darüber, dass Janssens Name schon jetzt ein ums andere Mal im Messplan auftaucht. Daheim arbeitet der Weihbischof an einem neuen Werk über Rosenkränze, über deren Geschichte, Geschichten und Wirkkraft er abendfüllend zu erzählen weiß.

Im Oktober 2007 hat Diözesanbischof Reinhard Lettmann – er stand selbst vor der Emeritierung – Heinrich Janssen "einen Mann Gottes" genannt, "auf Gott hin ausgerichtet, ein Betender, der für die Menschen bei Gott eintritt". Man könne von ihm als "Engel der Kirche des Niederrheins" sprechen. Sein Leben als Mensch, als Priester und Bischof sei ein Geschenk, sagte Lettmann, als Heinrich Janssen 75 Jahre alt wurde und sich gerade in das Schicksal fügte, noch nicht emeritiert zu werden. Mit zwei weiteren Jahren rechnete er. Fast drei sind es geworden.

Wenn Heinrich Janssen im Oktober wiederum Geburtstag feiert, liegen 78 Lebensjahre hinter ihm, darunter fast 50 als Priester, in denen er fünf Jahre Generalvikar des Bistums Münster und 24 Jahre Weihbischof war. "Nebenher" wirkte er 38 Jahre im bischöflichen Rat. Niemand sonst war so lange dabei.

Elterliche Pläne

Nichts hatte auf ein solches Leben hingedeutet, als am 13. Oktober 1932 in Kevelaer Therese Janssen einen Jungen zur Welt brachte. Alles sprach dafür, dass Heinz später die Spielwaren- und Andenkenhandlung von Vater Jakob übernehmen würde. Das Gnadenbild gehörte für den Jungen zu Kevelaer wie das Geschäft des Vaters. "Darüber habe ich gar nicht reflektiert."

Nach den Schulstunden rackerte er seine Kräfte mit den Nachbarskindern ab. Sie spielten Völkerball und dachten sich Theaterspiele aus. "Eine schöne Zeit." Das Jahr 1939 erlebte das Kind als Einschnitt. "Ich war sieben, als der Krieg begann und alles veränderte." Bei der Rückkehr aus der Evakuierung war der Betrieb des Vaters teilweise zerstört; im Tauschhandel besorgte er das Nötigste. Die Kinder sahen ihre Mutter mit Körben die Treppe zur Waschküche hochsteigen und auf dem Waschbrett Wäsche schrubben. Sie lernten Durchhaltevermögen, Bescheidenheit und Dankbarkeit.

Wer Weihbischof Janssen hört, begreift oft unmittelbar die schlichte Schönheit des Evangeliums.

Berufung – langsam und sacht

1946 schickte der Vater den  Jungen auf das Bischöfliche Internat Augustinianum Gaesdonck. "Vater wollte, dass ich noch das Einjährige mache und dann in den Betrieb komme. Doch da hatte er sich geirrt. Als er mich runternehmen wollte, wollte ich nicht mehr." Zu sehr hatten ihn die Schule und die Lehrer in den Bann gezogen. Ab 1949 engagierte er sich bei den Pfadfindern, erlebte und erfuhr mit ihnen Gemeinschaft. Es geschah in diesem Umfeld und in diesen Jahren, dass er seine Berufung zu ahnen begann, langsam und sacht. Als er 1955 auf die Reifeprüfung zuging, stand seine Entscheidung fest. Heinz Janssen, Klassensprecher der "13", war unter zwei Dutzend Schülern einer von sieben, die sich für den Priesterberuf entschieden, darunter Gerd Coenen, später Pfarrer in Kevelaer, Günter Aengenheyster, später Pfarrer in Kranenburg, und Fritz Janssen, später Professor in Osnabrück.

Einer der guten Begleiter des jungen Heinrich Janssen war der Kevelaerer Pfarrer Heinrich Maria Janssen, der wie ein spiritueller Vater für den Jungen fühlte. Heinrich fuhr den Geistlichen, der selbst kein Lenkrad anrührte, bei Gelegenheit mit dem Auto zu Terminen. Einmal wollte der Pfarrer nach Nimwegen und sagte: "Von dem, was du gleich mitbekommst, siehst du nichts, hörst du nichts, erzählst du nichts." Heinrich nickte ergriffen. Der "Alte" kaufte in einem Geschäft für liturgische Güter einen Bischofsstab und andere Insignien episkopaler Würde. Heinz Janssen blieb der Mund offen stehen. Wenige Tage später wurde Heinrich Maria Janssens Berufung zum Bischof von Hildesheim bekannt. Darauf musste Heinz Janssen noch knapp 30 Jahre warten.

Priesterweihe durch Bischof Keller

Am 2. Februar 1961 war Heinrich Janssen einer der Letzten, die Bischof Michael Keller noch zum Priester weihte. Nach seinen Kaplansjahren stellte das Bistum Janssen 1965 zum Studium frei. Er schrieb sich für Geschichte und Pädagogik ein. Die über 20 Jahre als Lehrender, die dem Zweiten Staatsexamen folgten, zählt Janssen heute zu den schönsten seiner Zeit als Erwachsener, in der er junge Menschen bildete und bestärkte. Wohl 100 ließen sich von ihm trauen. Die Taufen, die folgten, hat er nicht gezählt.

Schnell kamen immer neue Ernennungen zu immer neuen Aufgaben hinzu, auch die ganz großen zum Generalvikar "mit sehr guter Mannschaft und schweren Entscheidungen vor allem in Personalfragen", dann 1986 – "völlig überraschend für mich" – die Ernennung zum Bischof.

Weihbischof Janssen ist froh, nahe bei den Menschen sein zu können, wie hier bei der Messdienerwallfahrt im Jahr 2006.

Den Menschen nahe

Und wieder hatte er mit jungen Menschen zu tun, vor allem mit den Mädchen und Jungen, die er firmte und bestärkte – der geistige Schwerpunkt seiner Arbeit. Er war froh, nicht in Münster zu "sitzen", sondern mit seinem Dienstort Xanten den Menschen, deren Regionalbischof er war, nahe zu sein. Die Dokumente all seiner "Begleiteten" füllen eine ansehnliche Mappe – Spiegel eines Lebens in ständiger und aufreibender Arbeit für andere, vom "Knastbruder" über den Soldaten und Wehrdienstverweigerer bis zum Bergmann, der für seine Stelle streitet. Arbeit in Gemeinschaft für andere und mit anderen – das ist für Janssen Grundlage der Glaubensweitergabe.

2006 predigte er am See Gennesaret zur Brotvermehrung: "Für mich ist grundlegend, dass Jesus seine Jünger einbezieht: 'Gebt ihr ihnen zu essen!'" Später teilen sie das Brot aus. "Jesu Menschen machen Menschen satt. Unsere Hände sind mit im Spiel. Das ist 'seine Methode' bis heute. So geht er vor. Wir müssen tun, was wir können, er wirkt mit. Es geht immer um den Menschen. Es geht darum, dass Gemeinschaft entsteht." Janssen predigt gewinnend einfach und damit auf die schwerste Art. Wer ihn hört, begreift oft unmittelbar die schlichte Schönheit und Wirkkraft des Evangeliums.

Von seinen Ansichten und seinem Vorgehen sagt Janssen, sie seien mit den Jahrzehnten einfacher und grundsätzlicher geworden. Sie sind konzentriert auf das Wesentliche: Vertrauen und Gemeinschaft zu stiften. Sie erlebbar zu machen, sei Voraussetzung für Glauben. "Das geht nur über den Menschen. Das ist der Sinn der Menschwerdung Gottes."

Viele Pläne geschmiedet

Bei der Geburtstagsfeier, von der eingangs die Rede war, dankte der Weihbischof, als sei er nicht gerade hoch gelobt worden, allen, "die mich getragen haben – und ertragen haben. Ich habe in allen Aufgaben Menschen gefunden, die mich bereichert haben." Er bekannte, immer wieder neue Pläne geschmiedet zu haben, doch er habe nicht alle umsetzen können. "Wo unsere Möglichkeiten klein werden, hat Gott für uns neue Möglichkeiten." So gehe er seinen Weg weiter. "Die Dankbarkeit wächst, und die Zuversicht bleibt."

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Text: Delia Evers | Fotos: Delia Evers in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben, Michael Bönte, Almud Schricke
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