
Gut geschützt vor der Sonne feierte Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz mit den Teilnehmern der Internationalen Ministrantenwallfahrt 2010.
Benedikt XVI. begeistert Ministranten
Papst-Treffen mit Langzeitwirkung
Vatikanstadt. Eigentlich wollten sie um acht Uhr mit ihrem Bus fahren. Doch sie haben sich anders entschieden. So waren die 53 Neuenkirchener Pilger am Mittwoch (04.08.2010) bei der Internationalen Ministrantenwallfahrt schon gegen sechs Uhr auf dem Petersplatz. "Um fünf Uhr sind wir losgegangen", sagt der 19-jährige Marius Brinker. Anstatt Bus zu fahren, haben sie die fünf Kilometer bis zum Vatikan zu Fuß zurückgelegt. Was tut man nicht alles für gute Plätze und einen direkten Blick auf den Papst.
Michael Langenfeld, Pfarrer von St. Anna Neuenkirchen, ist noch immer sprachlos: "Dass die alle so früh aufgestanden sind..." Das Gerücht, er selbst habe nicht laufen wollen, "kann ich nicht dementieren". Seine Messdiener grinsen. Wären die Neuenkirchener erst um acht Uhr zum Petersplatz gefahren, hätten sie irgendwo weit hinten gestanden. Aber die Jugendlichen wollten mehr sehen. Also machten sie sich zu Fuß auf den Weg. Alle – wenn auch einige eher wegen des Gruppendrucks. Jetzt sitzen sie zufrieden in einem der vorderen Sitzplatz-Blöcke auf dem Petersplatz.
Wartezeit mit Frühstück
Brötchen haben die Messdiener unterwegs gekauft. Sie verkürzen die Zeit bis zur Audienz. "Die ersten waren wir trotzdem nicht", sagt David Subelack, 15. Als die Neuenkirchener um sechs Uhr den noch abgesperrten Petersplatz erreichten, warteten bereits einige Pilger auf Einlass, die dort übernachtet haben wollten.
Um 8.30 Uhr soll das Programm beginnen. Doch Band und Chor aus Hamburg kommen erst einmal nicht zum Zug, weil eine Blaskapelle irgendwo auf dem Platz einen Marsch schmettert. Die Messdiener jubeln. Die Musiker auf der Bühne kontern mit einem Hit aus dem Pilgerbuch: "Lasst uns ziehen zu den Quellen des Lebens". Der Refrain wirkt als Wachmacher: "Denn Du bist da, denn Du bist da, Gott, so nah." 53.000 Ministranten aus 17 Nationen recken ihre Hände in die Höhe, singen kräftig und wiegen sich von links nach rechts.
Rotoren und Sprechchöre
Der Münchner Weihbischof Bernhard Haßlberger, Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, legt das Leitwort der Wallfahrt aus: "Aus der wahren Quelle trinken". Die Menschen bräuchten Stärkung, ehe sie mitwirken könnten am Werk Jesu, sagt er. "Doch noch ehe wir mitwirken, hat Jesus schon für uns alle das Heil bewirkt."
Einige Lieder später kommt Unruhe auf, als knatternde Rotoren lauter werden. Noch ehe die Moderatoren den päpstlichen Hubschrauber ankündigen, setzen "Benedetto"-Sprechchöre ein. Tausende Messdiener drängen an die abgesperrten Wege auf dem Petersplatz, als der Papst im offenen Papamobil einige Runden dreht. "Das war das Größte", sagt die 16-jährige Neuenkirchenerin Linda Höltker, "als er ganz nah an uns vorbeigefahren ist". "Toll, dass wir so nah herangekommen sind", findet auch Nils Lütke-Bohmert. Den 18-jährigen St.-Anna-Messdiener erinnert die Stimmung bei der Papst-Ankunft "ein bisschen an die Fußball-WM".
Papst-Wort ermutigt Messdiener
Benedikt XVI. lobt die Fröhlichkeit auf dem Petersplatz: "Ihr vermehrt die Freude in meinem Herzen. Vielen Dank!" In seiner Ansprache ruft er die Ministranten auf, "großzügig den Dienst an Jesus" zu tun, "der in der Eucharistie gegenwärtig ist". Messdiener könnten "besonders nah beim Herrn" sein: "Bewahrt diese Freundschaft in euren Herzen und teilt sie euren Altersgenossen mit, damit sie erkennen: Es ist wahr, er lebt!" Ministranten würden Jesus ihre Zeit, ihre Gedanken und ihre Hände leihen: "Das wird er euch vergelten", sagt der Papst, der wegen der großen Zahl deutscher Pilger in seiner Muttersprache redet.
Benedikt XVI. bittet die Ministranten, Dienst "in Liebe, Andacht und Treue" zu tun: "Bereitet euch auch inwändig auf jede Eucharistie vor." Tarsitius, der Patron der Ministranten, habe das Lebensbrot mit dem Leben verteidigt. Sein Zeugnis "zeigt die tiefe Liebe und Verehrung, die wir für die Euchariste haben müssen. Sie ist Jesus selbst, das größte Geschenk, das er uns hinterlassen hat." Der Papst freut sich zudem, dass die Tarsitius-Statue, die noch vor dem Petersdom steht, ihren Platz an den Callistus-Katakomben findet: "Sie soll Bezugspunkt sein für die Ministranten und für alle, die Jesus nachfolgen wollen."
Höhepunkt der Wallfahrt
Nach der Audienz sind sich die Messdiener von St. Anna Neuenkirchen einig: "Das war der Höhepunkt der Wallfahrt", sagt der 16-jährige Chris Niederberghaus. Maike Hüweler hat den Papst zwar schon beim Weltjugendtag 2005 in Köln gesehen, aber: "Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis", findet die 20-Jährige. Eins mit Langzeitwirkung: Zwar bekommt Sascha Thies den Wortlaut nicht zusammen, aber eine Botschaft des Papstes ist bei vielen Messdienern hängen geblieben: "Dass wir eine wichtige Aufgabe haben, die wir gut erfüllen sollen", sagt der 15-Jährige. Nicht nur in Neuenkirchen, auch in den anderen Gemeinden im Bistum darf man sich auf die Rückkehr der Rom-Pilger freuen.
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Text: Jens Joest | Foto: Michael Bönte
05.08.2010
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