
Bischof Felix Genn.
Bischof Felix Genn:
Seelsorgermangel ist eine "echte Herausforderung"
Bistum. Angesichts des Seelsorgermangels sieht Bischof Felix Genn weder in der Aufhebung des Zölibats noch im Zugang von Frauen zum Priesteramt eine Lösung des Problems. Gleichwohl seien die zurückgehenden Priesterzahlen ein "echte Herausforderung", stellte der Bischof jetzt fest.
Von den (Ende 2009) insgesamt 917 Bistumspriestern sind laut Bistumsstatistik 547 (59,7 Prozent) der Priester älter als 60 Jahre; 26,5 Prozent der Geistlichen sind unter 50 Jahre. Dies bedeutet: Innerhalb der nächsten zehn Jahre stehen nur noch halb so viele Priester für die Seelsorgearbeit im Bistum Münster zur Verfügung.
"Auch ein Gläubigenmangel"
Die sich verändernden Priesterzahlen entsprechen nach Meinung des Bischofs den zurückgehenden Gottesdienstteilnehmerzahlen. "Auch hier ist die Zahl der Teilnehmenden und Mitfeiernden gegenüber den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich zurückgegangen", stellt Genn heraus. Insofern könne man "nicht nur von einem Priester-, sondern auch von einem Gläubigenmangel" sprechen. – Der Hintergrund: Noch Anfang der 1970er zählte man im Bistum rund eine Million sonntägliche Gottesdienstteilnehmer, aktuell sind es rund 247.000 Gläubige.
Aktuell sei zu prüfen, wie die Getauften weiter an Gottesdiensten teilnehmen können. "Hinzu kommt die weitere Herausforderung, wie diejenigen, die aus der Taufe leben, andere ansprechen können, um sie als Christen zu gewinnen", erläutert Bischof Genn. Dies führe auch zu einer anderen "Ausformung des priesterlichen Dienstamtes": "Die Herausforderungen nämlich, die sich heute stellen, bringen eine andere Gestalt des priesterlichen Dienstes mit, als wenn jemand in einer geschlossenen christlichen Gemeinde diesen Dienst ausübt."
Mehr Frauen in Leitungsfunktionen
Mit Blick auf den Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester, betont Bischof Genn: Die Verantwortlichen im Bistum wie auch in den Gemeinden sollten den Priestern aber helfen, "die zölibatäre Lebensform angemessen zu gestalten".
Genn verweist darauf, dass Papst Johannes Paul II. 1994 lehramtlich festgehalten habe, "dass die katholische Kirche vom Auftrag und der Weisung Jesu her nicht ermächtigt ist, das Sakrament der Weihe Frauen zu spenden". Dies sei auch für die kirchliche Lehrverkündigung und die damit Beauftragten verbindlich. Sehr wohl sei aber nötig, weiter darüber nachzudenken, Frauen in Leitungsämtern der Kirche, die nicht mit der Weihe verbunden sind, stärker zu berücksichtigen.
Der Bischof hatte sich jetzt aufgrund verschiedener Medienberichte zu diesem Thema geäußert.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Dokumentiert: Bischof Genn zu Veränderungen der Altersstruktur der Priester
Personalstatistik: Zahl der Seelsorger im Bistum sinkt rapide (29.05.2010)
Dossier: Bischof Felix Genn
Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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