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23.05.2012
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Prälat Jung

Prälat Jung hat sich für die Feierlichkeiten schon ein T-Shirt mit dem Porträt des bald Seligen zugelegt.

Der Glatzer Großdechant Franz Jung über Gerhard Hirschfelder

"Mutig, standhaft, kämpferisch"

Bistum. Nach einem zwölf Jahre dauernden Verfahren wird der aus der schlesischen Grafschaft Glatz stammende Kaplan Gerhard Hirschfelder (1907-1942) am 19. September 2010 im St.-Paulus-Dom zu Münster selig gesprochen. Großdechant Prälat Franz Jung aus Münster ist Visitator für die Priester und Gläubigen aus der Grafschaft Glatz. Er hat den Prozess über die Jahre begleitet und spricht in kirchensite.de über die Bedeutung und Ausstrahlung dieser Seligsprechung:

kirchensite.de: Was für ein Mensch war Gerhard Hirschfelder?

Franz Jung: Er war ein mutiger Mensch. Mit dem Mut, der aus der Beharrlichkeit kam, den Glauben zu bewahren und ihn weiterzugeben. Er war bereit, sich für den Glauben und die Kirche vieles einfallen, aber auch gefallen zu lassen. Denn er wurde ja von vielen gewarnt. Auch mein Großonkel, der damals Pfarrer in der Grafschaft war, hat ihm gesagt, dass er vorsichtig sein müsse, weil er auf der Schwarzen Liste der Nationalsozialisten stand. Aber Hirschfelder ließ sich nicht davon beeindrucken. Der Glaube war seine Wahrheit und er war bereit, dafür bis zum Tod zu kämpfen, weil er ahnte, was auf die Menschen zukam. Zudem war er auch ein sehr charismatischer Mensch mit einer ansteckenden Fröhlichkeit. Das hat ihn bei den Jugendlichen und Kindern so beliebt gemacht. Er spielte Gitarre, sang gern und stand gern auf der Theaterbühne. Er hat mit seiner Art viele junge Menschen für den Glauben begeistern können.

kirchensite.de: Welche Bedeutung hatte Hirschfelder bislang?

Jung: Vor allem regional – sein Grab liegt in Czermna an der tschechischen Grenze. Schon jetzt machen viele Wallfahrten dort Station. Schön ist, dass es sowohl Glatzer, Polen, als auch Tschechen sind, die dorthin kommen. Er hat dort seine Bedeutung nicht allein als Glatzer sondern als jemand, der gegen das nationalsozialistische Regime Widerstand geleistet hat. Es tut uns so gut zu wissen, dass nicht alle Mitläufer waren. Und das können wir mit den Polen und Tschechen gemeinsam sagen. So etwas eint die Menschen, auch über Grenzen hinaus.

kirchensite.de: Was bedeutet die Seligsprechung für die Glatzer?

Jung: Wir haben endlich einen eigenen Fürsprecher bei Gott. Darüber sind wir einfach dankbar und bewegt. Wir haben nicht mehr jemanden, für den wir beten können, sondern jemanden, zu dem wir beten können. So etwa kräftigt, vor allem jene, die in der Diaspora verstreut sind. Natürlich sind wir auch stolz auf seine Ausstrahlung. Einer von uns hatte den Mut, gegen den Strom zu schwimmen, auch wenn es lebensgefährlich war. Obwohl sein Leben alles andere als leicht verlief, blieb er sich und seinem Glauben treu.

kirchensite.de: Was kann Gerhard Hirschfelder heute ausstrahlen?

Jung: Sein Wirken und Sterben ist grenzenlos. Es geht am Ende nicht um Nationalität und Eigenständigkeit, sondern um Hoffnung und Lebensmut, die alle Grenzen überwindet – genauso  wie das Christentum. Wir haben den Eindruck, dass daraus etwas für Europa wachsen kann. Er kann ein Hoffnungsträger sein, der die Menschen über nationale Grenzen einen kann. Das ist gerade heute doch aktuell. Ein Brückenbauer, der den Menschen hilft, auf dem christlichen Weg zueinander zu finden.

kirchensite.de: Was erwartet uns zur Seligsprechung in Münster?

Jung: Das wird der absolute Höhepunkt nicht nur für die Glatzer. Jeder Grafschafter, dem es noch irgendwie möglich ist, wird nach Münster kommen. Natürlich laden wir alle Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ein, weil sie sich mit Gerhard Hirschfelder verbunden fühlen. Wir freuen uns auch auf Abordnungen aus Polen und Tschechien. Und auf eine rege Teilnahme aus dem Bistum Münster, weil es ja die erste Seligsprechung in Münster sein wird. Insgesamt rechnen wir mit etwa 5.000 Teilnehmern. Die Messe wird deshalb in andere Kirchen als Live-Video übertragen. Im Anschluss soll es ein Fest der Begegnung auf dem Domplatz geben. Ich bin dem Bistum Münster außerordentlich dankbar, dass es uns sowohl beim Seligsprechungsprozess als auch bei der Organisation der Feierlichkeiten so intensiv unterstützt hat und immer noch unterstützt.

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