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23.05.2012
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Bischof Felix Genn.

Bischof Felix Genn.

Bischof Felix Genn hat die Seelsorger zum Gespräch eingeladen

Missbrauchsfälle im Mittelpunkt

Bistum. Zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über das Thema "Sexueller Missbrauch von Minderjährigen" hat Bischof Felix Genn die Priester, Diakone, Pastoralreferentinnen und -referenten des Bistums nach Münster eingeladen.

Zu dem Treffen am Montag (14.06.2010) in der Halle Münsterland in Münster haben sich bislang rund 500 Seelsorgerinnen und Seelsorger angemeldet. Bischof Genn wird sie begrüßen, danach wird die Bistumskommission für "Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche" unter Leitung von Pfarrer Hans Döink erste Ergebnisse ihrer Arbeit vorstellen.

Der Regens des Bischöflichen Priesterseminars Borromaeum, Andreas Tapken, wird die Ausführungen ergänzen; Tapken war vor seiner Zeit als Leiter des Seminars Professor für Psychologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und ist ausgebildeter Psychotherapeut.

Es folgen Gespräche in Kleingruppen; sie münden in eine Podiumsdiskussion mit Bischof Genn, Personaldezernent Domvikar Hans-Bernd Köppen, Regens Tapken und den Mitgliedern der Missbrauchskommission. Die Öffentlichkeit soll in einer Pressekonferenz über die Ergebnisse informiert werden.

Seit Mitte Januar erschüttert der Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland. Der Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, Pater Klaus Mertes, informierte seinerzeit in Briefen rund 500 Schüler der "potenziell betroffenen" Abiturjahrgänge 1975 bis 1983 über mögliche Missbräuche durch Mitglieder des Ordens. Er entschuldigte sich für "ein Wegschauen" im Lehrerkollegium und im Jesuitenorden. Dies löste eine Welle von Enthüllungen über derartige Vergehen in der katholischen Kirche aus.

Das Bistum Münster blieb davon nicht verschont. Auch hier gab es eine Reihe von Missbrauchsfällen, die publik wurden. Opfer legten ihre Scheu ab und berichteten über derartige Grenzüberschreitungen von Priestern. Überdies gab es Geistliche, die von sich aus Fehlverhalten zugaben.

Antlitz der Kirche "entstellt"

Der diözesane Missbrauchsbeauftragte, Pfarrer Döink, erklärte gegenüber Kirche+Leben im Februar: Die öffentliche Debatte sei ein "Reinigungsprozess, der notwendig ist" für die Kirche. Zu lange sei das Thema verharmlost worden, wobei Döink einschränkte, dass diese Tendenz zum Vertuschen und Verschweigen insgesamt in der Gesellschaft so gewesen sei. Erst seit einigen Jahren sei ein anderes Bewusstsein entstanden. "Wir müssen uns diesen Missbräuchen offen stellen, sie aufklären und informieren – das sind wir den Opfern und auch der Gesellschaft schuldig."

Die Bistumsleitung mit Bischof Genn an der Spitze legte stets großen Wert auf umfassende Aufklärung; nichts solle vertuscht, Opfern müsse geholfen und Täter bestraft werden. Mehrmals riefen Bistumsleitung und Missbrauchskommission dazu auf, dass Opfer sich melden sollten.

Bischof Genn zeigte sich zu Beginn der Fastenzeit "erschüttert" über die Missbrauchsfälle durch Priester und Ordensleute: "Das unsägliche Leid, das von kirchlichen Verantwortlichen wehrlosen Kindern zugefügt worden ist, beschämt mich zutiefst."

In der Chrisammesse der Karwoche drückte der Bischof erneut "tiefe Erschütterung, Beschämung und Schmerz" aus. Genn beklagte "schwerwiegende Sünden Einzelner, auch aus dem Klerus unseres Bistums". Jesus habe den Christen das Vermächtnis seiner Liebe anvertraut, erinnerte der Bischof. "Priester und andere Geweihte haben dieses Vertrauen verraten und unsägliches Leid über wehrlose Menschen gebracht." Die Wunden der Opfer seien noch nach Jahrzehnten tief. Die Kirche, deren "Antlitz entstellt" und deren "Zeugnis verdunkelt" sei durch diese "schändlichen Vergehen", könne und wolle nichts entschuldigen. "Wir können allein an die Barmherzigkeit Gottes appellieren."

Mit der Informations- und Diskussionsveranstaltung am 14. Juni setzt die Bistumsleitung ihren Weg der Aufklärung fort.    

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