
Margret Pernhorst.
Abschiedsrede von Margret Pernhorst vor dem Diözesankomitee
Leidenschaftlicher Appell: "Laien mehr beteiligen"
Bistum. In ihrer Rede zum Abschied vom Amt der Vorsitzenden des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster hat sich Margret Pernhorst für den Weg der Verständigung zwischen Laien und kirchlicher Hierarchie stark gemacht und zugleich in einem leidenschaftlichen Appell eine stärkere Einbeziehung der Laien in die laufende Neustrukturierung der Seelsorge gefordert. Die Rede war von starkem Applaus begleitet; am Ende gab es stehende Ovationen für Pernhorst.
"Grundsätzlich war und bin ich der Auffassung, dass wir in den vergangenen Jahren – trotz zum Teil unterschiedlicher Meinungen mit der Bistumsleitung – immer gut den Weg des Dialogs und des Miteinanders gegangen sind." Das sagte Pernhorst in ihrem letzten Rechenschaftsbericht vor der Vollversammlung des Diözesankomitees, dem sie 20 Jahre vorstand. Sie habe sich stets dem Dialog mit der Bistumsleitung verpflichtet gesehen. An den neuen Vorstand appellierte sie, den Weg weiter zu gehen.
Auseinandersetzungen um Schwangerschaftskonfliktberatung
"Es gab schwere Zeiten, etwa während Auseinandersetzungen um die kirchliche Schwangerschaftskonfliktberatung, in denen auf mich Druck ausgeübt wurde, doch ›denen da oben‹ mal kräftig die Meinung zu sagen." Sie habe dem Druck widerstanden, "weil ich wusste, dass man sich immer zwei Mal im Leben trifft".
Sie persönlich setze sich für den von Katholiken gegründeten bürgerlichen Verein "Donum Vitae" ein, der Schwangeren im staatlichen System der Konfliktberatung helfe und ihnen "guten Rat" gebe. "Wir retten damit Leben", betonte Pernhorst.
"Viele Engagierte sind frustriert"
Die Veränderungen der Seelsorgestrukturen in den Gemeinden dominieren nach Ansicht der scheidenden Vorsitzenden derzeit das Denken von Aktiven. "Viele Engagierte sind frustriert, weil sie sich in ihrem Tun und in ihrer Meinung nicht ernstgenommen fühlen", stellte Pernhorst heraus.
Zwar sei nachvollziehbar, dass Vorgaben umgesetzt würden, die sicherlich auch einer Not gehorchten, aber sie vermisse die Beteiligung der Laien an dieser Neustrukturierung. Es dürfe sich keiner wundern, "wenn diese Pläne zu heftigen Protesten in den betroffenen Gemeinden führen werden".
"Ich frage mich, warum man aus den bisherigen Erfahrungen mit dem Thema Strukturreform keine Lehren gezogen hat", sagte die 66-Jährige. Offenkundig sei die Zahl der Priester der Fixpunkt aller Überlegungen: "Kaum einer versteht, warum angesichts des tiefgehenden Strukturwandels in der deutschen Kirche, die Bischöfe nicht intensiver über die Zugangsvoraussetzungen für das Priesteramt nachdenken."Nachdrücklich forderte sie eine stärkere Mitsprache der Laien bei den Neustrukturierungs-Überlegungen.
"Ich vermisse Zutrauen"
"Derartige gravierende Änderungen können nur im Miteinander von Bischof, Priestern und Gläubigen beraten, beschlossen und umgesetzt werden. Ich vermisse das Zutrauen in uns." Dies nannte sie "schade, bedauerlich, auch verletzend – aber eben auch höchst ärgerlich".
Sie verwies auf die Stimmung in vielen Gemeinden und bei Engagierten: "Die Verantwortlichen in der Kirche spielen auf riskante Weise mit einer begrenzten Ressource: dem Engagement der Gläubigen." Zwar sollten die Laien "Stimme der Kirche in der Welt" sein. "Aber innerkirchlich sollen wir schweigen?"
Mit großer Mehrheit beschloss die Vollversammlung anschließend, bei der nächsten Sitzung des Diözesanrates eine Beteiligung der Laien an der Entwicklung von Konzepten für die Zukunft von Pfarrei- und Gemeindearbeit zu fordern.
Hinweis:
Der Text der Ansprache von Margret Pernhorst steht zum Download zur Verfügung unter
www.dioezesankomitee.de
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