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23.05.2012
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Franz van der Kemp.

Franz van der Kemp hat sich mit der Pilgerfahrt seines Großvaters beschäftigt und aus seinen Briefen ein 60-seitiges Buch verfasst.

Eine Volkspilgerreise für die deutschen Katholiken vor 100 Jahren

"Da müssten Steine weich werden"

Waltrop. Vier Friesdorfer machten sich vor 100 Jahren gemeinsam mit 780 Pilgern auf den Weg ins Heilige Land. Zum Kirchweihfest der Votivkirche Mariä Heimgang auf dem Berg Zion wollten sie in Jerusalem sein. Franz Heubach, einer der Pilger, ließ seine Familie über Briefe an seiner Reise teilhaben. Sein Enkel, Franz van der Kemp, hat die Briefe in einer Schublade gefunden und mit Fotos als kleines Buch herausgebracht.

Es war eine abenteuerliche Reise, auf die sich die vier Männer vor 100 Jahren begeben haben. Franz Heubach, Johannes Beißl, Joseph Schugt und Wilhelm Huth aus Friesdorf bei Bonn machten sich auf den Weg, um bei der feierlichen Kirchweih der Dormitio Mariae  in Jerusalem dabei zu sein.

Die Dormitio-Kirche steht auf dem Zionsberg, südlich der ummauerten Altstadt von Jerusalem. Diese heilige Stätte, an der nach alter Überlieferung die Gottesmutter Maria gelebt hat und gestorben ist und das Pfingstereignis stattgefunden hat, hatte Kaiser Wilhelm II. erworben und im Oktober 1898 an den Deutschen Verein vom Heiligen Land übereignet. Dieser rief zu Spenden für die geplante Errichtung der Kirche auf, und bald war die Finanzierung gesichert. Ein Jahr später wurde der Grundstein für das Kloster der Benediktiner und die Kirche gelegt, die Vollendung war für das Jahr 1910 geplant, die Kirchweih für den 10. April vorgesehen. Aus diesem Anlass bereitete der Deutsche Verein vom heiligen Land eine große Volkspilgerreise zur Weihe vor.

Die vier Friesdorfer Pilger ließen sich im Heiligen Land fotografieren: (v.l.) Franz Heubach, Josef Schugt, Theologiestudent Wilhelm Huth, für den die drei anderen die Reisekosten übernommen hatten, und Johann Beißl.

Mit dabei waren eben auch die vier Friesdorfer. Von ihren Pilgererlebnissen berichteten sie regelmäßig den Daheimgebliebenen per Brief und Postkarte. "Diese Briefe hat meine Mutter Anna van der Kemp, geborene Heubach, zusammen mit persönlichen Briefen in einer Schublade aufbewahrt. Uns Kindern war es verboten, in diese Schublade zu schauen. Und obwohl sie nicht abgeschlossen war, haben wir uns daran gehalten", erzählt Franz van der Kemp. Erst als seine Eltern verstorben waren, hat der heute 78-Jährige sich der Korrespondenz diskret angenommen. "Zwischen den Pilgerbriefen waren auch die Briefe, die sich meine Eltern kurz nach ihrem Kennenlernen geschrieben haben. Diese haben wir natürlich nicht gelesen", erzählt er. Dafür faszinierte ihn die Post seines Großvaters Franz Heubach um so mehr. "Als ich in Kirche+Leben einen ausführlichen Bericht über das 100-jährige Jubiläum der Benediktinerabtei Hagia Maria Sion gelesen habe, entsann ich mich dieser Briefe, die an seine Wallfahrt ins Heilige Land erinnern."

Zuerst schrieb van der Kemp die in Sütterlinschrift verfassten Briefe ab, damit er sie besser lesen konnte. Immer mehr begeisterte sich der historisch interessierte Gärtnermeister für die Geschichte der Pilger. "Und je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, um so mehr wuchs in mir der Wunsch, selbst ins Heilige Land zu fahren." Er erfüllte sich und seiner Ehefrau Hedwig diesen Wunsch und nahm an einer von Kirche+Leben organisierten Pilgerreise ins Heilige Land teil. Gemeinsam mit insgesamt 180 Pilgern und dem damaligen Bischof Reinhard Lettmann machten sich die Beiden kurz nach dem Osterfest 2008 auf den Weg. "Es war das Erlebnis meines Lebens", schwärmt van der Kemp noch heute. Eucharistiefeiern am See Gennesaret, der Besuch heiliger Stätten in Jerusalem und Betlehem und vieles mehr hat das Ehepaar beeindruckt. "Wenn ich heute in der Kirche bin und die Texte der Evangelisten höre, verstehe ich sie besser. Auch haben wir aus dem Jordan Wasser mitgenommen. Damit sind schon vier Enkelkinder getauft worden", erzählt van der Kemp. Und natürlich hat die Gruppe auf der Dormitio, dem Ziel der Vorfahren, Gottesdienst gefeiert. "Wenn ich überlege, wie die Pilger vor 100 Jahren unterwegs waren, muss ich ihnen ein großes Lob zollen. Aber auch die Organisation unserer Reise war bestens", vergleicht er. Mehr Ziele in kürzerer Zeit  seien heute möglich. Sechs Wochen waren die Pilger vor 100 Jahren unterwegs, mit dem Zug, dem Schiff und auf dem Esel. "Es war gefährlich für die Pilger unterwegs. Und Spannungen zwischen den Religionen gab es übrigens auch vor 100 Jahren."

1926 starb der Großvater. "Aber meine Mutter hat die Briefe immer wie einen Schatz gehortet", erzählt van der Kemp, der in Essen-Steele aufgewachsen ist und seit 1964 in Waltrop lebt. Denn was damals funktionierte, war die Post. Briefe hatten einen persönlichen Wert und wurden deshalb aufbewahrt. "Mich haben vor allem das Gottvertrauen und die religiöse Begeisterung der Pilger beeindruckt", sagt van der Kemp. Die Dokumente mit weiteren Informationen über die Fahrt und Fotos aus der Zeit hat van der Kemp in einem kleinen Buch zusammengetragen und im Eigenverlag herausgebracht.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterAuszüge aus den Briefen
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterPilgern vor 100 Jahren
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Wallfahrt

Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michaela Kiepe, privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
29.04.2010

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