
Bischof Genn sprach mit Blick auf die Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche das Schuldbekenntnis.
Missbrauchsskandal: Bußakt in der Chrisammesse mit Bischof Genn
"Unsägliches Leid, verratenes Vertrauen"
Bistum. In einem besonderen Bußakt hat Bischof Felix Genn angesichts der Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche "tiefe Erschütterung, Beschämung und Schmerz" ausgedrückt. Der Bußakt eröffnete die Eucharistie zur Weihe der liturgischen Öle am Montag (29.03.2010) im St.-Paulus-Dom in Münster, die Genn gemeinsam mit zwölf Dechanten zelebrierte. An der so genannten Chrisammesse nahmen traditionell zahlreiche Priester des Bistums teil.
Genn beklagte "schwerwiegende Sünden Einzelner, auch aus dem Klerus unseres Bistums". Jesus habe den Christen das Vermächtnis seiner Liebe anvertraut, erinnerte der Bischof. "Priester und andere Geweihte haben dieses Vertrauen verraten und unsägliches Leid über wehrlose Menschen gebracht." Die Wunden der Opfer seien noch nach Jahrzehnten tief. Die Kirche, deren "Antlitz entstellt" und deren "Zeugnis verdunkelt" sei durch diese "schändlichen Vergehen", könne und wolle nichts entschuldigen. "Wir können allein an die Barmherzigkeit Gottes appellieren", sagte Genn. Er rief Gott "inständig" um Erbarmen an, bat um "reumütige Herzen", Reinigung und innere Erneuerung.
Enthüllungen "übersteigen meine Kraft"
In der Predigt betonte der Bischof mehrfach, die Enthüllungen "übersteigen meine Kraft". Er könne kaum fassen, "welches Ausmaß von Verwüstung in den Herzen und Seelen junger Menschen gerade durch Priester und Ordensleute angerichtet worden ist". Genn zeigte sich entsetzt von der "inneren Qualität" der Geschehnisse: "Dass Diener des Heilswerkes Jesu Christi sich so versündigen können! Dass unsere Verkündigung vom Wert jedes einzelnen menschlichen Lebens so verletzt worden ist!"
Die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten ihn in eine ungeheure Spannung versetzt, sagte Genn. Er sehe das unermessliche Leid der Opfer, die oft keine Stimme gehabt hätten, weil sie diese Erfahrung habe verstummen lassen, "die keinen gefunden haben, der ihren Worten glaubte", und die "tiefe Einsamkeit" erlebt hätten. Bei aller Unvorstellbarkeit sei die Kirche gefordert, mit diesen Wunden umzugehen.
Zugleich denke er an die Täter, sagte der Bischof, die aus "krankhaftem Trieb", aus "Motiven, die sie selber nicht mehr steuern konnten", oder "ungeordneter, nicht geklärter Sexualität" gehandelt hätten. Hinzu komme ihr Versagen, dem nicht ins Auge geschaut zu haben.
Ein nachdenklicher Bischof Felix Genn bei der Messe zur Weihe der liturgischen Öle. |
Wunden nicht zu übersehen
Als Christ könne er die Wunden beider Seiten nicht übersehen. Das berge die Gefahr, "das Leid der einen gegenüber dem, was die anderen getan haben, zu mildern". Der Bischof suchte in der Predigt, in der er mehrmals mit den Tränen kämpfte, nach der richtigen Reaktion. Er wandte sich aber gegen den Generalverdacht, dem sich "so viele treue Mitbrüder" ausgesetzt sähen. Sie seien persönlich verletzt und fürchteten um die "liebevolle Nähe", die unbedingt zur Seelsorge gehöre. "Wir als Kirche sind gefordert, in Stellvertretung und Sühne für all das, was geschehen ist, Buße zu tun. Denn in dieser Stunde bewahrheitet sich, dass einer des anderen Last zu tragen hat."
Dass die Kirche sich nun stelle, sei ein "höchst schmerzlicher Prozess der Reinigung". Auch die Angriffe auf Benedikt XVI. im Zug des Missbrauchsskandals sprach Genn an, die ihn persönlich verletzt hätten. Er bat die Geistlichen, mit ihm das Treueversprechen gegenüber dem Papst zu erneuern. Diese innere Solidarität schuldeten die Priester dem "Träger des Petrusdienstes".
Nach der Chrisammesse nahmen Vertreter der 44 Dekanate des Bistums die Öle entgegen, die bei der Spendung einiger Sakramente verwendet werden. In den Gemeinden werden die Öle am Gründonnerstag (01.04.2010) bei der Eucharistie vom Letzten Abendmahl feierlich in Empfang genommen.
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Dokumentiert: Der Text des Bußaktes (29.03.2010)
Dokumentiert: Die Predigt von Bischof Felix Genn (29.03.2010)
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Übersicht: Kindesmissbrauch
Text: Jens Joest, Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte
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