
Katholiken unter Generalverdacht.
Ein Zwischenruf:
Es wird nicht aufhören
Ich bin es leid! Ich kann die immer neuen Meldungen über Kindesmissbrauch, die ich nahezu täglich bearbeiten muss, nicht mehr sehen. Sie tun mir weh. Das Leid der Kinder, die noch als Erwachsene unter dem Trauma des Missbrauchs leben, rührt mich zutiefst. Und ich werde angesprochen darauf, denn schließlich wissen Familie und Freundeskreis, wo ich arbeite. Mit den allermeisten Zeitgenossen sehe ich (selbst Vater von vier Kindern) im Kindesmissbrauch eines der schändlichsten Verbrechen, die ein Mensch begehen kann.
Mit aller Konsequenz müssen die Taten ohne Rücksicht auf die Täter aufgeklärt werden. Neues Unrecht darf durch die Täter nicht geschehen. Alles muss getan werden, um den Opfern zu helfen. Soweit dies finanziell möglich ist, sind hier zuallererst die Täter in die Pflicht zu nehmen. Der Weg der konsequenten Aufklärung und der nüchternen, schonungslosen Berichterstattung darüber, der sich auch Kirche+Leben verpflichtet fühlt, ist der einzige Weg, den Schaden zu begrenzen und dem voranschreitenden Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche entgegenzuwirken.
Am Pranger
Die Kirche steht am Pranger. Wir stehen am Pranger. Denn wir sind Kirche. Wir alle leiden auch darunter. Manche Hirten entpuppen sich als schwarze Schafe, die schwere Schuld auf sich geladen haben. Und wir alle müssen büßen. Wir müssen rechtfertigen, warum wir dennoch »bei diesem Laden« bleiben.
Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie: Es wird nicht aufhören! Denn auch künftig werden Christen, Mitglieder unserer Kirche, Schuld auf sich laden und immer mal wieder wird dies öffentlich und die Kirche als "scheinheilig" beschimpft. Schuld gehört zum Leben dazu, auch wenn wir geneigt sind, sie zu verdrängen und uns ihr nicht zu stellen.
Bescheidener, demütiger werden
Aber unser Glaube hat die Vergebung von Schuld, die Erlösung von den Sünden zum Kern. Die Einsicht in unsere Schuld sollte uns bescheidener, demütiger werden lassen: jeden Einzelnen – aber eben auch die Amtsträger in der Kirche.
Unverdient, unverhofft – aber dennoch: Wir sind erlöst! Das darf uns glücklich machen, aber nicht überheblich. Wir bleiben weiter (auch) die Kirche der Sünder. Heilig ist die Kirche nur deshalb, weil sie von Gott geliebt ist, nicht weil wir moralisch-sittlich zweifelsfrei wären.
Tränen über Schuld
Öffentliche Büßer wurden in der alten Kirche am Gründonnerstag wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Es war ein sinnfälliges Zeichen für ihr Vergehen – aber eben auch für Vergebung und Barmherzigkeit. Daher hat dieser Tag seinen Namen: "Grün" kommt von "greinen" – Tränen über Schuld und neue Aufnahme in die Gemeinschaft.
Provokante Fragen: Und was ist heute mit den Tätern, die schwere Schuld auf sich geladen und auf schändlichste Weise Leid über Kinder gebracht haben? Haben auch Kinderschänder ein Recht auf Vergebung? Auf Barmherzigkeit? Wie soll das geschehen? Können wir das überhaupt? Und was bedeutet das für die Opfer? – Ich habe keine fertigen Antworten und ich bin sicher, dass dies nicht von heute auf morgen geht.
Eine Provokation
Aber: Wir glauben, dass Christus für alle Sünden am Kreuz gestorben ist. Waren es nur unsere (vermeintlich) lässlichen Sünden oder auch die Verbrechen ungezählter Bösewichte in der Geschichte und auch der von heute und morgen? Und wenn wir durch den Tod Jesu erlöst sind: Nur wir oder auch die Übeltäter? Oder ist Jesus womöglich umsonst gestorben? Das ist für mich die Provokation des Kreuzes im Jahr 2010.
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Wie Ex-Polizistin Schramm-Arntzen pädophile Priester überführt
Übersicht: Kindesmissbrauch
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Text: Norbert Göckener in
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