
Andreas Schmitz (l.) und Willi Wessels informierten über die Recherche des Martinistifts zu möglichen Missbrauchsfällen.
Martinistift recherchiert intensiv
"Bislang keine konkreten Missbrauchsfälle"
Nottuln-Appelhülsen. Mit Blick auf mögliche Missbrauchsfälle und gewalttätige Übergriffe auf Heimbewohner arbeitet das Martinistift in Nottuln-Appelhülsen derzeit intensiv an der Aufarbeitung seiner Anstaltsgeschichte. Im Fokus stehen dabei einige Behauptungen, die in den vergangenen Monaten von ehemaligen Bewohnern der Kinder-, Jugend- und Familienhilfeeinrichtung geäußert wurden. Das teilte der Geschäftsführer des Stifts, Andreas Schmitz, am Freitag (26.03.2010) in einer Pressekonferenz mit. "Konkrete Hinweise oder Verdachtsfälle gibt es aber nicht", betonte er.
Die Leitung des Stifts sei sehr daran interessiert, jedes Vergehen so schnell wie möglich zu klären, so Schmitz. Dazu würden zurzeit alle relevanten Akten gesichtet sowie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter befragt. "Zudem bitten wir alle ehemaligen Heimbewohner, die möglicherweise unter Misshandlungen gelitten haben, sich zu melden." Man werde alles tun, um diese Fälle "schonungslos" aufzuklären. Die bisherige Recherche habe allerdings noch keine konkreten Anhaltspunkte geliefert.
Die Vorwürfe, die zum Teil über die Presse geäußert worden seien, hätten bislang lediglich allgemeinen Charakter, erklärte Willi Wessels, Vertreter des Bistums im Vorstand der bischöflichen Stiftung, welche die Einrichtung trägt, und Mitglied des Aufsichtsrates. "In jeweils einem Fall aus den 1940er und 1960er Jahren haben wir bislang ohne Erfolg versucht, Kontakt aufzunehmen, um den Sachverhalt zu klären." Ein Fall, bei dem es um die allgemeinen Erziehungsmethoden im Stift gegangen sei, sei bereits vor vier Jahren aufgearbeitet worden. Zudem gebe es in weiteren fünf Fällen vage Hinweise, für die man weitere Gespräche suchen wolle. "Wir hoffen nun auf möglichst konkrete Informationen von Ehemaligen, um die Fälle prüfen zu können", so Wessels. Sollte es Fälle von Übergriffen Geistlicher gegeben haben, werde die diözesane Missbrauchskommission eingeschaltet.
Im Martinistift, das vor 112 Jahren gegründet wurde, und seinen angeschlossenen Einrichtungen leben derzeit etwa 140 Jugendliche. Viele ehemalige Heimbewohner nähmen schon seit einigen Jahren das Angebot an, die eigenen Akten durchzusehen und mit den Mitarbeitern über ihre Erlebnisse im Stift zu sprechen. "Sie kommen mit guten und mit schlechten Erfahrungen", weiß Schmitz. Gerade der strenge Erziehungsstil früherer Jahre mit vereinzelt dokumentierten Methoden der Züchtigung habe in Einzelfällen Spuren hinterlassen. Akten aus den Jahren vor 1960 seien aber leider nicht mehr vorhanden, erklärte Schmitz.
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
26.03.2010
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