
Bundesumweltminister Norbert Röttgen sprach im St. Paulus-Dom zum Thema "Bewahrung der Schöpfung".
Fünfte Fastenpredigt im Dom mit Umweltminister Norbert Röttgen
Gestaltungsauftrag für eine gerechtere Welt
Münster. Es sei ihm "eine Ehre, in Münsters Dom zu sprechen": Bundesumweltminister Norbert Röttgen beendete am Mittwoch (24.03.2010) mit dem Thema "Die Menschheit hat nur Zukunft, wenn die Schöpfung Zukunft hat" die Reihe der Mittwochs-Fastenpredigten. Seinen Anspruch, diese These als Politiker ebenso wie als engagierter Christ zu betrachten, löste er in bemerkenswerter Weise ein. Lang anhaltender Applaus im gut besetzten Dom bestätigte diesen Eindruck.
Nichts weniger als eine neue, gerechte Ordnung für die Welt forderte der Minister, der seit gut fünf Monaten für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zuständig ist. "Die Weltordnung ist derzeit im Fluss", sagte er. "Eine globale Antwort auf die globalen Herausforderungen der Zeit gibt es noch nicht." Wohl aber zunehmend die Erkenntnis, dass der Mensch mit Gottes Schöpfung nicht mehr weiter so umgehen könne wie bisher: "Der Ressourcenverbrauch übersteigt längst die Regenerationsfähigkeit der Erde", mahnte der 44-Jährige und forderte, dass die Welt einen Strukturwandel brauche. "Die Zeit des quantitativen Wachstums ist definitiv vorbei." Er wünsche sich eine Veränderung hin zu einem qualifizierten Wachstumsbegriff, der Fakten wie menschliche Zuwendung, Integriert-Sein und die Bewahrung natürlicher Erholungsräume als Reichtum erlebbar mache.
Lebensgrundlage für nachfolgende Generationen
Ausgegangen war der CDU-Politiker vom Schöpfungsbericht: "Gott hat Ordnung im Chaos der Welt geschaffen - und genau das ist der Auftrag, den er dem nach seinem Bild geformten Menschen mitgegeben hat: Er soll ein Gärtner sein, der die Schöpfung hegt und pflegt und sie als Lebensgrundlage auch für die nachfolgende Generationen immer neu bewahrt und im Blick hat." Bedrohe der Mensch aber diese Welt in ihrer Würde und Vielfalt, dann missachte er den Willen des Schöpfers.
"Es bedrückt mich, dass wir keine Sprache finden, um die Gefahren wirklich emotional zu benennen", sagte Röttgen. Die technische Sprache bei den internationalen Konferenzen führe zu öffentlicher Sprachlosigkeit, bekannte der Vater von drei Kindern. Doch da gebe es ja die Worte der Bibel, denen eine kulturelle Kraft innewohne: "Wir brauchen keine Horrorszenarien, keinen Verzicht, wenn wir alle die vom Schöpfer gewollte Ordnung mit dem Willen zu Respekt, zu Ressourcen-Schonung, zur Umstellung vom Verbrauchen zum Teilen intelligent weiterentwickeln."
"Ethische Herausforderung" für die Demokratie
Diesen konkreten Gestaltungsauftrag zu mehr Gerechtigkeit - "denn das Privileg auf Wohlstand für wenige ist ungerecht" - nannte Röttgen eine "ethische Herausforderung" sowohl für die Politiker als auch für die Demokratie. "Denn es stellt sich wieder zunehmend die Frage nach den politischen Systemen", so balancierte er etwa zwischen China und Amerika, die den gleichen Herausforderungen auf verschiedene Weise gegenüberträten.
"Das Ernstnehmen des Auftrag Gottes zur nachhaltigen und gerechten Ordnung der Welt ist eine hervorragende Möglichkeit, christlichen Glauben in konkrete Politik umzumünzen", so beendete der Minister seine Rede, in der er auch an den Westfälischen Frieden als Beispiel für eine neue Ordnung nach dem Chaos eines Kriegs erinnert hatte. In den anschließenden Fürbitten, die Prälat Martin Hülskamp formulierte, war das übergreifende Motto der vergangenen fünf Fastenpredigten, nämlich "Gottes Schöpfung bewahren", noch einmal zusammengefasst.
Etliche Protestierende gegen Gentechnik und Atomkraft blieben draußen vor dem Dom. Vermutlich hätte ihnen so manche Äußerung des Manns aus Berlin doch gefallen, wenn sie sie drinnen gehört hätten.
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Text: Heike Hänscheid | Foto: Heike Hänscheid
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