
Steyler Missionshaus St. Arnold bei Neuenkirchen.
Steyler kritisieren Medien: Auf Opferschutz achten
Missbrauch in St. Arnold in den 1980er Jahren
Bistum / Neuenkirchen-St. Arnold. Anfang der 1980er Jahre hat es einen Fall von sexuellen Missbrauch am Arnold-Janssen-Gymnasium in Neuenkirchen-St. Arnold gegeben. Der Täter sei mittlerweile verstorben, heißt es in einer Mitteilung der Steyler Missionare vom Donnerstag (19.03.2010).
Die vom Opfer gewünschte Anonymität will der Orden nach eigenen Angaben schützen, "aber dennoch die Öffentlichkeit über den Fall und die Konsequenzen für den heutigen Umgang des Ordens mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs informieren".
Wunsch des Opfers respektieren
Kritik an den Medien äußerte die Pressesprecherin der Steyler, Tamara Häußler-Eisenmann: "Die Formulierungen der Medienvertreter, dass es sich dabei um einen Internatsschüler handelt, sind reine Interpretation unserer Pressemitteilung und entsprechen nicht unseren Formulierungen. Opferschutz ist unsere oberste Priorität und wir bitten die Medien dringlichst, dem Wunsch der Opfer ebenso zu entsprechen und bezüglich der Formulierungen sensibel zu sein."
Die seit Anfang Februar laufenden ordensinternen Nachforschungen hatten bisher keinen Hinweis auf Übergriffe von Steyler Missionaren an Schülerinnen und Schülern des Arnold Janssen Gymnasiums unter der Trägerschaft der Steyler Missionare erbracht, heißt es in der Mitteilung. Erst der Anruf eines Opfers am Mittwoch (17.03.2010) habe einen Fall in den 1980er Jahren aufgedeckt. "Das Opfer möchte nicht an die Öffentlichkeit. Wir möchten dieser Bitte entsprechen und wünschen uns von den Medien einen ebenso respektvollen Umgang", erklärte Pater Bernd Werle, Provinzial der Steyler Missionare in Deutschland.
Übergriffe dauerten drei Jahre
Weiter heißt es in der Mitteilung: "Im konkreten Fall war das Opfer 14 Jahre alt, als der Täter, der im Jahr 2000 verstorben ist, es erstmals sexuell missbrauchte. Die Übergriffe dauerten insgesamt drei Jahre an."
Pater Bernd Werle betonte: "Als Provinzial der Steyler Missionare fühle ich mich angesichts der Schuld, die Mitbrüder damals auf sich geladen haben, ohnmächtig und beschämt. Die Schuld ist da. Die verletzten Opfer sind da. Von all dem, was an Bösem Schutzbefohlenen passiert ist, können wir nichts mehr ungeschehen machen. In meiner Verantwortung für die Steyler Missionare in Deutschland möchte ich die Opfer und ihre Familien um Vergebung bitten für das Unrecht, das ihnen durch Mitglieder unserer Ordensgemeinschaft angetan wurde."
Ob es weitere Opfer dieses Täters gibt, ist den Steyler Missionaren derzeit nicht bekannt. "Wir bitten deshalb dringlichst darum, dass sich ehemalige Schülerinnen und Schüler des Arnold-Janssen-Gymnasiums, die Opfer sexueller Übergriffe durch Steyler Missionare geworden sind, bei uns melden, " erklärte Werle weiter.
Versetzung des Täters
Entsprechend der damaligen Vorgehensweise sei der Täter nach Bekanntwerden der Vorwürfe versetzt worden. Ihm seien Aufgaben übertragen worden, die ihm den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen nicht mehr ermöglicht hätten. Eine therapeutische Aufarbeitung sei nicht eingeleitet worden.
"Heute würde es einen solcher Umgang mit den Geschehnissen nicht mehr geben", sagte Werle. "Entsprechend der ´Leitlinien zum Vorgang bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Ordensleute´ ist eine Therapie in jedem Fall unerlässlich. Zudem haben wir einen unabhängigen Beauftragten für sexuellen Missbrauch, zu dem auch ein Täter Kontakt aufnehmen muss. Die Benennung eines unabhängigen Beauftragten ist deshalb so wichtig, weil er außerhalb des Ordens steht und damit über die nötige Distanz verfügt."
Opfer sexuellen Missbrauchs durch Angehörige des Ordens wird ebenfalls die Möglichkeit, gegeben, Kontakt zu dem Beauftragten aufzunehmen, um zur Aufklärung beizutragen und auszuloten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind: Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, Entschädigung oder therapeutische Maßnahmen usw.
Arnold-Janssen-Gymnasium heute
Die Trägerschaft des Arnold-Janssen-Gymnasiums in Neuenkirchen-St. Arnold hat seit 1996 das Bistum Münster. Die Niederlassung der Steyler Missionare in St. Arnold wurde am 30.06.2008 geschlossen. Über die neuen Erkenntnisse informierte der Provinzial am Donnerstag Bischof Felix Genn, den Missbrauchsbeauftragten Pfarrer Hans Döink und die Schulleitung.
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Text: Norbert Göckener, pd | Foto: Michael Bönte
19.03.2010
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