
Professor Albert Peter Rethmann sprach beim vierten Geistlichen Themenabend in der Fastenzeit im St.-Paulus-Dom.
Vierter Geistlicher Themenabend im Paulusdom
"Vom Menschen groß zu denken, macht Gott nicht kleiner"
Münster. Das Geschöpf Mensch, seine Würde und Gefährdung standen im Mittelpunkt des vierten Geistlichen Themenabends in der Fastenzeit am Mittwoch (17.03.2010) im St.-Paulus-Dom in Münster. "Die Hochform unseres menschlichen Seins finden wir, wenn wir die Freiheit leben und die Liebe", sagte Professor Albert Peter Rethmann in einer meditativen Betrachtung. "Vom Menschen groß zu denken, macht Gott nicht kleiner", zitierte die Bischöfliche Pressestelle Münster den münsterschen Bistumspriester.
Rethmann äußerte sich zu sexueller Gewalt
In seinen Ausführungen wich Rethmann auch der aktuellen Frage um sexuelle Gewalt in Gesellschaft und Kirche nicht aus: "Die Verbrechen an Kindern sind durch nichts zu entschuldigen. Sie wecken zutiefst Trauer und Scham." Christen dürften ihre Augen auch nicht vor Verfehlungen "in unseren eigenen Reihen" verschließen. Transparenz, Bestrafung der Täter, Hilfe für die Opfer: "Das sind die Gebote, die wir umsetzen müssen, weil wir die Botschaft von der Würde des Menschen ernst nehmen wollen", betonte der Wissenschaftler.
Rethmann benannte vielfältige Gefährdungen des Menschen mit all ihren ethischen Implikationen, von der Stammzellforschung über die Gentechnik bis zur so genannten "Sterbehilfe". Zudem gebe es heute viele Menschen, die Angst davor hätten, eine Lebensentscheidung zu treffen. "Der Mensch, der kein Nein sagen kann, ein Mensch, der jeden Verlust verhindern will, ist nicht freier, sondern unfreier", so Rethmann. Die große Menschheitsfrage laute: "Wie finden wir die Kraft zu der Lebensentscheidung, die uns Menschen in die Freiheit führt?"
Darum gehe es: Alles in Beziehung zu Gott setzen
Außerdem stellte Rethmann die Frage, wie der Mensch in die Lage versetzt werde, sich selbst zu bestimmen, so dass er die Kraft zu der Lebensentscheidung gewinne, die ihn in die Freiheit führe. Gelassenheit in einem christlichen Sinne bedeutet nach seinen Worten nicht die rigoristische Ablehnung der Welt und ist somit frei von der "dualistischen Angst", die nur schwarz und weiß kennt. Rethmann konkretisierte: "Das Reich Gottes braucht keine schlaffen, leidenschaftslosen Frauen und Männer, sondern lebendige, vitale Menschen, die ihre Leidenschaft in den Dienst an den Menschen und am Reich Gottes stellen."
Es gehe darum, alles in Beziehung zu Gott zu setzen, die kleinen und die großen Dinge des Lebens, die hellen und die dunklen Seiten, die angenehmen wie die unangenehmen Menschen, mit denen man sein Leben teilt: "Alles soll auf das Geheimnis bezogen werden, das wir Gott nennen."
Das bevorstehende Osterfest verweise darauf, dass Gott "alles auf eine Karte gesetzt" habe, so Rethmann. Und wörtlich: "Wenn alles zerbricht, bleibt eines: die Liebe, die aus dem Tod zum Leben erweckt. Auf diese Karte setzen wir alles: unser ganzes Leben."
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Text: gt, pd | Foto: Markus Nolte
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