
Margret Pernhorst, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken.
Laienvertretung im Bistum Münster zum Missbrauchsskandal:
Lob für Aufklärungsarbeit – gegen Generalverdacht
Bistum. Die Aufklärungsbemühungen des Bistums Münster im Missbrauchsskandal hat die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, Margret Pernhorst (Lüdinghausen), ausdrücklich gelobt. Gleichzeitig verwahrte sie sich gegen einen Generalverdacht gegenüber allen Priestern.
"Das Bistum – und hier vor allem die Döink-Kommission – macht eine gute Arbeit: Vorwürfen wird nachgegangen, Opfern zugehört und geholfen, Täter werden zur Verantwortung gezogen, die Öffentlichkeit wird laufend informiert", meinte Pernhorst am Dienstag (09.03.2010). Darin dürfe auch nicht nachgelassen werden.
Personell gut aufgestellt
Die diözesane Kommission für "Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche und andere Mitarbeiter(innen) im kirchlichen Dienst" um den Coesfelder Pfarrer Hans Döink sei mit der ehemaligen Kriminalhauptkommissarin Gudrun Schramm-Arntzen und der Kirchenjuristin Professor Myriam Wijlens "personell hervorragend" aufgestellt. Die Bistumsleitung unterstütze sie "sehr gut" in ihrer Arbeit.
Pernhorst lobte die Klarstellungen von Bischof Felix Genn, die er seinem Wort zur Fastenzeit über die Bedeutung des Priesteramtes kurzfristig beigefügt hatte: "Die Entschuldigung des Bischofs und seine Scham über die Taten haben mich und viele Gläubige in unserer Diözese tief beeindruckt", sagte Pernhorst.
"Mehrheit der Geistlichen ist integer"
Der derzeit offenkundige Generalverdacht gegen die Priester ist nach Meinung von Pernhorst nicht angemessen. "Die übergroße Mehrheit der Geistlichen ist integer und geht korrekt mit Kindern und Jugendlichen um. Jetzt alle Priester quasi in Sippenhaft zu nehmen, wird ihrem Engagement für die Menschen nicht gerecht", betonte die Komitee-Vorsitzende. Sie wünsche sich, dass viele Gemeindemitglieder ihren Seelsorgern ihre Solidarität zeigten. "Die Missbrauchsfälle sind schrecklich – aber eine Hysterie darf es nicht geben, weil sie unser kirchliches Leben kaputt macht."
Grundsätzlich positiv sieht Pernhorst den hohen moralischen Anspruch der Öffentlichkeit an die Kirche: "Es ist doch gut, dass die Menschen eine Vorbildfunktion von der Kirche erwarten, denn dafür steht sie ja auch." Allerdings gebe es in der Kirche – wie anderswo auch – Menschen, die Fehler machten und auch einige, die Verbrechen begingen. Jetzt könne die Kirche zeigen, wie sie mit Schuld, mit Opfern und Tätern umgehe.
Kirche und Gesellschaft müssen sensibel werden
"Verbrechen gegen Kinder gibt es leider in der gesamten Gesellschaft; jetzt allein nur auf die Kirche zu schauen, ist angesichts dieser schweren Verbrechen nicht angemessen." Die Gesellschaft – und mit ihr die Kirche – müsse insgesamt sensibler dafür werden. Eine Verlängerung von Verjährungsfristen und deutlich höhere Strafen wären ein weiterer Weg, Kindesmissbrauch zu begegnen und stärker zu ächten.
Angriffe bestimmter Parteien gegen die Kirche hält Pernhorst für heuchlerisch: "Wenn ich sehe, welche politischen Initiativen es noch in den 1980er Jahre zur Straffreiheit von sexuellen Kontakten mit Kindern gab, möchte ich einige Parteien bitten, doch erst einmal die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, statt jetzt populistisch auf die Kirche einzudreschen."
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
09.03.2010
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