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22.05.2012
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Pfarrer Rösner.

Andreas Rösner, Pfarrer in Sassenberg.

Interview mit Pfarrer Rösner über die Situation älterer Priester

Der Priester bleibt Priester bis zum Lebensende

Bistum. Andreas Rösner ist Pfarrer in Sassenberg, St. Johannes Evangelist. Als Mitglied des Priesterrats im Bistum Münster war er Mitglied in der Arbeitsgruppe, die 2005 die Broschüre "Wir werden älter..." veröffentlichte.

Kirche+Leben: Gibt es ein Patentrezept für den Pfarrer, der seine Pfarrstelle aus Altersgründen aufgibt?

Pfarrer Andreas Rösner: Nein, natürlich nicht. Jede Situation gestaltet sich anders. Darum ist es wichtig, dass sich Priester auf diesen Augenblick vorbereiten. Sie müssen sich frühzeitig mit dieser Situation auseinander setzen, Gespräche suchen und sich mit den Möglichkeiten des Wirkens danach befassen, die für sie in Frage kommen.

Kirche+Leben: Was macht die Situation des Priesters anders als die anderer Pensionäre?

Rösner: Der Priester bleibt Priester bis zu seinem Lebensende. Er möchte weiterhin Eucharistie feiern und in irgendeiner Form auch in der Seelsorge tätig sein. Er möchte das weiter tun, was er vom Wesen her ist, nämlich Priester. Deshalb sind die Entscheidungen in diesem Moment nicht nur von praktischer und organisatorischer, sondern auch von spiritueller Wichtigkeit. Es ist vielen nicht bewusst, dass sie auch spirituell in ein Loch fallen können. Dass plötzlich die Möglichkeit zur Eucharistiefeier oder zur Seelsorge nicht mehr so gegeben ist. Nicht wenige entwickeln dann schnell das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden.

Kirche+Leben: Auch die menschlichen Bezugspunkte der Gemeinde fallen weg.

Rösner: Natürlich sind die wegbrechenden zwischenmenschlichen Bezüge und Freundschaften ein Problem. Der Pfarrer war verwurzelt, wusste, wen er wann ansprechen konnte, wer ihm wo Hilfestellung geben konnte. Das fängt bei der Haushälterin an und schließt letztlich alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter ein. Wenn er wegzieht, muss er sich auch ganz neue menschliche Bezüge suchen, was im zunehmendem Alter aber immer schwieriger wird.

Kirche+Leben: Warum muss er wegziehen?

Rösner: Das ist eine Empfehlung vom Priesterrat, um die mögliche Spannung aus der Situation mit dem neuen Pfarrer zu nehmen. Denn für den alten Pfarrer ist es immer schwierig, sich in "seiner" Gemeinde in den Diskussionen zurückzunehmen. Hilfreich ist es oft schon, in den Nachbarort zu ziehen. Die räumliche Trennung ist dann gegeben, Kontakte können aber noch gepflegt werden.

Kirche+Leben: Sind diese Fragen um das Priesterdasein im Alter etwas Neues?

Rösner: Ja, denn früher blieb der Pfarrer bis zum Lebensende in seiner Gemeinde. Die Haushälterin blieb, das Umfeld blieb, die helfenden Hände blieben. Heute muss sich der ältere Priester oft einer ganz neuen Situation stellen. Hinzu kommen die Fragen der wachsenden Lebenserwartung, wie etwa die Mobilität im Alter oder die Vorsorge für eine Pflege. Der Lebensabschnitt nach dem Dienst als leitender Pfarrer wird länger und muss ganz neu gestaltet werden. Um diese Gestaltung muss sich intensiv gekümmert werden.

Kirche+Leben: Gibt es in Zeiten des Priestermangels einen Druck, sich weiter in die Seelsorge einzubringen?

Rösner: Nein. Jemand, der aus gesundheitlichen Gründen wirklich keinen Dienst mehr machen möchte, wird dazu nicht zwangsverpflichtet. In der Regel wollen die alten Priester aber weiterhin Dienst in einer Gemeinde tun.

Kirche+Leben: Welche Hilfestellungen kann sich der Pfarrer dabei holen?

Rösner: Es gibt viele wichtige Gesprächspartner. Zuerst gibt es Mitbrüder, die diesen Schritt schon gemacht haben und Erfahrungen weitergeben können. Auch der Dechant und der Weihbischof der Region sind Kontaktpersonen, mit denen man die künftigen Möglichkeiten ausloten kann. Organisatorische Hilfen gibt es natürlich auch vom Bischöflichen Generalvikariat, etwa von der Hauptabteilung Seelsorge-Personal.

Kirche+Leben: Was kann der Pfarrer tun, in dessen Pfarrei ein älterer Pfarrer kommt?

Rösner: Es ist wichtig, ihm gemeinsam mit der Gemeinde das Gefühl zu vermitteln, dass er noch gebraucht wird. Der ehemalige Pfarrer aus einer anderen Gemeinde muss eingebunden, angefragt und wertgeschätzt werden. Er braucht das Gefühl, gern gesehen zu sein. Natürlich alles in dem Rahmen, in dem er sich selbst noch einbringen möchte. Ich sehe das nicht als Ballast, sondern als eine große Chance für jede Gemeinde. Denn wenn dort jemand ist mit einer großen Erfahrung in der Seelsorge und in der Spiritualität, der zudem noch von aufreibender Verwaltungsarbeit und Verantwortung befreit ist, kann er als Priester auch noch einmal vieles für sich neu entdecken.

Ich denke, dass er eine ganz neue Tiefe und Spiritualität entwickeln kann. Er kann damit zu einer Bereicherung werden, weil er anders auf die Menschen zugehen und wirken kann.

Kirche+Leben: Wie sieht die Situation älterer Priester in 20 Jahren aus?

Rösner: Da kann ich nur spekulieren. Es wird vielleicht schwieriger, sich aus der Position des verantwortlichen Pfarrers ins zweite oder dritte Glied zurückzuziehen, da die Pfarreien dann sehr groß sein werden und die Frage besteht, ob wir dafür überhaupt noch ausreichend Priester haben. Eine Umorientierung im Alter wird dann sicher schwieriger.

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