
Festakt zur Misereor-Eröffnung im Festsaal des münsterschen Rathauses.
Festakt zur Eröffnung der Misereor-Fastenaktion
Rüttgers verspricht Anstrengungen für den Klimaschutz
Bistum. Das Leitwort der Misereor-Fastenaktion "Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können" ist als wichtiger Impuls für die Politik aufgenommen worden: "Wir müssen die Energiewende schaffen und neue Technologien entwickeln, um den Klimawandel zu stoppen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren", sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, am Sonntag (21.02.2010) beim Festakt zur Misereor-Eröffnung im Festsaal des münsterschen Rathauses.
Vor mehr als 500 Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft unterstrich Rüttgers das ehrgeizige Ziel des größten Bundeslandes, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren. "Dies können wir mit Hilfe der erneuerbaren Energien und mit Maßnahmen zur Energieeinsparung schaffen." Nordrhein-Westfalen sei aufgrund des "großen technischen Know-hows als Energie-Region Nummer eins in Deutschland" in der Lage, eine Vorreiterrolle zu spielen, sagte Rüttgers. Angesichts des "Energiehungers" in der Welt, zum Beispiel in China, müssten Standards deutscher Umwelttechnologien in der ganzen Welt umgesetzt werden. "Wir können beispielsweise helfen, in China energieeffiziente und umweltverträgliche Kohlekraftwerke zu bauen." Deren Kraftwerke entsprächen noch lange nicht den neuesten Standards.
Beeindruckt von Leistung der kirchlichen Hilfswerke
Rüttgers zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der kirchlichen Hilfswerke, von denen viele ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen haben. Die kirchliche Solidarität sei in den Pfarreien fest verankert, und auch in Zeiten der Wirtschaftskrise könnten die Hilfswerke hohe Spendenaufkommen verzeichnen. "Gerade in Zeiten der Krise entwickeln Menschen Solidarität. Dass man auch in weniger guten Zeiten zusammenstehen muss, ist ein Lerneffekt der Krise", meinte Rüttgers. In seiner Heimatpfarrei werde "immer gut" für die kirchlichen Hilfswerke gespendet.
Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe zeigte sich erfreut, dass Münster Gastgeber der Misereor-Eröffnung ist: Als Stadt des Westfälischen Friedens mit der Schaffung einer Weltfriedensordnung sei der Blick der Bürger stets auf das Gesamtwohl der Menschheit gerichtet. In der Stadt lebten heute Menschen aus 155 Nationen friedlich miteinander. Dies wertete der Oberbürgermeister als gutes Zeichen für ein gerechtes Zusammenleben in der Einen Welt.
Gute Jugenderinnerungen von Münster OB
Mit Misereor verbinde er gute Jugenderinnerungen: "In meiner katholischen Jugendarbeit Anfang der 1980er Jahre standen Fragen zu den Grenzen des Wachstums hoch im Kurs. Das Hungertuch von 1982 habe ich selbst noch zu Hause. Die Jugendarbeit hat mir damals gezeigt, dass man auch vor Ort etwas für die weltweite Solidarität tun kann. Das hat damals mein politisches Interesse geweckt", bekannte Lewe.
Generalvikar Norbert Kleyboldt äußerte die Hoffnung, dass die Misereor-Eröffnung das Bewusstsein der Menschen verändern werde. Das Anliegen des kirchlichen Hilfswerks bewege viele Menschen. Die Eine-Welt-Arbeit sei im Bistum Münster fest verankert. Kleyboldt wünschte sich auch eine Bewusstseins-Änderung in der Politik: "Wenn die Politiker einen Wahlkampf führen könnten, in der für ein Verzicht zugunsten der Menschen in der Einen Welt geworben werden kann, dann hätten wir schon viel erreicht."
NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. |
Talk – Video – Musik
Mit Talk-Runden, Video-Einspielungen und musikalischen Darbietungen sorgten die Misereor-Organsiatoren für einen kurzweiligen Festakt, der anschaulich das Eine-Welt-Engagement der Kirche deutlich machte: Pere Tilus, katholischer Pfarrer aus Haiti, dankte für die vielen Spenden, die sein Land nach der Erdbeben-Katastrophe erreicht hätten. "Die internationale Hilfe war großartig. Aber es gibt auch die lokale Solidarität im Land, die nicht zu vergessen ist." Die Gemeinden auf Haiti versuchten nun zu helfen, für die etwa 500 000 Flüchtlinge eine neue Bleibe zu finden.
Die brasilianische Ordensschwester Maria Delci Franzen verdeutlichte den Einsatz besonders der Frauen ihres Landes gegen die Brandrodungen des Amazonas-Waldes und für eine alternative Landwirtschaft. In Brasilien setze die Kirche auf einen verstärkten Dialog mit der Politik und Wirtschaft, um die soziale Entwicklung des Landes voranzutreiben.
Soli-Tour von Jugendlichen aus dem Kreis Warendorf
Unter großem Beifall berichtete Max von Plettenberg von einer Soli-Tour von Jugendlichen aus dem Kreis Warendorf und der Bereitschaft junger Menschen, Probleme in der Einen Welt lösen zu wollen. Zahlreiche Spenden kamen beim groß angelegten Sponsorenlauf für das Misereor-Förderprojekt "Mapourdit" im Süd-Sudan zusammen. Im Ort Mapourdit wurde eine Schule gebaut, um den vielen durch den 50-jährigen Bürgerkrieg benachteiligten Kinder eine Schulausbildung zu ermöglichen.
Ein Dankeswort an die "hervorragenden Gastgeber" sprach der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Professor Josef Sayer: "Münster hat uns gut aufgenommen. Wir sind gern in die Westfalen-Metropole gekommen." Besonders würdigte Sayer das Engagement des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen zu wollen und die Schöpfungsverantwortung konkret werden zu lassen.
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Text: Johannes Bernard | Fotos: Michael Bönte
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