
Pfarrer Wilnès Tilus (v.l.), Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer, Erzbischof Luiz Soares Vieira und Bischof Felix Genn.
"Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können"
Misereor-Fastenaktion im Zeichen des Klimawandels
Bistum. "Der Klimawandel ist bereits real. Durch die Veränderungen in der Umwelt und Vegetation wächst der Hunger und die Not der Menschen", sagte Josef Sayer bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Misereor-Fastenaktion 2010 am Donnerstag (18.02.2010) in Münster. Wie der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks erklärte, litten die Menschen in Ländern der Pazifikregion schon jetzt unter den Folgen der Erderwärmung. Daher stelle die diesjährige Fastenaktion mit dem Leitwort "Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können" das Thema Klimawandel in den Mittelpunkt. Sayer erläuterte gemeinsam mit Bischof Felix Genn, Erzbischof Luiz Soares Vieira aus Manaus (Brasilien) und Pfarrer Wilnès Tilus aus Haiti die Ziele der Aktion.
"Die Menschen, die durch ihre Lebensweise nichts zum Kohlendioxid-Ausstoß beitragen, sind die ersten, die bereits heute unter den Folgen des Klimawandels leiden", sagte Sayer. Wie er bei einem Besuch auf der Insel Kiribati in der Südsee erfahren habe, gebe es dort immer häufiger Überschwemmungen, die inzwischen sogar das Grundwasser versalzten. Dies habe zur Folge, dass dort Kinder sterben, weil sie mit dem erhöhten Salzgehalt ihres Trinkwassers nicht zurecht kommen. Angesichts dessen ärgere es ihn besonders, wenn wie bei der Klimakonferenz in Kopenhagen, "theoretische Debatten geführt werden, während anderswo die Welt bereits untergeht".
Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer stellte die Ziele der diesjährigen Fastenaktion vor. |
Wirtschaft hat "nur Gewinn im Blick"
Erzbischof Luiz Soares Vieira berichtete aus seinem Bistum am Amazonas von "ernsthaften Problemen", die der Klimawandel mit sich bringe. Im vorigen Jahr sei die Region erst von heftigem Hochwasser und dann von extremer Trockenheit getroffen worden. Während es früher regelmäßige, sechsmonatige Perioden von Hoch- und Niedrigwasser gegeben habe, gebe es nun ein großes Ungleichgewicht in der Natur. Ein anderes Problem stelle die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes dar, um Flächen für Landwirtschaft, Bergbau oder die Gewinnung von Erdöl zu nutzen. "Die Weltwirtschaft hat nur den Gewinn im Blick", sagte Soares Vieira. Es werde nicht verstanden, dass die Region eine große Bedeutung für das gesamte Weltklima habe.
Die katholische Kirche bemühe sich seit Jahren, die Eigentümer von Regenwaldflächen darin zu bestärken, Widerstand gegen die Abholzung zu leisten. Wenn sie aufgeben, bleibe den Menschen keine andere Wahl als an den Rand der größeren Städte zu ziehen, wo sie im Elend lebten. Die Bevölkerung der Stadt Manaus etwa habe sich in 40 Jahren verzehnfacht auf heute zwei Millionen. Durch dieses rasante Wachstum sei auch die Verschmutzung der Flüsse gestiegen. Außerdem versuche die Kirche, die Menschen für die Gefahren zu sensibilisieren, die der Bau von Wasserkraftwerken mit sich bringe, den die brasilianische Regierung plant.
Genn: "Bewusstsein schaffen"
"Die Kirchen sind in der Lage, den nötigen Druck auf die Politik aufzubauen, sodass die Politiker nicht nur an ihren eigenen Machterhalt denken", sagte Sayer. Bischof Felix Genn bezeichnete es als "große, gewaltige Aufgabe, bei den Menschen ein Bewusstsein für die Probleme des Klimawandels" zu schaffen. Wenn sich in den Herzen und Köpfen der Menschen etwas ändere, dann werde das auch die Politik bewegen, sagte Genn.
Gerade die Fastenzeit biete den Menschen die Chance, sich und ihre Lebensweise ganz bewusst zu hinterfragen, sagte Genn. "Denn wir Christen tragen nicht nur Verantwortung für uns, sondern auch für unsere Mitmenschen." In diesem Sinne gehöre zur Fastenzeit auch eine soziale Komponente. Die sieben Wochen eröffneten den Menschen die Möglichkeit, ihren Lebensstil zu überdenken oder eine Umkehr zu vollziehen. Allerdings müssten sie ihren Worten auch Taten folgen lassen.
Eröffnung am Sonntag
Pfarrer Wilnès Tilus aus Haiti nutzte die Gelegenheit, sich im Namen der katholischen Kirche seines Heimatlandes für die Hilfe und Solidarität nach der Erdbebenkatastrophe Mitte Januar zu bedanken. Trotz der großen Not der Haitianer sei er erstaunt über den Einfallsreichtum mancher Menschen, die bereits jetzt wieder erste Waren verkauften. Viele frühere Bewohner der Hauptstadt seien mit großer Solidarität in umliegenden kleineren Städten aufgenommen worden. Trotzdem sei der größte Teil der Bevölkerung noch immer dabei, das Erdbeben mit seinen Folgen zu verarbeiten.
Offiziell wird die Misereor-Fastenaktion in einem Festgottesdienst mit Bischof Felix Genn am Sonntag (21.02.2010) um 10 Uhr eröffnet. Im Bistum Münster finden zahlreiche Veranstaltungen mit Gästen aus Lateinamerika, Asien und Afrika statt. Nach 1971 und 1992 wird die Misereor-Fastenaktion zum dritten Mal im Bistum Münster eröffnet.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Eine Welt im Dom (16.02.2010)
Dossier: Bischof Felix Genn
Dossier: Fasten- und Osterzeit
Kirche von A bis Z: Misereor
Bistumshandbuch: Statistik der Spenden
Mehr zum Thema im Internet:
Text: Georg Thomas | Fotos: Georg Thomas
18.02.2010
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