
Vordere Reihe: Abbé Antoine Bérilengar, Luiz Soares Vieira, Siddarth d’Souza. Hintere Reihe: Josef Sayer, Magret Pernhorst, Ulrich Jost-Blome, Thomas Kamp-Deister
Fachtagung zur Eröffnung der Misereor-Aktion
Ausweg aus Klimawandel braucht Globalisierung der Solidarität
Bistum. Anlässlich der Eröffnung der diesjährigen Misereor-Kampagne "Klimawandel: Warum die Energiewende in Nord und Süd Not tut" fand am Freitag (19.02.2010) eine Fachtagung im Franz-Hitze Haus in Münster statt. Rund 70 Teilnehmer interessierten sich für die Ausführungen der Referenten aus Südamerika, Afrika und Asien und stellten kritische Rückfragen - auch in Bezug auf die eigene Lebensweise.
"Die ganze Menschheit wohnt in einem Haus, der Erde", betonte Erzbischof Luiz Soares Vieira aus Manaus in Brasilien. Alles, was in einem Teil der Erde passiere, habe auch Folgen für andere Teile. Daher betreffe auch der Klimawandel die ganze Weltbevölkerung, wenn auch in unterschiedlicher Weise.
Beispiel Amazonien
Gerade Amazonien mit seinen Regenwäldern sei eine sensible Region und wichtig für das Weltklima. Ein großes Stück des Regenwaldes sei unter anderem für die Gewinnung von Holz und anderen Rohstoffen bereits verwüstet. Für die Ausweitung von Weideflächen für die Fleischproduktion für den Export seien viele Flächen brandgerodet worden.
"Die Kirche hat sich gegen die Abholzung des Regenwaldes gewandt." 500 religiöse Führer seien seitdem ermordet worden. Um das "Haus Erde" zu beschützen, müssten aber alle Menschen zusammenarbeiten. "Globalisierung der Solidarität ist der einzige Ausweg", so die Erkenntnis des stellvertretenden Vorsitzenden der brasilianischen Bischofskonferenz.
Bespiel Tschad
Seit zehn Jahre wird im Tschad in Nordafrika Erdöl produziert, berichtete der Jesuit Abbé Antoine Bérilengar, der ein Zentrum für politische Bildung leitet. Anfangsfinanziert durch Gelder der Weltbank decke die Ölproduktion derzeit 82 Prozent des Staatshaushalts ab. Mit dem Geld seien zwar in den vergangenen Jahren Krankenhäuser, Schulen, Straßen oder Brücken gebaut worden. Allerdings hätten die Einnahmen zu wenig zur Senkung der Armut beigetragen. "Der Reichtum geht, die Armut bleibt", so der kritische Kommentar Abbé Antoine Bérilengars angesichts der Ölkonzerne im Norden, die Milliardengewinne gemacht hätten.
"Einigermaßen vernünftige Entschädigungen" für die Bevölkerung, die ihre Ländereien durch die Ölproduktion verloren hätten, seien auf Druck der Zivilgesellschaft und der Kirchen zustande gekommen. Dabei hätte die Regierung eigentlich die Aufgabe gehabt, seine Bevölkerung zu schützen und in nachhaltige Bereiche wie den Ackerbau und die Viehzucht zu investieren, um sich nicht einseitig von der klimaschädlichen Ressource Erdöl abhängig zu machen, so das ambivalente Fazit Bérilengars.
Beispiel Indien
"Wir brauchen praktische Beispiele, wie man mit dem Klimaproblem umgehen kann", sagte Siddarth d’Souza von der Organisation LAYA aus Indien. Der 30-Jährige berichtete über Ansätze, wie erneuerbare Energieerzeugung in den Dörfern des Volksstamms der Adivasi im Kleinen erprobt werde. Ob Solarenenergie, Wasserkraft oder energieeffiziente Holzöfen, wichtig für den Bewusstseinswandel in der Bevölkerung sei eine dezentrale Energieversorgung, bei der jeder seine eigene Energie produziert und kontrolliert.
Misereor-Hauptgeschäftsführer Professor Josef Sayer forderte in seinem Beitrag "Druck von unten aufzubauen", um bei Klimaverhandlungen wie jüngst in Kopenhagen Einfluss nehmen zu können. Mit der Studie "Klimawandel und Gerechtigkeit", die Misereor in Auftrag gegeben habe, solle dieser Druck weiter unterstützt werden. Margret Pernhorst, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, und der Umweltreferent Thomas Kamp-Deister von der Landvolkshochschule Freckenhorst stellten die Papiere der Bischofskonferenz sowie den Beschluss des Diözesankomitees zum Thema Klimawandel vor, die noch auf ihre Umsetzung warten.
Fragen des Publikum
Kritische Rückfragen aus dem Plenum befassten sich unter anderem damit, ob der so genannte "Konziliare Prozess für Frieden Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" aus den 1970er-Jahren noch lebendig sei, warum die evangelischen Landeskirchen in Umweltfragen schon weiter seien als manche Bistümer, wie den großen Konzernen Einhalt bei ihrer Ausbeutung von Rostoffen zu gebieten sei oder grundsätzlich ob der Klimawandel überhaupt noch umkehrbar sei.
Zurück blieb eine gewisse Ohnmacht vor all den Problemen und Unkalkulierbarkeiten, die der Klimawandel als ein äußerst komplexes Phänomen aufwirft.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Christoph Kirchhoff | Foto: Christoph Kirchhoff
21.02.2010
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Sterbebegleitung
Wann beginnt das Sterben? Was erwartet mich auf meinen letzten Wegen vor dem Tod? Kann ich mich und meine Verwandten auf diese Wege vorbereiten?
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de















Newsticker für Ihr Web