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22.05.2012
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Erzbischof Jean Zerbo

Erzbischof Jean Zerbo in der Dülmener Marienschule.

Klimawandel ist in Mali bereits Realität

Erzbischof Jean Zerbo informierte in der Marienschule Dülmen

Dülmen. Beim Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung baut Erzbischof Jean Zerbo aus dem westafrikanischen Mali auf die Jugend der Welt. Insbesondere das Internet biete die Möglichkeit, sich mit der Situation der Menschen in anderen Ländern und Kontinenten auseinander zu setzen. Zerbo wertete dieses als "große Chance für die Zukunft".

Der 67-Jährige, der seit 1998 der Erzdiözese Bamako vorsteht, besuchte im Vorfeld der Misereor-Eröffnung die Bischöfliche Realschule Marienschule in Dülmen. Als einer der internationalen Gäste des Bischöflichen Hilfswerks informierte Erzbischof Zerbo über Probleme, aber auch Zeichen der Hoffnung in seinem Heimatland. Einen Vormittag lang kam er mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch, die mehr über Mali erfahren wollten, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Mali ist stark landwirtschaftlich geprägt, der Norden des Landes ist weitgehend Wüstengebiet.

An verschiedenen Beispielen zeigte der Erzbischof auf, "dass der Klimawandel nicht nur ein Gedanken-Experiment ist, sondern dass es ihn in Mali bereits gibt". Ihm selbst sei in Erinnerung, dass die Temperaturen in der Zeit seiner Jugend spürbar unter dem jetzigen Niveau gelegen hätten. "Um die Schöpfung zu bewahren, müssen wir uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und unser Verhalten ändern", appellierte der Erzbischof eindringlich an seine jugendlichen Zuhörer. "Sie sind diejenigen, die morgen das Schicksal der Welt bestimmen."

An verschiedenen Beispielen und Initiativen, die unter anderem durch das Bischöfliche Hilfswerk Misereor angestoßen und gefördert wurden, zeigte er auf, dass es auch Hoffnung für die Bevölkerung in Mali gebe, mit der Situation umzugehen: In dem ausnehmend trockenen afrikanischen Land ist der Untergrund oft sehr hart; so schwemmen in der Regenzeit heftige Güsse fruchtbaren Boden fort. Um die Erosion aufzuhalten, baut die Bevölkerung Dämme aus selbstgesuchten Steinen. Der Erfolg ist sichtbar: So wachsen an solchen Stellen sogar wieder einige Bäume. In anderen Projekten wird das Saatgut in aufgegrabene Löcher eingebracht, sodass das Wasser besser in den Boden einsickern kann.

Immer wieder lud der afrikanische Gast die Schülerinnen und Schüler ein, nach Mali zu reisen und sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu machen: "Die Welt steht heute vielen Menschen offen. Und gerade Jugendliche reisen gern." Ein Austausch zwischen Jugendlichen aus Mali und Deutschland müsse intensiviert werden, vor allem im Bereich der Naturwissenschaften und der Landwirtschaft.

"Sehen Sie die Zukunft für Mali eher positiv oder negativ?", wollte einer der Schüler wissen. "Positiv!", antwortete der Erzbischof spontan. "Weil Mali so viele junge Leute hat. Das ist ein großer Reichtum." Positiv bewertet er auch, dass es unter den Menschen in Mali eine ausgeprägte Solidarität gebe: "Die Bevölkerung lässt sich nicht spalten. Wer in der Stadt wohnt, nimmt selbstverständlich Verwandte oder Freunde auf, die vom Land kommen."

Auf die Frage einer Schülerin, was er an Deutschland schätze, nannte er drei Aspekte: "Erstens: Deutschland hat sich auf der Basis eigener Arbeit selbst entwickelt. Zweitens: Die deutsche Kirche unterstützt die Kirche in Afrika maßgeblich." Als drittes Argument nannte der Erzbischof augenzwinkernd den Sport in Deutschland: "Als ich noch jünger war, war ich Bayern-Fan."

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