
Schwester M. Ancilla Röttger, Äbtissin des Klarissenkonvents am Dom in Münster.
Gedanken zur Fastenzeit von Schwester M. Ancilla Röttger
Sieben Wochen Zeit für die eigene Beziehung zu Gott
Münster. "In jedem Fasten gibt es eine spirituelle Ebene", sagt Schwester M. Ancilla Röttger. Es sei nur die Frage, wie dem Menschen dabei geholfen werde, diese zu deuten. Ganz entscheidend sei es beim Heilfasten und auch beim Verzicht in der Fastenzeit, die "entstehenden Leerräume sinnvoll zu füllen, meint die Äbtissin des Klarissenkonvents am Dom in Münster.
Wie setze ich den neu gewonnenen Freiraum oder die neue Kraft im christlichen Sinn ein?" Jemand, der sich bislang gern selbst reden gehört hat und das bemerkt, könne den entstehenden Raum beispielsweise anderen zukommen lassen. Wer die gewonnene Leere nicht fülle, beginne schneller mit seiner Entscheidung zu hadern, meint sie. Wer zum Beispiel auf das Fernsehen verzichte und stattdessen lese, für den sei die Gefahr eines Rückfalls geringer, ist die Schwester überzeugt.
Denjenigen, die die Fastenzeit als eine lange Zeit empfinden, empfiehlt sie Abwechslung, zum Beispiel indem man sich jeden Tag einer anderen Herausforderung stellt. Eine Familie habe ihr mal erzählt, dass sie in der Fastenzeit jeden Morgen mit einem "Fastenwürfel" den einzuhaltenden Verzicht bestimme. Das sei eine gute Idee, denn "der gemeinsame Verzicht kann in der Familie auch sehr verbindend wirken".
Eigener Verzicht sollte nicht andere treffen
Aber bevor man sich überhaupt ein Ziel für die Fastenzeit setze, sei es wichtig, sich darüber klar zu werden, dass es in der "vorösterlichen Bußzeit" in erster Linie um einen selbst gehe. "Ein Verzicht soll nicht dazu führen, dass Mitmenschen darunter leiden", sagt Schwester Ancilla. So sei es etwa nicht sinnvoll, wenn ein Raucher auf seine Zigaretten verzichte, wenn er dadurch nur noch unausgeglichen seiner Familie gegenübertrete.
Die Schwester rät eher auf etwas zu verzichten, "was einem wichtig ist und gleichzeitig unfrei macht". Dabei sei es gar nicht erforderlich, vollkommen auf Süßes, Fernsehen, Internet oder das Handy zu verzichten, vielmehr müsse man sich nur eine sinnvolle Begrenzung setzen. Das könne beispielsweise bedeuten, nur Nachrichten zu sehen und den Fernseher danach abzuschalten, oder sich darauf zu beschränken, nur eine halbe Stunde am Tag, den Computer anzuschalten.
Fastenzeit als Spur in die Fülle des Lebens
"In der Fastenzeit kann sich der Mensch neu auf das Leben ausrichten und Fehlverhalten korrigieren", sagt Schwester Ancilla. Die vorösterliche Bußzeit biete dem Menschen die Chance, "das Gescbenk des Lebens neu zu erspüren und eine Spur in die Fülle hinein aufzunehmen, die dann zu Ostern in der Auferstehungsgeschichte mündet."
Beim Thema Fastenzeit denkt die Schwester zuerst an die drei Schlagworte: Fasten, Beten und Almosen geben. Die sieben Wochen könne der Mensch nutzen, um seine "Beziehung zu Gott zu pflegen". Man könne ihn dann häufiger zu Wort kommen lassen, indem man etwa jeden Tag ein wenig in der Bibel lese. Außerdem "kann sich der Mensch in der Fastenzeit wieder den Dingen zuwenden, die dem Leben wirklich dienen", sagt sie. Gleichzeitig bedeute Fastenzeit für sie aber auch, etwas an Mitmenschen abzugeben und mit ihnen zu teilen. Das könne ebenso bedeuten, einfach für andere ein Gebet zu sprechen.
"Fasten hat ganz sicher einen Ort in der vorösterlichen Zeit", meint die Schwester. Die Zeit der Vorbereitung auf Ostern biete dem Menschen aber auf vielfältige Weise die Chance, "die Zeit zu nutzen und zu schauen, was ist in mir alles, was auch im übertragenen Sinne sterben müsste. Damit etwas Neues beginnt, muss auch etwas Altes enden", ist sie überzeugt.
Heilfasten entschlackt nicht nur den Körper
Und "beim Fasten stirbt auch etwas ab, damit etwas Neues in reiner Form aufblühen kann", sagt Schwester Ancilla. So wie man beim Heilfasten entschlacke und der Körper freier wird, weil man auf feste Nahrung verzichte, könne man während der sieben Wochen vor Ostern auch die eigene Lebensstruktur genau untersuchen und schauen, "wo es einen Stau gibt, wo Verfetttung ansetzt, weil man auf bestimmte Dinge nicht verzichten möchte". Dies könne genauso befreiend wirken wie das Heilfasten, sagt Schwester Ancilla.
Sowohl der Körper erfahre durch das Heilfasten eine gewisse Entschlackung, als auch die Seele, bei der sich ebenso Spannungen lösten. Fasten bedeute für sie aber auch, die Sehnsucht nach Gott zu fühlen und den Mangel zu spüren, was man so nicht "vom warmen Sessel zu Hause aus" erfahren könne. Gleichzeitig habe "Fasten in der vorösterlichen Bußzeit auch den Charakter der Solidarität", indem man auf etwas verzichte und es stattdessen Bedürftigen zukommen lasse.
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