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10.03.2010
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Gemeinden an der Bistumsgrenze.

In einigen Orten bilden Flüsse die natürliche Grenze zum Nachbarbistum. So zum Beispiel in Duisburg: Dort wird die Stadt nicht nur durch den Rhein, sondern auch durch die Bistumsgrenze geteilt.

Zusammenarbeit hängt vom Wunsch und Willen der Seelsorger ab

Gemeinden an der Bistumsgrenze

Bistum. Grenzfälle – so könnte man sie nennen: Städte oder Landgemeinden, durch die eine Grenze verläuft. Die Frage ist: Wie gehen die Gemeinden damit um? Pflegen sie Kontakt oder leben sie nebeneinander her? Eine Recherche entlang der oldenburgischen Bistumsgrenze ergab ein eher buntes Bild. Die Lippetaler Gemeinden arbeiten in der Taufkatechese zusammen. In Duisburg prägen die Gemeinden das Profil.

Die Reise fängt in Friesland an. Immer wieder quert das Bistum Osnabrück die Route. Da kann es auch schon mal sein, dass ein Osnabrücker Katholik in einem Pfarrgemeinderat des Bistums Münster mitberät. Oder dass Osnabrücker Firmlinge im Bistum Münster das Sakrament empfangen. Oder dass ein Pfarrer aus dem Bistum Hildesheim für Oldenburger Katholiken zuständig ist.

Die erste Station ist Sande. "In Neustadtgödens gab es im vergangenen Jahr nur zwei Kommunionkinder", erklärt Pastoralreferentin Michaela Voorwold. Gingen sie innerhalb der Bistumsgrenzen zur Kommunion, müssten sie mit ihren Eltern weit fahren. Denn die Katholiken der Sankt-Joseph-Gemeinde werden vom Pfarrer in Aurich betreut. Aurich gehört zum Bistum Osnabrück. Und bis Aurich sind es mehr als 40 Kilometer.
 
Normale Entfernungen für die zerstreut lebenden Katholiken in der Weite Frieslands. Die Sankt-Bonifatius-Kirche im Bistum Münster befindet sich dagegen nebenan. Und dazu sogar noch in derselben politischen Gemeinde: in Sande.

Da liegt die Zusammenarbeit nahe. "Zumal die Kinder häufig auch noch dieselbe Schule besuchen", erklärt Michaela Voorwold. "Also haben wir uns mit dem Pfarrer in Aurich darauf verständigt, dass die Kinder bei uns die Vorbereitung mitmachen und auch zur Erstkommunion gehen." Bei der Firm-Vorbereitung sei es schon ganz ähnlich gelaufen.

Man hilft sich in der Diaspora. Dazu zählt auch, dass Ruhestandspfarrer Bernhard Söbke vom oldenburgischen Bockhorn aus auf beiden Seiten der Bistumsgrenze aushilft. Zeitweise hatten Neustadtgödens und Sande sogar in einer bistumsübergreifenden Pfarreiengemeinschaft mit Jever und Schortens zusammengearbeitet.

Silvia Kramer war damals als Pastoralreferentin dort tätig. Mit halber Stelle in Sande und der anderen Hälfte in Neustadtgödens. "Wir haben sehr viel zusammen unternommen", erinnert sie sich. Die Kinder aus Neustadtgödens seien sogar im Ferienlager von Jever mitgefahren. Nur – das Bistum zu wechseln, das sei für die Katholiken von Sankt Joseph denn doch nicht in Frage gekommen. "Als Bischof Bode einmal bei einer Visitation dort war, haben sie das deutlich zu verstehen gegeben", erinnert sich die Pastoralreferentin.

Rund 68 Straßenkilometer südlich findet sich die nächste bistumsübergreifende politische Gemeinde: Ostrhauderfehn mit Gemeinde-Hauptsitz auf der Osnabrücker Seite – Diasporagebiet. Nur einen Straßenzug groß ist der Teil, der kirchlich zum Bistum Münster zählt. Genauer: zur Pfarrgemeinde Saterland im überwiegend katholischen Teil des Oldenburger Landes.

Die Kinder gehen im ostfriesischen Ostrhauderfehn zur Schule – Taufen, Gottesdienste, Erstkommunion, Firmung – dafür ist der Pfarrer des Saterlandes zuständig. "Die Leute wissen von alters her dass das so ist", erklärt Pfarrer Hubert Moormann. "Es ist für sie selbstverständlich, wenn hinter ihrem Garten das Bistum Osnabrück anfängt."

Kontakt durch das Radio

Gut 30 Kilometer weiter südlich bietet sich ein ähnliches Bild. Dort durchschneidet die Bistumsgrenze das Stadtgebiet von Friesoythe – und ordnet den Friesoyther Ortsteil Gehlenberg ins Bistum Osnabrück ein. Gehlenberger müssen all ihre Pass-, Wasser- oder Schulangelegenheiten auf dem Friesoyther Rathaus klären. Kirchliches dagegen regelt das Bistum Osnabrück. "Kein Problem", sagt der Friesoyther Pfarrer Michael Borth. Allerdings arbeite jeder für sich. Kontakte seien eher selten. "Die Gehlenberger sind Richtung Werlte ausgerichtet."

Einer der wenigen, dafür aber ein ungewöhnlicher Kontakt, ist das Radio. Denn die Gehlenberger Sankt-Prosper-Gemeinde verfügt über eine behördlich genehmigte Sendestation. Jeder Gottesdienst wird auf 107,6 Megahertz auf UKW übertragen – und kann bei günstiger Wetterlage auch am Westrand von Friesoythe empfangen werden.

38 Straßen-Kilometer weiter südlich, am südlichen Rand der Dammer Berge – ein ganz anderes Bild. Hier berichtet Pfarrer Helmut Middendorf davon, wie die räumliche Lage der politischen Gemeinde Neuenkirchen-Vörden zu intensiver Zusammenarbeit auch der Kirchengemeinden auf beiden Seiten der Bistumsgrenze geführt habe.

Ein Grund ist die Autobahn "A1". Sie hält sich nicht an Gemeindegrenzen. Ein Teil der zu Osnabrück zählenden Sankt-Paulus-Gemeinde im Ortsteil Vörden liegt von dort aus gesehen hinter der Schnellstraße, ist also von Neuenkirchen aus besser zu erreichen.

"Gestern war ich dort noch zu Besuch bei einem Kommunionkind," berichtet der Pfarrer. "Das geht bei uns in Neuenkirchen zur Erstkommunion." Bei Firmlingen sei es manchmal ähnlich – und kein Problem für beide Seiten. "Die Zusammenarbeit über Bistumsgrenzen hat sich eingebürgert", erklärt Pfarrer Middendorf. Auch die Seelsorger pflegten die Nachbarschaft. Zum Beispiel helfe sein Diakon Fridolin Behl durchaus auch mal in Vörden aus.

Zur nächsten "grenzübergreifenden" politischen Gemeinde geht es in Richtung Nordosten, vor die Tore Bremens, zu den Katholiken von Stuhr-Moordeich, nach dem südoldenburgisch-katholischen Kernland wieder zurück in der Diaspora. Wie ein Zipfel ragt das Bistum Münster hier in das Gebiet von Osnabrück hinein. Und ähnlich verzahnt gestaltet sich auch das Miteinander der Gemeinden beiderseits der Bistumsgrenze.

Pfarrer Helmut Schomaker verweist zum Beispiel auf einige Mitglieder im Pfarrgemeinderat seiner Paulusgemeinde. "Sie wohnen im Bistum Osnabrück, machen aber bei uns mit." Helmut Schomaker hat sogar so etwas wie eine Stellvertreterfunktion für die Katholiken inne. "Ich bin mittlerweile ja der einzige ansässige katholische Pfarrer hier", erklärt er.

Die Partnergemeinde Heilig-Geist auf der Osnabrücker Seite werde vom Pfarrer von Syke aus betreut. Syke liegt gut 20 Kilometer entfernt. Und auch das war nicht zu weit für freundschaftliche Kontakte. "Wir haben zum Beispiel bis vor Jahren unseren Baldachin dorthin ausgeliehen", sagt Helmut Schomaker schmunzelnd. Das Miteinander ist also selbstverständlich. Übrigens auch, was Ökumene angeht. "Rund zehn Prozent unserer sonntäglichen Kirchenbesucher sind evangelisch", ergänzt er.

Fast die Endstation der Rundreise bilden die Uferstreifen auf der Ostseite der Weser, gegenüber von Brake und weiter nördlich in Dedesdorf. Wer hierher möchte, muss entweder eine der Fähren nehmen oder den Wesertunnel nutzen.

Reichlich umständlich für die Praxis. Die Seelsorge dort ist deshalb abgetreten an das Bistum Hildesheim. Zuständig ist der Pfarrer von Bremerhaven Herz-Jesu. Auch wenn es hier wohl nicht allzu viel zu tun geben wird. Bei lediglich etwa 20 Katholiken, die hier leben.

Bistums-Wissen

Räumliche Nähe schafft Verbindung: Die Liste der Kontakte über die Bistumsgrenzen hinweg lässt sich auch in anderen Regionen fortsetzen. In den südlichen und südöstlichen Gemeinden des Kreisdekanats Warendorf beispielsweise liegen die katholischen Kirchengemeinden im Erzbistum Paderborn zum Teil näher als die nächste Gemeinde im Bistum Münster.
So liegen die beiden Kirchtürme von Lippetal-Herzfeld (Bistum Münster) und Lippetal-Hovestadt (Erzbistum Paderborn) nur rund 500 Meter auseinander, werden aber durch die Lippe getrennt, die hier die Bistumsgrenze bildet. Die Entfernung zwischen Herzfeld und der nächsten Gemeinde im Bistum Münster, Lippetal-Lippborg, beträgt dagegen etwa sieben Kilometer.
Alle fünf Lippetaler Gemeinden – Herzfeld und Lippborg im Bistum Münster; Östinghausen, Hovestadt und Hultrop im Erzbistum Paderborn – arbeiten zum Beispiel in der Taufkatechese zusammen. Ein Kreis von Menschen aller fünf Gemeinden bereitet die Treffen mit Eltern der Täuflinge vor. Auch im Kuratorium des Alten- und Pflegeheims St.-Ida-Stift in Hovestadt sind Mitglieder aller Gemeinden vertreten.
Ein weiteres Beispiel der Verbindungen über Bistumsgrenzen hinweg gibt es in Lippstadt-Bad Waldliesborn, wo die Krankenhausseelsorge und der Bereitschaftsdienst auf der örtlichen Ebene organisiert sind.
In Langenberg-Benteler gehen seit einigen Jahren Kinder aus Langenberg (Erzbistum Paderborn) im vier Kilometer entfernten Benteler (Bistum Münster) zur Kommunion. Da einige Langenberger Kinder in Benteler in die Grundschule gehen, nehmen sie auch dort am Kommunionunterricht teil, der neben der Vorbereitung am Nachmittag eine Schulstunde ausfüllt. So kommt es, dass es in Benteler auch Messdiener gibt, die im Nachbarbistum wohnen.
Im Hamm, wo die Lippe und damit die Bistumsgrenze mitten durch die Stadt verläuft, gibt es beispielsweise einen katholischen Sozialdienst und einen Caritasverband für die gesamte Stadt. (als)

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