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11.02.2012
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St.-Franziskus-Hospital.

Die Statue des heiligen Franziskus am St.-Franziskus-Hospital in Münster stellt ein äußeres Zeichen des christlichen Charakters des Krankenhauses dar. Das Hospital ist Sitz der St.-Franziskus-Stiftung. Mit ihren 15 katholischen Hospitälern zwischen Bremerhaven und Düsseldorf und etwa 10.000 Mitarbeitern ist sie die zweitgrößte konfessionelle Krankenhausgruppe Deutschlands. Zehn ihrer Krankenhäuser befinden sich in der Diözese Münster.

Interview über die Perspektiven konfessioneller Krankenhäuser

Wirtschaftlich solide und ethisch sensibel

Münster. Die konfessionellen Krankenhäuser befinden sich in einem Prozess der Neuausrichtung. Dabei stehen sie nicht nur unter finanziellem Druck, sondern auch unter theologischen und ethischen Begründungszwängen. Kirche+Leben sprach mit Michael Fischer von der St.-Franziskus-Stiftung Münster über die heutige Situation und künftige Rolle von kofessionellen Krankenhäusern.

Kirche+Leben: Sie haben sich intensiv wissenschaftlich mit der Rolle der konfessionellen Krankenhäuser und mit den Perspektiven kirchlicher Hospitäler befasst. Welchen spezifischen Auftrag haben diese Krankenhäuser in der Versorgung kranker Menschen?

Michael Fischer: In Deutschland gibt es gegenwärtig drei große Krankenhausträger: die konfessionellen, die privaten und die öffentlichen. Geschichtlich betrachtet haben diese drei Gruppen unterschiedlich gelagerte Gründungsimpulse. Während bei den kirchlichen Krankenhäusern das karitative Motiv dominiert, steht bei den öffentlichen die Sicherstellung der Krankenversorgung im Vordergrund. Bei den privaten Trägern spielt als mitbestimmender Unternehmensgrund die Erzielung von Gewinnen eine wesentliche Rolle. Auch heute noch ist das Proprium (das Eigentümliche) der kirchlichen Krankenhäuser ihr barmherziger Auftrag: Menschen in Krankheit und Leid beizustehen, besonders dort, wo sich die Vorläufigkeit und die Brüchigkeit des Lebens zeigt.

Kirche+Leben: Wie können kirchliche Krankenhäuser gegenüber privaten oder kommunalen Krankenhäusern ein eigenes Profil entwickeln?

Fischer: Um ihr eigenes Profil zu entwickeln, sollten kirchliche Krankenhäuser zuerst nach innen schauen. Sie sollten sich also fragen, was sie aufgrund ihrer biblischen und kirchlichen Tradition zu tun haben. Aus dieser Frage erwächst ihr Profil. Hierbei ist die Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen Profil und Identität sehr hilfreich. Identität bezeichnet jenes, was eine Person oder eine Organisation in ihrem inneren Wesenskern ausmacht. Es ist gleichsam der Blick nach innen. Das Profil hingegen richtet den Blick auf das, was man von außen wahrnehmen kann. In der Vergewisserung der eigenen Identität erwächst also das Profil. Der umgekehrte Weg geht in die Irre. Die Frage, was kirchliche Krankenhäuser von anderen unterscheidet, um aus dem Unterscheidbaren das eigene Profil zu entwickeln, geht am Wesen des Christentums vorbei.  

Kirche+Leben: Wie können Krankenhäuser in einem modernen Gesundheitssystem ihren christlichen Charakter bewahren?

Fischer: Zunächst einmal zählt in Zeiten der Diffusion die Position: Kirchliche Krankenhäuser müssen klar benennen, für was sie stehen. Die meisten Krankenhäuser, übrigens nicht nur die kirchlichen, haben ihr Profil in der Form von Leitbildern entwickelt. Allerdings reicht dies allein nicht, es ist nur der erste Schritt. Es  muss die Umsetzung der Leitbilder in den Alltag folgen, denn Worte ohne Taten haben keinen Wert. Die Umsetzung von Leitbildern bezieht sich auf alle Bereiche eines Krankenhauses. Es ist ein langer Prozess, der ernst gemeint sein muss und den die Führungskräfte vorleben müssen.

Kirche+Leben: Bei welchen medizin-ethischen Fragen sind die Krankenhäuser und das Personal besonders herausgefordert?

Im Gespräch: Professor Michael Fischer, Münster.

Fischer: Schon immer haben die Kirchen bei den Fragen am Anfang und am Ende des Lebens die Anwaltschaft für das Leben übernommen. Das hat sich im aktuellen Kontext nicht verändert, ganz im Gegenteil: Aus den neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erwachsen ethische Fragen, die sich bislang überhaupt nicht gestellt haben. Ich denke dabei beispielsweise an den gesamten Fragenkomplex der pränatalen Diagnostik oder an die hochaktuelle Frage der Babytür, in der die meisten kirchlichen Krankenhäuser der Empfehlung des Nationalen Ethikrats nicht folgen werden. Aber auch am Lebensende werden ethische Fragen immer drängender: Menschliches Leben soll weder verkürzt noch in aussichtsloser Lage künstlich verlängert werden.

Kirche+Leben: Vor Jahren lagen noch viele Krankenhäuser in den Händen von Ordensgemeinschaften. Wie ist der Übergang hin zu größeren Trägergruppen gelungen?

Fischer: Diese Frage kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Der Prozess ist insgesamt sehr ungleichzeitig. Es gibt Ordensgemeinschaften, bei denen die Übergabe der Werke in den nächsten Jahren vollzogen wird. Andere, wie beispielsweise die Franziskanerinnen von St. Mauritz, haben die gesamte Verantwortung für ihre ehemaligen Einrichtungen in die St.-Franziskus-Stiftung übergeben.

Wenige Ordensgemeinschaften möchten auf absehbare Zeit ihre Werke in eigener Verantwortung weiterführen. Die meisten Ordensgemeinschaften aber befinden sich derzeit im Prozess der Übergabe ihrer Werke in andere Hände. Dabei sollte der Grundsatz gelten: Es werden nicht nur die Werke, sondern auch die damit verbundenen Werte übergeben.

Kirche+Leben: Wie sollte ein "Krankenhaus der Zukunft" Ihrer Meinung nach aussehen?

Fischer: In Zukunft wird es kaum noch allein stehende Krankenhäuser geben. Es bilden sich vermehrt große Trägergruppen. Das gilt auch für die kirchlichen Krankenhäuser. Diese stehen bereits heute in einem scharfen Wettbewerb zu anderen Trägern. Für die kirchlichen Krankenhäuser gilt: Sie müssen sich zu wettbewerbsfähigen Krankenhausverbünden zusammenschließen und kreative Formen der Kooperation entwickeln. Eine besondere Herausforderung für kirchliche Träger besteht darin, wirtschaftliche Notwendigkeiten und ethische Anliegen auszubalancieren. Kurzum: Sie müssen wirtschaftlich solide und ethisch sensibel agieren.

Kirche+Leben: Welchen Beitrag erwarten oder erhoffen Sie sich dabei von den Kirchenleitungen?

Fischer: Kirchliche Krankenhäuser sind ein wesentlicher Bestandteil der Kirche. Sie sind ein Ernstfall von Kirche an der Schnittstelle zur Welt. Kirchliche Krankenhäuser müssen um ihrer Zukunft willen mutige unternehmerische Entscheidungen treffen. Dazu zählt beispielsweise der Zusammenschluss zu Trägerverbünden oder die Gründung von Tochtergesellschaften. Solche Entscheidungen erfordern oft neue Organisationsformen und eine diözesanübergreifende Zusammenarbeit. Bei all diesen Fragen ist wichtig, dass die Kirchenleitungen ihre Krankenhäuser als einen wichtigen Ort kirchlichen Handelns ansehen, fördern und stützen.

Interview: Johannes Bernard | Fotos: Johannes Bernard in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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