
Zum Beginn eines neuen Jahres, am 1. Januar, feiert die katholische Kirche das "Hochfest der Gottesmutter Maria".
Eine 21-Jährige meistert ihr Leben mit ihrer Tochter
"Alles kam anders, ständig"
Sie hatte sich ihr Leben eigentlich anders vorgestellt. Ausbildung, Berufserfahrung und dann eine Familie gründen. Doch es kam anders. Verena war 18 Jahre alt, als sie feststellte, dass sie schwanger ist. Sie hat ihr Kind angenommen und dank der Beratungs- und Hilfsangebote meisterte sie ihren Weg.
Ihr Leben hatte sich Verena (Name geändert) anders vorgestellt. Ursprünglich wollte sie studieren und Apothekerin werden. Doch familiäre Gegebenheiten ließen diesen Traum platzen. Dann konnte sie sich vorstellen, eine Ausbildung zu absolvieren, ein paar Jahre im Beruf zu arbeiten und jung eine Familie zu gründen. "Ich wollte früh Kinder bekommen", erzählt sie. Doch auch dieser Lebensentwurf wurde nicht Wirklichkeit. "Alles kam anders, ständig." Heute ist Verena Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. Sie hat keine Ausbildung, mit 18 Jahren ihr Kind entbunden. Trotz der vielen Tiefen, die sie bereits in ihrem jungen Leben gemeistert hat, blickt sie optimistisch und voller Vertrauen in die Zukunft.
"Es gab eine Phase in meinem Leben, da war keiner für mich da. Offiziell war ich obdachlos", erzählt Verena. Dann lernte sie einen Mann kennen. Doch nach einiger Zeit gab es mit dem Freund massive Schwierigkeiten. "Er war krankhaft eifersüchtig und wurde mir gegenüber oft gewalttätig", erzählt sie. Mehr als einmal musste sie die Polizei rufen, um ihn der Wohnung zu verweisen.
Dann stellte sie ihre Schwangerschaft fest. "Ich war 18 Jahre alt und wusste nicht, was ich nun tun sollte", erzählt sie. Aus ihrer Zeit zuvor kannte Verena die Arbeit der Caritas in Münster. "Als ich hierher kam, besaß ich nichts, und die Caritas hat mir geholfen. So bin ich auch zur Schwangerschaftsberatung gekommen." Verena lernte Valsa Maria Mandapathil kennen, Mitarbeiterin in der Schwangerschaftsberatung des Sozialdiensts katholischer Frauen (SkF) in Münster. "Sie hat mir unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, wie und wo ich Hilfen erhalte. Und das Wichtigste für mich: Sie hat mir zugehört."
Eines war Verena von Anfang an klar: "Ich bekomme das Kind. Eine Abtreibung kam für mich nicht in Frage." Zum Zeitpunkt der Schwangerschaft hatte sie gerade angefangen, das Fachabitur nachzumachen. Ihre Zukunftspläne waren wieder einmal über den Haufen geworfen. "Ich hatte nichts, schlimmer noch, ich wurde von einem eifersüchtigen Freund verfolgt. Und meine Verwandtschaft hat mich auch in Stich gelassen. Nur meine Mutter hat mich unterstützt und stand zu mir", berichtet Verena über eine Zeit, in der es ihr nicht gut ging. Die Gespräche mit der Beraterin hätten ihr Kraft gegeben. "Es hilft, über die Situation zu reden. Das hat mir Hoffnung gegeben, dass es nur noch besser werden kann."
Die Schule hat Verena ein paar Wochen vor der Entbindung ohne Abschluss verlassen. Eine Zeit nach der Geburt hat sie ein Projekt besucht, in dem sie auf eine Ausbildung in Teilzeit vorbereitet wurde. Doch auch diese Ausbildung konnte sie nicht bis zum Ende absolvieren. "Plötzlich tauchte mein Ex-Freund wieder auf. Er hat sich nicht an unsere Abmachungen gehalten, hat Kontakt zu mir aufgenommen. Ich musste das Projekt abbrechen, der Druck, der auf mir lastete, war zu groß", erzählt Verena.
Von der Fröhlichkeit ihrer Tochter Zoe lässt sich Verena gern anstecken, ganz ähnlich wie diese junge Frau auf unserem Foto. |
Dank der Kontakte zu Mandapathil fand sie auch in dieser Situation wieder Hilfe. Sie suchte eine neue Wohnung für sich und ihre kleine Tochter, vom SkF gab es finanzielle Hilfe. "Eine Wohnung zu finden, war nicht einfach. Ich wollte nicht in einen sozialen Brennpunkt ziehen. Dort sollte meine Tochter nicht aufwachsen", erzählt Verena. Aber als allein erziehende Arbeitslosengeld-II-Empfängerin etwas zu finden, sei schwierig gewesen.
Inzwischen ist mehr Ruhe eingekehrt in das aufgewühlte Leben von Verena. Sie hat sich in ihrer Wohnung eingelebt, denkt über die Zukunft nach. Wenn sie einen Kindergartenplatz für ihre zweijährige Tochter Zoe (Name geändert) findet, will sie eine Ausbildung beginnen. Sozialhelferin, das möchte sie werden. "Ich möchte gern anderen helfen. Denn ich selbst habe viele Tiefen erlebt. Ich möchte den Menschen zeigen, dass es trotzdem immer wieder weitergeht", sagt sie. Sie will nicht ihr Leben lang auf Unterstützung des Staats angewiesen sein. "Durch die Ausbildung will ich aus diesem Sumpf heraus."
Ihre Tochter ist ihr Ein und Alles. "Sie ist mein Lebensinhalt. Ich weiß, wofür ich lebe." Das Kind lässt sie die Sorgen vergessen, bringt ihr Lachen durch ihre Fröhlichkeit zurück. Zoe ist ein lebhaftes Kind und hält ihre Mutter auf Trab. "Ich versuche, Ruhe auszustrahlen. Aber ich stehe unter Strom", gibt Verena zu. Jetzt führe sie ein gutes Leben gemeinsam mit ihrer Tochter, auch dank der Unterstützung ihrer Mutter. "Was mir natürlich immer Sorgen bereit, ist unsere finanzielle Lage. Das Geld, das mir zur Verfügung steht, ist einfach zu wenig", sagt sie. Daher sei es gut, dass es Institutionen wie die Caritas gebe, die ihr helfen, mit dem Geld über die Runden zu kommen. Hilfen gebe es nämlich nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch darüber hinaus. "Regelmäßig besuche ich auch Flohmärkte in meinem Umkreis, um günstig Spielzeug oder Kleidung für Zoe zu kaufen. 215 Euro monatlich für ein Kind, damit kommt man nicht aus. Das ist zu wenig", betont Verena. Die frühe Verantwortung für ihr Kind hat sie reifen lassen. Das Gefühl, etwas zu versäumen, hat sie nicht. Einmal im Monat trifft sie sich mit Freunden oder besucht eine Party. Aber etwas im Leben zu verpassen, das Gefühl ist ihr fremd. "Ich setze inzwischen andere Prioritäten", sagt sie.
Sie ist stolz darauf, nicht auf die Hilfe des Jugendamts angewiesen zu sein. "Inzwischen ist es so, dass auch meine Mutter zur Stelle ist, wenn ich Hilfe brauche", sagt sie. Auf andere Menschen mag sie sich nicht mehr verlassen, denn zu oft sei sie enttäuscht worden. "Ich versuche mein Leben so zu planen, dass ich es auch allein bewältigen kann."
Noch heute hat Verena Kontakt zu ihrer Beraterin beim SkF. Mandapathil informiert: "Wir unterstützen schwangere Frauen und Familien in der Regel bis zum dritten Lebensjahr der Kinder." Wenn die Klienten allerdings darüber hinaus Hilfen bräuchten, ließen die vier SkF-Mitarbeiterinnen sie nicht im Regen stehen. "Wir helfen im Bedarfsfall weiter. Die jungen Mütter haben viele verschiedene Probleme. Wir können nicht alle lösen. Aber wir können an andere Stellen verweisen, bei denen sie Beistand erhalten", sagt die Sozialarbeiterin und nennt Beispiele wie sozialpädagogische Familienhilfe, Schuldner- oder Migrationsberatung. Die Mitarbeiterinnen zeigen ihren Klienten Wege auf, wie Staat und Kirche helfen können. Sie informieren über die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen, Hebammenhilfen oder auch über die Anerkennungserklärung der Vaterschaft und über das Sorgerecht.
"Leider erreichen wir viele Frauen nicht, die sich in einem existenziellen Schwangerschaftskonflikt befinden, weil wir seit Januar 2001 die gesetzlich vorgeschriebene Pflichtberatung mit Scheinvergabe nicht mehr durchführen können. Das ist ein Dilemma, denn wir könnten den Frauen Wege der Hilfen mit einem Kind aufzeigen", bedauert Mandapathil. Wichtig sei es, dass die Hilfe leistenden Stellen untereinander vernetzt seien und von einander wüssten. "In juristischen Fragen steht uns Beraterinnen beispielsweise eine Sozialjuristin vom Diözesan-Caritasverband zur Seite", berichtet sie. Mit unterschiedlichen Hilfen können die Beraterinnen in Münster den Müttern helfen. Eine Erstausstattung vom Strampler bis zum Kinderbettchen für die Neugeborenen gebe es beispielsweise beim "Babykorb". "Gemeinsam können wir auch Mittel bei der Bundesstiftung 'Mutter und Kind' oder aus der Bischof-Tenhumberg-Stiftung des Bistums Münster beantragen", sagt Mandapathil.
Neben der materiellen und finanziellen Hilfe hat Verena die Besuche beim SkF vor allem aus einem Grund geschätzt: "Frau Mandapathil hat mir zugehört. Ich war mit meiner Situation nicht allein, sondern habe neben der finanziellen Unterstützung auch menschliche Hilfe erhalten. Das hat mir gut getan."
Tage der Erfüllung: Neuanfang
Zum Beginn eines neuen Jahres, am 1. Januar, feiert die katholische Kirche das "Hochfest der Gottesmutter Maria". Mit diesem Tag endet die liturgische Festwoche nach Weihnachten, in der die Gläubigen feierlich der Geburt Christi gedenken und damit an den neuen Anfang, den Gott in seiner Menschwerdung durch Maria geschenkt hat. Im Bewusstsein der meisten Zeitgenossen ist der 1. Januar vor allem der Jahresbeginn. Die Kirche lädt dazu ein, auf den Sohn zu schauen, denn auch er schaut die Menschen an: das Kind mit dem Herzen Gottes und mit den Augen seiner Mutter.
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Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michael Bönte, Michaela Kiepe in
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