
Am 27. Dezember ist der Gedenktag des Apostels Johannes.
Vera Krause wurde mit dem "Predigtpreis" ausgezeichnet
"Die Erde um ein Stück Himmel erweitern"
Sie studierte Theologie, Politikwissenschaft und Soziologie in Münster, war während dieser Zeit Mitarbeiterin des Fundamentaltheologen Professor Dr. Jürgen Werbick, veröffentlichte später Bücher mit ihm und mit Klarissen-Äbtissin Ancilla Röttger – und erhielt 2008 als bisher einzige katholische Frau für eine Predigt den "Predigtpreis": Vera Krause, 39 Jahre alt, Referentin für Bildung und Pastoral bei "Misereor" in Aachen.
Vielleicht wäre es sinnvoll, das Fest des Evangelisten Johannes unmittelbar vor den Heiligen Abend zu legen – als Inspiration und Ermutigung für alle Kapläne, Pfarrer und Patres, die zu Weihnachten eine ganz besonders gute Predigt auf die Beine stellen müssen. Schließlich gehört eine gute Predigt für viele genauso zum Fest wie Krippenspiel und "O du fröhliche". Die Erwartungen sind groß, und die Priester haben es oft genug mit vielen Menschen zu tun, die nur noch zum Christfest in die Kirche kommen. Zumutung oder Chance?
Für Vera Krause ist eine Sache klar: "Es ist nicht an uns, die Glaubensfrage zu stellen. Es geht darum, Gott zu den Menschen zu bringen – vorbehaltlos." Auch Jesus mache sein Wirken nicht davon abhängig, welchen Glauben die Menschen haben. "Ihm geht es um erfülltes Leben. Darum sollte es uns auch gehen."
Auch wenn sie als katholische Theologin nur selten die Möglichkeit zum Predigen erhält – sie kann mit einer gewissen Autorität sprechen. Denn als erste Katholikin wurde die 39-Jährige Misereor-Referentin 2008 für eine Predigt mit dem "Predigtpreis" des Verlags für die Deutsche Wirtschaft ausgezeichnet. Da steht sie in einer Reihe mit prominenten Zeitgenossen wie Jörg Zink, Walter Jens, Bischöfin Margot Käßmann oder Hanns Dieter Hüsch.
An und für sich ist Vera Krause eine zierliche Person; aber wenn es um die Frohe Botschaft des Glaubens geht, da ist sie kaum zu bremsen. "Der Gottesdienstbesuch ist kein sozial kontrolliertes Pflichtprogramm mehr. Heute gehen Menschen eher in die Kirche, weil es ihnen vom Herzen her etwas bedeutet, und weil sie zu Recht etwas davon haben wollen."
Die Theologin Vera Krause in der Aachener St.-Fronleichnams-Kirche von Rudolf Schwarz (1928-1930). |
Das müsse Konsequenzen auch für die Predigt haben. "Ein verlockendes Angebot sollte sie sein, etwas, worauf man sich zu Recht Sonntag für Sonntag freuen darf – auch darauf, als Glaubende ernst genommen zu werden." Dabei sei jede Form der Verkündigung etwas anderes als die "übliche mediale Kommunikation", die sich zufrieden gibt mit der Aufmerksamkeit für den flüchtigen Augenblick. "Verkündigung bittet um und schenkt im besten Fall eine tiefere und größere Aufmerksamkeit." Wo das durch Predigten gelinge, da ließen sie "noch etwas anderes herein ins Leben", da ist sich Vera Krause sicher. Und sie meint damit "Gott, der eine Ahnung davon wecken will, wie das Leben auch noch sein könnte: entgegenkommend, geliebt, erfüllt – nicht nur flüchtig".
Dass es dieses Bedürfnis und die Bereitschaft gibt, genau hinzuhören, hinzuschauen und etwas mitzunehmen fürs Leben, davon ist Vera Krause überzeugt. "Eine wichtige Frage ist: Wie kann ich Menschen anrühren, ohne ihnen zu nahe zu treten?"
Eine gute Schule ist für die Theologin das Evangelium nach Johannes. "Mein Lieblings-Evangelium", sagt sie, "auch weil es so voll ist von innigen Begegnungsgeschichten – denken Sie nur an Nikodemus, an die Frau am Jakobsbrunnen, an die Ehebrecherin, an Maria von Magdala, an Thomas ... Da öffnen sich jedes Mal andere, ganz individuelle Lebens- und Glaubensräume, ohne dass es ein Patentrezept für alle gäbe."
Und der weihnachtliche Prolog des Johannes-Evangeliums vom Wort, das "Fleisch" wurde? Wie steht es da um die Verständlichkeit? "Das ist schon ein bisschen kryptisch", sagt Vera Krause lächelnd, "aber man darf sich doch durchaus ein bisschen intensiver beschäftigen müssen, um zu verstehen." Zeit lassen solle man sich damit, "die sich lohnt".
"Was an Jesus wahr ist, war immer schon da, und sein Licht wird niemals verloren gehen – auch nicht durch eine Predigtkultur, die Menschen eher aus der Kirche hinaustreibt als dass sie sie hereinholt." Trotzdem sei, sagt Vera Krause, das Predigen eine große Verantwortung – und Mühe. "Heute, wo vieles so schnelllebig ist, müssen Predigten eigentlich so etwas wie kleine Kunstwerke sein. Das braucht Zeit, intensive Meditation, Kreativität, Bereitschaft zur Überarbeitung – und es braucht den authentischen Ausdruck des Künstlers." Im besten Fall würden diese Kunstwerke dann "den Glauben an Gott wie einen guten Ort zugänglich machen, den man später auch im Alltagsleben wiederfinden kann." – "Wäre es nicht schön, mit jeder Predigt die Erde um ein Stückchen Himmel zu erweitern?" – All das, sagt Vera Krause ein wenig traurig, habe viel mit Können und nicht so viel mit amtlichem Dürfen zu tun.
Tage der Erfüllung: Wort
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott." – So deutet das Evangelium nach Johannes gleich zu Beginn die Geburt Jesu: Gottes Wort ist immer schöpferisch, es schenkt Leben. Mehr noch: Gott teilt sich selber mit, wird Mensch, teilt das Leben der Menschen, damit diese seine Liebe erkennen.
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Text: Markus Nolte | Fotos: Markus Nolte in
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