
Weihbischof Heinrich Janssen.
Pontifikalamt am Stephanusfest im Dom:
Weihbischof Janssen und die zwei Seiten der Weihnacht
Bistum. Die andere Weihnacht – das zeigt nach Meinung von Weihbischof Heinrich Janssen das Fest des heiligen Märtyrers Stephanus, das die Kirche am zweiten Weihnachtstag feiert. Der erste Blutzeuge der Kirche lasse die Gläubigen Weihnachten aus einer anderen Perspektive sehen, sagte Janssen am Samstag (26.12.2009) im münsterschen St.-Paulus-Dom.
Zu Weihnachten gehören nach den Worten des Weihbischofs die Freude, die Suche nach Frieden und Gemeinschaft, die jubelnden Lieder und die schönen Gedichte. "Zu Weihnachten gehören aber auch Abgelehntwerden, zugeschlagene Türen, Entäußerung und doch den Himmel offen sehen."
Eigene Positionen aufgeben
Am zweiten Weihnachtstag werde ein Weihnachtsevangelium eben dieser ganz anderen Art gepredigt, erläuterte der Regionalbischof für den Niederrhein. Und doch: Stephanus habe wie Jesus seine eigenen Positionen aufgegeben; er zeige die zwei Seiten von Weihnachten.
Weil Christus seine Gottheit nicht festgehalten habe, sondern wie ein Sklave geworden sei, sich erniedrigt habe und gehorsam bis zum Tod gewesen sei, habe er die gewohnte Ordnung durcheinander gebracht. Der christliche Gott sei ein dienender Gott. "Es ist schwer zu begreifen, dass uns jemand stärkt, der schwach geworden ist, dass wir über jemand Hoffnung finden, der alle Vorzüge und Auszeichnungen abgelegt hat, aber so ist er." Es werde dadurch deutlich, wie Weihnachtsfriede und so auch Weltfrieden entstehe, erläuterte Janssen.
Die Maßstäbe Jesu übernehmen
Der Bischof mahnte zugleich: "Solange unser Herz und unsere Hände damit beschäftigt sind, die eigenen Positionen zu sichern und zu verstärken, ist der Weg zum Frieden gefährdet und versperrt." Jesus hingegen teile sein Leben von Anfang an mit den Menschen, besonders mit den armen Menschen.
Janssen ermutigte die Gläubigen: "Wo wir die Maßstäbe Jesu übernehmen, schaffen wir Platz für den Menschen, gehen wir kleine Schritte auf den Frieden zu. Wir bekommen Menschen in den Blick, die am Rande leben." Die Not werde anschaulich.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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