
Die Feier des 25. Dezember als Geburtsfest Jesu ist erstmals bezeugt für das Jahr 354.
Das Kirchenjahr richtet sich nicht nach Wirtschafts-Konjunkturen
Christi Geburtsfest trotz(t) der Krise
Wir haben eine Krippen-Szene vor der Frankfurter Börse gestellt, um Weihnachten 2009 nach Christus anschaulicher zu machen. Jesus wird in diese Welt geboren, Gott wird in unsere Zeit hinein Mensch. So sehr diese Welt von wirtschaftlichen Sorgen gebeutelt ist, so sehr kriegerische Auseinandersetzungen in heutiger Zeit ängstigen: "Heute ist euch der Retter geboren" (vgl. Lukas 2,11).
Bulle und Bär statt Ochs und Esel: Was würde wohl der heilige Franziskus zu der tierischen Variation seiner Krippen-Idee sagen? Rundweg ablehnen würde er sie wohl nicht, dazu war seine Liebe zu allen Geschöpfen viel zu ausgeprägt. In der Finanzwelt beschreiben Bulle und Bär unterschiedliche Entwicklungen der Börse.
Da steht der Bulle für steigende Aktienkurse, weil er mit seinen Hörnern nach oben schleudert; und der Bär verkörpert fallende Aktienkurse, denn er schlägt mit seinen Tatzen nach unten. Der Würzburger Bildhauer Reinhard Dachlauer hat 1988 beide Tiere für den Vorplatz der größten deutschen Börse geschaffen.
Die Herkunft des Sinnbilds ist nicht eindeutig, geht vermutlich auf blutige Schaukämpfe im Wilden Westen der USA zurück: Ein Bulle wurde auf einen Bären gehetzt, der an einem Pfahl angebunden war – ein Kampf auf Leben und Tod begann.
Die Krippenszene in Frankfurt nachgestellt. |
Gelang es dem Bären, den angreifenden Bullen mit der Tatze niederzustrecken, bevor dieser ihn mit seinen Hörnern aufspießte? Vordergründig will dieses grausame Bild so gar nicht zu nadelstreifenfeinen Börsen-Experten passen. Doch wer hinter die leuchtenden Kurs-Tafeln und hinter die Bankschalter schaut, dem bleibt die bittere Erkenntnis nicht verborgen, dass an manchem Geld Blut klebt.
So hat die Gier eiskalter Spekulanten am Aktienmarkt seit dem Finanz-Crash Hunger und Elend anderswo verschärft. Und regelmäßig fließen Gelder in den Kreislauf, die aus Erpressung, Raub und Ausbeutung stammen. Wenig weihnachtlich, aber wirklich. Streng genommen stehen Bulle und Bär im Jahr 2009 an der Krippe für die Begrenztheit menschlicher Einsicht, wie sie sich im globalen Börsen- und Bankenkrach gezeigt hat: Da wurde das "Goldene Kalb" Geld angebetet, eigene Arbeit galt nur noch wenig. Mit der Arbeit anderer Geld zu machen – möglichst Geld mit Geld zu verdienen und das in hohem Tempo – das erschien erstrebenswert. Sich selbst für verlustreiche eigene Fehlentscheidungen im Management mit hohen Abfindungen trösten zu lassen, galt als anständig. Aber wie sollte das gut gehen, wenn mehr und mehr Geldgierige auf den Finanzmärkten das Fell des Bären verkauften, bevor sie ihn erlegt hatten? Bulle und Bär an der Krippe 2009 zeigen die Grenzen des Verdienens, während die junge Familie das Glück des Beschenktwerdens bezeugt: das Ehepaar Julia Berberich und Christian Granitza mit ihrem anderthalbjährigen Sohn Aaron sind in der Gemeinde St. Elisabeth in Frankfurt-Bockenheim zu Hause, der Vater ist zudem als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats engagiert. Gott wird Mensch, tritt an unsere Seite, stärkt uns in Sorgen und Nöten, will uns nie mehr verlassen.
Darauf ist Verlass in einer Welt, die zeitweise das Wort Risiko vergraben hatte und dem Götzen Rendite huldigte. Was kann der Mensch Größeres gewinnen als Nachwuchs? Die Freude in den Gesichtern der jungen Familie macht es augenfällig. Weil jede Krise auch ihr Gutes, ihr Läuterndes hat, sehen gottseidank inzwischen wieder mehr Menschen auf das Glück der Drei in der Mitte der Krippe als auf die Verlockungen, für die beide Randfiguren stehen. Doch leider zählt es zu den Widersprüchen dieser Wirklichkeit, dass auch ein noch so ehrlicher Kinderwunsch an finanzielle Grenzen stoßen kann. – Aber war das vor 2009 Jahren anders?
Was mir Weihnachten bedeutet
Karl Schmitz: Halt und Orientierung geben - "Dass Gott in unsere Welt gekommen ist und er durch Jesus ein Gesicht bekommen hat, steht für mich an Weihnachten im Zentrum. Durch die Geburt Jesu möchte Gott uns Halt und Orientierung geben. Diese Botschaft soll sich an Weihnachten auch in der Familie widerspiegeln. Ich selbst erfahre diese Botschaft am ehesten durch die Musik, ich erlebe es durch das Singen der Kirchenlieder während der Mette. In der Familie singen wir auch viele Weihnachtslieder, die ich am Klavier begleite, während der Bescherung."
Maria Dreckmann: Mit Enkeln besonders schön - "Bis vor acht Jahren hatten wir zu Hause noch Landwirtschaft, da war es Weihnachten schon mal stressig. Heute kann ich mich richtig mit meinem Enkelsohn Jonas freuen, wenn seine Augen vor Freude leuchten. Besonders schön ist Weihnachten diesmal, weil ich im November ein zweites Enkelkind bekommen habe. Als Großmutter erlebe ich Weihnachten einfach viel bewusster. Neben der Familie ist dann das Singen im Kirchenchor das Schönste."
Raphael Brömmelhaus: Fest mit besonderer Stimmung - "Weihnachten ist für mich ein Fest mit einer besonderen Stimmung, die ich überall spüre. Die Vorbereitungen und das Fest selbst gehören für mich zusammen. Gemeinsam mit meinem Vater suche ich den Weihnachtsbaum aus, und wir schmücken ihn am Heiligabend. Ebenso bedeutet es mir viel, dieses Fest mit der Familie zu verbringen, denn meine beiden Schwestern leben inzwischen nicht mehr zu Hause. Der Höhepunkt ist für mich die Christmette. Seit vielen Jahren singe ich im Chor mit, der den Gottesdienst mitgestaltet."
Jørgen Franke: Bogen zwischen Gott und Mensch - "Die Adventszeit bedeutet für mich viel Stress bei der Arbeit – letzte Chance, den jährlichen Zielvorgaben zu entsprechen. Persönlich frage ich mich, wie meine Beziehung zu Gott ist. An Weihnachten wird mir dann klar: Welch ein Glück, dass Jesus geboren wurde! Ein Zeichen der Liebe Gottes zu uns. Durch Jesus haben wir so viel über Gott erfahren. Er hat wieder einen Bogen gespannt zwischen Gott und Mensch. Er hat uns Gott ein Stück näher gebracht. Hat er das wirklich? Lasse ich es auch zu, dass Jesus in mir geboren wird?"
Tage der Erfüllung: Heilig
Die Feier des 25. Dezember als Geburtsfest Jesu ist erstmals bezeugt für das Jahr 354. Weihnachten heißt soviel wie heilige, geweihte Nächte. Die Geburt Jesu ist nach christlichem Glauben die Menschwerdung Gottes. In ihm begibt sich Gott in die Menschheitsgeschichte hinein.
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Text: Hans-Josef Joest / Foto: Markus Nolte in
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