
Die Bibel berichtet von der Erschaffung der Welt und gibt den ersten Menschen die Namen Adam und Eva.
Ein "Garten Eden" im brasilianischen Bistum Obidos?
Die Schlange heißt Bauxit
Immer warm, ein unermesslicher Reichtum an Wild und Früchten, der Boden ertragreich – die Menschen in der Prälatur Obidos im Norden Brasiliens könnten sich fühlen wie im Paradies. Das tun sie aber nicht. Warum? Antworten von Bischof Johannes Bahlmann.
Keine Feindschaft zwischen Mensch und Tier, keine Dornen und Disteln, der Mensch kann sich mühelos ernähren. Solche Bilder finden sich in der Bibel, wenn man das Buch Genesis nach der Schilderung paradiesischer Zustände durchblättert, nach dem Anfang der Menschheit. Bilder, die auf das Paradies verweisen, in dem Adam und Eva gelebt haben, im "Garten Eden". Mit "Anmut", mit "Lieblichkeit" und mit "Wonne" – so übersetzen Fachleute das hebräische Wort "Eden", und davon geprägt muss man sich das Paradies wohl vorstellen.
Und Amazonien? Die Bischofsstadt Obidos am Ufer dieses riesigen Stroms? Was ist dort paradiesisch?
Sicher das gleichmäßige Klima, das keinen Schnee kennt und keine trüben Novembertage, kein wechselhaftes, nasskaltes Aprilwetter. Sondern so etwas wie einen ewigen Sommer, immer Temperaturen um 30 Grad.
Der Strom fließt quer durch Südamerika majestätisch seiner Mündung zu. Bei Obidos, dem Bischofssitz von Johannes Bahlmann, ist der Amazonas rund zwei Kilometer breit. Eine unvergleichliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren findet sich im Amazonas und an seinen Ufern. Auf den ersten Blick paradiesische Verhältnisse. |
Und das Leben der Menschen dort im brasilianischen Garten Eden? Zunächst einmal: Der Boden lässt sich nach den Hochwasserphasen im Jahr sehr gut für die Landwirtschaft nutzen. Der Amazonas hat bei Obidos mit zwei Kilometern eine seiner engsten Stellen, die ganze Strecke wird immer wieder überschwemmt; die Menschen leben deshalb meist auf traditionellen Pfahlbauten. Aber fruchtbares Land bleibt zurück.
So hat es jedenfalls Johannes Bahlmann erlebt, gebürtig aus Visbek im Oldenburger Münsterland, der jetzt als Dom Bernardo Bischof von Obidos ist und durch Visitations-Reisen die Region kennengelernt hat.
Natürlich hat auch die weitere Umgebung etwas Paradiesisches: Nicht umsonst wird der Amazonas noch bis weit hinter Obidos von Kreuzfahrtschiffen befahren, von Ozeandampfern, auf denen Touristen auf der Suche sind nach der tropischen Romantik, wie sie ihnen die Hochglanzprospekte versprechen. So leben in dem Gebiet allein mehr als 1500 Fischarten, riesige Speisefische wie der Pirarucu, zwei Meter lang und 100 Kilo schwer. Aber auch die so genannten Amazonas-Delfine.
Ganz klar: Im Vergleich zu der brasilianischen Millionenstadt Sao Paulo geht es in Obidos friedlich, vielleicht sogar wirklich paradiesisch zu. Pater Johannes kennt Sao Paulo genau, er weiß, wie viele Menschen dort in ihrer Not den Lebensunterhalt auf Müllkippen zusammensuchen müssen. Mit einem Projekt der Franziskaner hat er ihnen unter die Arme gegriffen, sie mit Papiersammeln zur Selbsthilfe ermuntert.
Und er hat in dieser Riesenstadt Lepra-Projekte des Ordens koordiniert; in einem Staat, der auf der Welt die höchste Dichte an dieser grauenhaften Krankheit aufweist.
Trotzdem nennt Dom Bernardo Sao Paulo "faszinierend", obwohl die Stadt wahrhaftig kein Paradies ist. Sondern, wie er es ausdrückt, "eine der globalisiertesten Städte der Welt". Soll heißen: Alle Probleme der weltweiten Industriegesellschaft ballen sich dort. Nichts Paradiesisches, aber eine Herausforderung, wo es für tatkräftige Menschen – so der Missionar – immer neue Aufgaben gebe.
Der Wechsel an den Amazonas bringt also mehr Ruhe für den Seelsorger, sollte man denken. Johannes Bahlmann winkt ab, schüttelt den Kopf. Weit gefehlt! Auch in dieser nördlichen Ecke Brasiliens leiden Menschen weit überdurchschnittlich unter Lepra, manche wissen in ihrer Verzweiflung nicht mehr ein noch aus.
Schritt für Schritt zerstört der Bauxit-Abbau den Frieden am Amazonas. |
Im Übrigen findet sich eine weitere zentrale Figur des Schöpfungsberichts in Obidos: die Schlange. Im Kapitel drei der Genesis hat die Schlange gar keinen Namen. Sie tritt nur auf, um die Frau zu verleiten, vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen – um dann zu sein wie Gott, zu wissen, was gut und was böse ist. Folge: Adam und Eva werden vertrieben aus dem Garten Eden, aus dem Paradies. Sinnbild eines Lebens, das Menschen überfordert, weil sie vielen Versuchungen nicht mehr gewachsen sind.
In Obidos am Amazonas, dem Bischofssitz von Johannes Bahlmann, hat die Schlange jedoch durchaus einen Namen: Bauxit. Ein wichtiger Bodenschatz, der dort abgebaut wird. Denn aus diesem Erz lässt sich in einem komplizierten Verfahren Aluminium gewinnen. Ein Metall, das etwa in der Produktion von Autos eine entscheidende Rolle spielt.
Der Bergbau von US-Konzernen habe den Menschen in der Region Unheil gebracht, berichtet Dom Bernardo. Unter den auswärtigen Arbeitern macht sich Kriminalität breit, Drogenkonsum ist an der Tagesordnung, Prostituierte treiben sich zwischen den Baracken der Arbeiter herum. Erbittert sagt der Bischof: "Diese Firmen loben sich selbst, weil sie angeblich den Fortschritt zu uns gebracht haben. Aber ihre soziale Verantwortung, die sehen sie nicht."
Er wolle sich nicht einfach gegen eine technische Entwicklung stellen, betont Bahlmann. Ihm gehe es nur um einen vernünftigen Dialog zwischen allen Beteiligten. Um einen Dialog, den er für das Wohl der Armen auch mit den Mächtigen in Sao Paulo auf Augenhöhe geführt hat.
Den durchgreifenden Einsatz des Staates bei solchen Fragen vermisst der Franziskaner. Bahlmann kann immer neue Fälle aufzählen, bei denen Wirtschaft vor Gerechtigkeit geht. In mehreren Regionen habe der Staat zum Beispiel die Wassernutzung an Großkonzerne verpachtet; mit der Folge, dass Mineralwasser manchmal teurer sei als Benzin. "Und das in einem Land mit dem Fünftel des Süßwasservorrats der Erde!" Er wolle die Vergangenheit beileibe nicht verklären, betont Bahlmann. Aber an vielen verstreuten Orten in den Wäldern seines Bistums hätten die Menschen noch sehr ursprünglich und nah an der Natur gelebt. Die Landwirtschaft habe ihnen ein bescheidenes Auskommen ermöglicht. Kein Paradies. Aber keineswegs solche Probleme wie heute.
Es sieht so aus, als werde der neue Bischof, als werde Dom Bernardo, wie in Sao Paulo nach neuen Wegen der Seelsorge suchen müssen, um den Menschen in seinem Bistum Hoffnung zu schenken.
Tage der Erfüllung: Schöpfung
Die Bibel berichtet von der Erschaffung der Welt und gibt den ersten Menschen die Namen Adam und Eva. Das 2. Kapitel des Buchs Genesis erzählt von den ersten Menschen in der wundervollen Welt des Paradieses und dem Leben mit dem Schöpfer. Ihre Sünde trennte die Menschen von Gott, und es folgte die Vertreibung aus dem Paradies. Damit stehen sie am Anfang der Sehnsucht nach dem Retter und der Geburt Jesu als des "neuen Adam". Im Kalender ist ihr Gedächtnis dem 24. Dezember zugeordnet. Das morgendliche Stundengebet ist so noch ganz adventlich geprägt.
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Text: Franz Josef Scheeben | Fotos: privat in
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