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01.09.2014
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Weihbischof Josef Voß.

Weihbischof Josef Voß.

Engagierter Seelsorger und Kämpfer für Menschen am Rand

Weihbischof Josef Voß ist tot

Bistum. Im Kreis seiner Geschwister sowie Vertretern der Bistumsleitung und des Domkapitels ist Weihbischof Josef Voß am Mittwoch (16.12.2009) um kurz nach 12 Uhr mittags gestorben. Er wurde 72 Jahre alt. Voß starb nach längerer Krankheit in der münsterschen Raphaelsklinik.

Die Diözese Münster nimmt am Dienstag (22.12.2009) Abschied von Weihbischof Josef Voß. Um 14.00 Uhr ist im münsterschen St.-Paulus-Dom ein feierliches Pontifikal-Requiem, dem Bischof Felix Genn vorstehen wird; anschließend findet die Beisetzung auf dem Domherrenfriedhof statt.

Trauer und Betroffenheit

Im Bistum Münster herrschen Trauer und Betroffenheit. "Weihbischof Josef Voß war für mich persönlich als Mitbruder im Domkapitel und in der Bistumsleitung sowie als Regionalbischof ein wirkliches Vorbild, weil er ein so lebendiges Zeugnis für die den Menschen zugewandte Liebe Gottes gegeben hat", sagte Dompropst Josef Alfers.

"Im Bistum Münster hat er auf tief bewegende Weise das Bewusstsein für die Menschen am Rande wachgehalten - für Migranten und für alle Benachteiligten unserer Zeit -, und er hat sich ihnen wirklich zugewandt als Konsequenz seines Glaubens an die große Menschenliebe Gottes." Davon zeuge nicht zuletzt Voß' großer Einsatz als Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, sagte Alfers. "Wir verlieren einen durch und durch überzeugten und überzeugenden Mitbruder."

"Den Menschen in Not besonders verpflichtet"

Den Einsatz des verstorbenen Weihbischofs für Aufgaben der Caritas sowie für Migranten und Flüchtlinge würdigt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Voß habe sich "aus dem Geist des Evangeliums Christi den Menschen in Not besonders verpflichtet" gewusst, schreibt Zollitsch in einem Beileidsbrief an Bischof Felix Genn.

Der Flüchtlingsschutz und der Einsatz für die Integration von Zuwanderern habe für Voß "untrennbar zum caritativen Wirken der Kirche" gehört, schreibt der Freiburger Erzbischof. Innerhalb der Kirche und der ganzen Gesellschaft habe sich der Weihbischof "für ein gelingendes Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern engagiert".

Auch in der rund 423.000 Katholiken zählenden Region Coesfeld-Recklinghausen, in der Voß als Regionalbischof wirkte, löste die Nachricht von seinem Tod Bestürzung aus. Margret Pernhorst, in Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) lebende Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, bezeichnete Voß gegenüber kirchensite.de als einen "guten väterlichen Freund". Sie hob seine Glaubwürdigkeit und Lebensfreude hervor. "Er wird uns fehlen", meinte Pernhorst, die den Regionalbischof aus vielen persönlichen Begegnungen kannte.

Weihbischof Voß hatte einen Draht zur Jugend.

"Der Tod bleibt ein Geheimnis"

Voß habe stets Solidarität mit den Menschen gezeigt und sich unermüdlich für die Menschen am Rand engagiert: "Er konnte sich in sie hineinversetzen." Auch Menschen in schweren Grenzerfahrungen sei Voß nah gewesen und habe aus dem Glauben Trost gegeben. "Mir selbst hat er einmal gesagt: Der Tod bleibt ein Geheimnis."

Der Recklinghäuser Kreisdechant Jürgen Quante betonte in einer ersten Reaktion: "Dr. Josef Voß war ein Bischof, der ganz nah bei den Menschen war und stets ein Ohr für ihre sozialen Notlagen hatte." In der Region sei er "sehr präsent" gewesen, "alle kennen ihn", meinte Quante, der auch Pfarrer der Gemeinde St. Peter in Recklinghausen ist. Bei den Firmungen in den Pfarreien sei zu spüren gewesen, "wie gut er mit den Jugendlichen konnte". Trotz seiner zuletzt angeschlagenen Gesundheit habe er seine Positionen zu sozialen Themen immer mit Leidenschaft vorgetragen.

Johann-Theodor Hülper, Kreisdechant im Kreisdekanat Coesfeld, kennt Josef Voß schon aus seinen Zeiten als Direktor im Collegium Borromaeum und hat ihn sehr geschätzt. "Er war ein Mensch, der die Freundlichkeit Gottes und die Freude an Gott weitergegeben hat", sagte Hülper. Voß habe "ein großes Herz für die Menschen" gehabt und ihre Nöte gut verstanden. Besonders die Nöte derer, die es im Leben nicht leicht haben, wie Arme und Migranten. "Er war einfach. Das ist eine Kunst. Nie hat er seine Herkunft verleugnet oder sich mit seinem akademischen Grad hervorgetan", sagte Hülper. "Er war ein Arbeiter und hat seine Aufgaben gern erfüllt. Das haben die Menschen in der Region gespürt. Wir werden in allen Messen für ihn beten."

"Die Menschen sind das Wichtigste"

Mit Weihbischof Voß verliert das Bistum Münster einen engagierten Seelsorger und Kämpfer für die Menschen am Rand der Gesellschaft. "Die Menschen sind das Wichtigste", betonte Voß einmal im Gespräch mit kirchensite.de.

"Seine" Region Coesfeld-Recklinghausen mit ihren unterschiedlichen Traditionen und Mentalitäten lag dem Bauersohn vom Ostrand des Bistums am Herzen. "Ein Teil dieser Menschen ist geprägt von einer langen Bergbautradition, von der industriellen Geschichte – der andere kommt eher aus der landwirtschaftlichen Tradition." Voß sah stets, was die Menschen im Süden des Ruhrgebiets und im Münsterland einte: "In der pluralen, sich schnell weiter entwickelnden Gesellschaft kämpft der ländliche, wie auch der industrielle Bereich mit Strukturproblemen."

Weihbischof Josef Voß vor dem Petersdom in Rom.

Er stammte von einem "Kotten" in Langenberg-Benteler

Die Vielfalt in seiner Region bereitete ihm keine Probleme, er konnte sich "leicht einfinden, mit den unterschiedlichen Mentalitäten einlassen". Im ländlichen Raum war das klar, denn dort hat er seine Wurzeln: auf einem "Kotten" in Langenberg-Benteler, rundum vom Erzbistum Paderborn umgeben. "In solchen Randlagen sind die Menschen dem Bistum immer besonders treu", meinte er einmal mit einem Schmunzeln.

Die wahren Gründe für sein Engagement in der Kirche fand er dennoch anderswo: "Das religiöse Leben gehört zum Alltag." Zum Alltag mit drei Brüdern und vier Schwestern, zu denen die Eltern nicht viele Worte über den Glauben machten, sondern ihn vorlebten. "Ohne Zwang und Druck, es ebenso zu machen. Mehr als Einladung – das hat uns geprägt."

Wie die Begegnung mit seinem Onkel, einem Franziskanerbruder, als dieser in den 1950er Jahren von seiner Missionsarbeit aus China zurückkehrte. Voß entschied sich Priester zu werden, studierte in Rom und promovierte zum "Doktor der Theologie". Die Priesterweihe empfing er am 10. Oktober 1964 ebenfalls in Rom.

Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes

Die sozialen Probleme und Fragen der Zeit lagen Weihbischof Voß am Herzen. Dies hatte seine Ursache nicht zuletzt in seinem Engagement für die Caritas: Von 1973 bis 1988 war er zunächst Geistlicher Direktor, später Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes. "Ich übersetze 'Caritas' gern mit: Gottes Sorge um die Menschen weiter tragen", erklärte er einmal.

Trotz aller sozialen Absicherung durch das gesellschaftliche System bleibe die solidarische Grundhaltung der Bevölkerung unumgänglich, mahnte der Weihbischof. "Was der Mensch lebensnotwendig braucht – Verständnis, Zuwendung, Mitgefühl, Vertrauen, Freundschaft, Liebe – lässt sich nicht verordnen oder bezahlen." Nächstenliebe sah Voß als tragende Mitte des gesellschaftlichen Systems in Deutschland.

Weihbischof Voß im Gespräch mit Bischof Genn am Rande einer Diözesanratssitzung.

Bischofsweihe 1988

Die Liebe Gottes zu den Menschen rückte er in die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. In dieser Liebe liege die Zukunftsperspektive der Menschen, betonte er. "Der Mensch ist von Gott gewollt und geliebt, das ist eine ganz entscheidende Tatsache." Wenn bei den Problemen der Zeit Gott aus dem Blick gerate, sei der Mensch in Gefahr. Dazu gehöre auch, diese "umfassende Liebe Gottes" weiter zu tragen, zu allen Menschen. Doch Solidarität mit denen, die am Rand stehen, stoße oft an Grenzen, und so erhob er nicht selten auch mahnend seine Stimme.

Dies tat er umso mehr, nachdem er am 24. April 1988 die Bischofsweihe empfing und Titularbischof von Thisiduo sowie Weihbischof in Münster und Regionalbischof für die Region Coesfeld-Recklinghausen wurde. Auch auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) machte sich Voß schnell einen Namen. Seit 1992 war er Vorsitzender der Caritas-Kommission und seit 1996 Vorsitzender der Migrations-Kommission der DBK sowie Mitglied des päpstlichen Rats für die Seelsorge an Migranten und Menschen unterwegs (seit 2006).

Im der Maximuskapelle des St.-Paulus-Domes liegt ein Kondolenzbuch für Weihbischof Voß aus.

Kampf für Benachteiligte

Voß scheue "auch die weniger komfortablen Sitze in dieser Gesellschaft nicht", sagte Ulrich Pöner, Verantwortlicher für Ausländerseelsorge bei der Bischofskonferenz, anlässlich der Feier des 70. Geburtstages von Voß im März 2007.

Mit "bewundernswerter Dauerhaftigkeit und Steherqualität" kämpfe er für Benachteiligte, vor allem für Migranten, deren problematische Lage er früher als die meisten in Deutschland klar erkannt habe. Weihbischof Voß benenne Missstände mit großer Deutlichkeit – zuletzt beim Bleiberecht – und habe "die Gabe, bei aller Klarheit nie jemanden so vor den Kopf zu stoßen, dass der Gesprächsfaden abreißt", hieß es zu seinem 70. Geburtstag.

Kondolenzbuch im St.-Paulus-Dom

Die Maximuskapelle des St.-Paulus-Domes (erste Kapelle der Galen´schen Kapellen, gegenüber der Astronomischen Uhr) ist Ort des Gedenkens an den verstorbenen Weihbischof Josef Voß. Vor dem Altar mit dem Elfenbeinkreuz liegt ein Kondolenzbuch aus.

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Text: Norbert Göckener, mn, mek, jjo | Fotos: Michael Bönte
16.12.2009

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