
Mit ihrem Gesang öffneten die Chöre der Coesfelder Anna-Katharina-Gemeinde beim "Carol Service" die Herzen der Menschen. Nicht nur die Besucher profitierten von dem Konzert, sondern auch der "Mittagstisch am Bahnhof", für den am Ausgang um eine Spende gebeten wurde.
Stimmungsvolle Kirchenmusik in der Adventszeit
Gesang aus drei Jahrhunderten
Bistum. Zahlreiche Gelegenheiten bieten sich den Chören in der Advents- und Weihnachtszeit, andere auf diese geprägte Zeit einzustimmen. Sei es in einer kirchenmusikalischen Andacht, einer Rorate-Messe, einem Offenen Singen im Park oder im Altenheim sowie einem nachmittäglichen Konzert auf der Station eines Krankenhauses.
Doch früh übt sich, wer andere begeistern will. So erklingen in den Pfarrheimen oft bereits nach den Sommerferien die ersten zaghaften Proben der stimmungsvollen Advents- und Weihnachtslieder.
Und dann ist er da, der Advent – und mit ihm ein umfangreiches Programm für die Kirchenmusik. Stimmungsvoll und ruhig geht es bei den Konzerten zu. So zum Beispiel auch in der Coesfelder Gemeinde Anna-Katharina. Seit dem 1. September ist Kantor Ralf Blasi von seinem England-Aufenthalt zurück. Ein Jahr hat er in der Kathedrale von Gloucester die englische Kirchenmusiktradition kennengelernt.
Zwar gehörten feierliche Adventskonzerte zur Tradition in der Gemeinde, doch in diesem Jahr gestalteten drei Erwachsenenchöre und ein Kinderchor erstmals einen so genannten Carol Service. So heißt ein musikalischer Gottesdienst in der englischen Kirche, der in der Advents- oder Weihnachtszeit die Christen zum gemeinsamen Singen und Beten einlädt. Nach dem Gottesdienst wird um eine solidarische Spende für einen karitativen Zweck gebeten.
Lesungen aus dem Buch Jesaja und dem Evangelium nach Lukas stimmten die Mitfeiernden in Coesfeld ebenso ein wie Adventslieder aus den vergangenen drei Jahrhunderten, die die Chöre – teilweise bei stimmungsvollem Kerzenschein – von unterschiedlichen Standorten aus im Kirchenraum vortrugen. Das Konzept überzeugte die Gottesdienstbesucher in Coesfeld. Sie nutzen den "Carol Service" als willkommene Gelegenheit, sich auf den Advent einzustimmen und die Herzen zu öffnen für die Botschaft Gottes und die Liebe zum Nächsten.
Eine deutsche Tradition für Kirchenmusikinteressierte in der späten Adventszeit ist das so genannte Quempas-Singen. Dieser Brauch des adventlichen Singens lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Begriff leitet sich von dem Anfang des lateinischen Lieds "Quem pastores laudavere" ab. Unter den deutschen Fassungen ist vor allem die von Michael Praetorius "Den die Hirten lobeten sehre" bekannt. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das "Quempas-Singen", das beispielsweise die Steverlerchen und der Jugendchor der Steverlerchen aus Nottuln-Appelhülsen, der Städtische Musikverein in Coesfeld, der Chor "parlar cantando" in Lüdinghausen oder der Philharmonische Chor Münster gemeinsam mit Schülern des Gymnasiusms Paulinum pflegen, lebt ebenso wie der "Carol Service" von dem Wechsel aus Chor- und Instrumentalmusik sowie Gemeindegesang.
Ein fester Bestandteil neben der ursprünglichen Liedkombination ist die Eröffnung des "Quempas-Singens". Das erste Lied wird von unterschiedlichen Positionen in allen vier Ecken der Kirche von verschiedenen Chören gesungen. Das "Quempas-Singen" gehört vielerorts zum festen Bestandteil des Weihnachtsbrauchtums, sowohl im Gottesdienst als auch auf Straßen und Plätzen. Heute wird das "Quempas-Singen", regional unterschiedlich, zumeist nicht mehr am Weihnachtsmorgen, sondern an einem Samstagabend oder Sonntagmorgen in der späten Adventszeit ausgeführt.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Ralf Thier-Hinse in
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