
Zu Beginn des Pontifikalrequiems für Weihbischof Josef Voß besprengte Bischof Felix Genn den Sarg des Verstorbenen mit Weihwasser.
Requiem und Beisetzung von Weihbischof Voß
Genn: "Ihn rührte die Not der Menschen"
Bistum. Bischof Felix Genn hat den unermüdlichen Einsatz des im Alter von 72 Jahren verstorbenen Weihbischofs Josef Voß gewürdigt. "Weil Gott die Liebe ist, ist Josef Voß nie ruhig gewesen, hat er sich nicht geschont, vielmehr hat er sich wirklich im Dienst an den Menschen verzehrt", sagte der Bischof am Dienstag (22.12.2009) im münsterschen St.-Paulus-Dom im Pontifikalrequiem für Voß.
Zu Beginn der Messe hatte Dompropst Josef Alfers ein Schreiben von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone verlesen. Darin heißt es, Papst Benedikt XVI. habe mit Trauer auf den Tod von Weihbischof Voß reagiert. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Möge der allmächtige Gott den Dienst des Verstorbenen, besonders seinen Einsatz für Menschen in Not, mit reichem Lohn vergelten."
"Zu wenig auf seine Grenzen geachtet"
Bischof Genn dankte Voß für sein Glaubenszeugnis. Zwar habe jedes menschliche Leben seine Grenzen, das Schöne aber sei, dass Gott trotzdem Menschen auswähle, um seine Botschaft zum Leuchten zu bringen. "Manchmal haben wir gesagt, und dies bis in die letzten Wochen hinein, dass Josef viel zu wenig auf seine Grenzen achtet. Vielleicht war das genau seine Grenze, um des Dienstes willen über seine Grenzen hinauszugehen."
Der Bischof verwies darauf, dass es die Bitte des Verstorbenen sei, in seinem Sterbeamt die Verse des "Te Deum" zu singen: "Auf dich, Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. Ich werde in Ewigkeit nicht zuschanden." Er lasse damit die Trauergemeinde Teil haben "an seinem Glauben an den Gott, dem wir aufgrund seiner großen Liebe nicht genug danken können".
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Bischof Felix Genn predigte beim Pontifikalrequiem für Weihbischof Voß. |
Leitmotiv seines bischöflichen Wirkens
"Da warst du du selbst" – dies sei Aussage der Mitbrüder im Domkapitel über Voß' Tätigkeit als Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes. Voß habe dann später den Bibelvers "Gott ist die Liebe" zum Leitmotiv seines bischöflichen Wirkens gewählt. Damit gebe er nicht nur einen Schlüssel für das Verständnis seines eigenen Lebens, "sondern er predigt bis zu dieser Stunde zu uns".
Die Würdigungen der vergangenen Tage geben nach Meinung von Bischof Genn Zeugnis vom Engagement des Verstorbenen für die Liebe. Genn erinnerte an den Einsatz für die Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen in schweren Notsituationen, sein Engagement für die Seelsorge der Menschen aus den muttersprachlichen Gemeinden, für die Migranten und Asylbewerber.
Kompetenz, Klarheit und Entschiedenheit
"Weil Gott die Liebe ist, rührte ihn die Not überall, wo er sie vorfand", betonte Genn. Voß' Einsatz in den Gemeinden, vor allem in den Regionen Coesfeld und Recklinghausen, sei unermüdlich gewesen. Mit Kompetenz, Klarheit und Entschiedenheit habe Voß in der Deutschen Bischofskonferenz seine Stimme erhoben und auf Problemfelder aufmerksam gemacht, die im Alltag leicht übersehen werden können.
Bischof Genn feierte die Eucharistie in Konzelebration mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Périsset, Bischof em. Reinhard Lettmann, Weihbischof Heinrich Janssen, Weihbischof Heinrich Timmerevers, Weihbischof em. Max Georg Freiherr von Twickel, Weihbischof em. Alfons Demming, Weihbischof em. Friedrich Ostermann und Dompropst Josef Alfers. Es sang die Schola Ludgeriana unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf; die Orgel spielte Domorganist Thomas Schmitz. Während der Kommunion spielte der Neffe des Verstorbenen, Gereon Voß, das Stück "Pari intervallo" von Arvo Pärt auf dem Vibraphon.
Während des Gottesdienstes stand der Sarg vor dem Altar. |
Bischofsstab mit der Krümme nach unten
Besondere Zeichen und Handlungen gehörten zu der Bischofsbeerdigung: Zu Beginn des Pontifikalrequiems zog Genn mit den Konzelebranten, den Domgeistlichen und Messdienern in einer Prozession zum Paradies des St.-Paulus-Domes, um den Leichnam des Verstorbenen zu empfangen.
In einer Prozession wurde der Sarg dann zum Altarraum geleitet, wo er aufgestellt wurde. Dabei führten Träger Mitra und Bischofsstab von Weihbischof Voß mit. Als Zeichen für die erloschene Hirtenaufgabe wurde der Stab mit der Krümme nach unten getragen.
Die Fürbitten beteten Vertreter der Caritas, der Kreisdekanate Coesfeld und Recklinghausen, der muttersprachlichen Gemeinden und des Weihekurses des Verstorbenen. Die Kollekte war auf Wunsch des Verstorbenen für die Ausbildung arbeitsloser Jugendlicher beim "SKM - Katholischer Verband für soziale Dienste" Münster bestimmt.
Totenglocke des Paulusdomes läutete
Nach dem Pontifikalrequiem fand das Begräbnis auf dem Domherrenfriedhof statt, das ebenfalls Bischof Genn leitete. Nachdem der Sarg in die Erde gesenkt wurde, läutete die Totenglocke des Paulusdomes. Nahe Angehörige und Vertreter von Kirche und Staat traten an das Grab, um sich dort von dem Verstorbenen zu verabschieden.
Zitat:
Wir Christen feiern und bekennen gläubig: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16). Wer sich von dieser Botschaft anrühren lässt, den macht sie unruhig: Wenn das wirklich stimmt, dass Gott die Welt liebt, dass er sich für diese Welt engagiert, dass er sich jedes einzelnen Menschen annimmt, ihn ansieht, ihn nicht aus dem Blick verliert, dann ist die Liebe das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Dann ist die Liebe jene Kraft, aus der die Welt wirklich ihre Rettung erfahren kann. Dann aber braucht diese Liebe Menschen, die von ihr erfüllt dafür Zeugnis geben: Es lohnt sich, in der Liebe zu leben. Es lohnt sich, die Angst aufzugeben, im Dienst für die anderen verbraucht zu werden. Es lohnt sich, jedem Menschen als Bruder und Schwester zu begegnen. Das stillt Kummer, das heilt Schmerz. - Bischof Genn im Pontifikalrequiem für Weihbischof Voß
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