
Nikolaus-Darsteller aus dem Oldenburger Land diskutierten praktische Fragen ihres Einsatzes.
Erfahrungsaustausch von Nikolaus-Darstellern
Kindern die Angst nehmen
Oldenburger Land. Streng oder strafend? Wie soll ein Nikolaus-Darsteller seine Rolle angehen? Soll er etwa darauf bestehen, dass der Fernseher während des Besuchs abgeschaltet wird? Über manche Fragen beim ersten Nikolaus-Seminar des oldenburgischen Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im vergangenen Jahr konnte man sich nur wundern. Weil man sich nicht vorstellen kann, dass es das wirklich gibt.
Früher war viel weniger in der Tüte: "Ein Apfel und selbstgebackene Plätzchen." Martin Brüggemann muss es wissen. Seit 1953 ist er als Nikolaus in Friesoythe unterwegs. Und der 73-Jährige nennt es übertrieben, was seine Nikolaus-Kollegen heute manchmal so erleben müssen. Einer hat sogar schon einmal die Übergabe der von den Eltern bereitgelegten Geschenke verweigert. "Die Pakete waren mir einfach zu groß und zu schwer", erklärt er.
Die anderen Teilnehmer lächeln. Ähnliche Geschichten kennen auch sie aus ihrem Dienst als Nikolaus oder Knecht Ruprecht. Und beim ersten Nikolaus-Treffen des oldenburgischen BDKJ im Pfarrheim von Cloppenburg St. Andreas möchten sie untereinander Erfahrungen austauschen.
Da ist zum Beispiel die Geschichte von dem Vater, der den Nikolaus-Besuch mit seiner Video-Kamera filmte und immerzu Kommentare und Erklärungen ins Mikrofon sprach – und damit ziemlich störte.
Oder die Erfahrung mit dem unaufgeräumten Wohnzimmer: Bierkiste auf dem Boden und leeren Pizza-Kartons auf dem Couchtisch. Auf dem Spickzettel für den Nikolaus stand: "Unser Sohn soll künftig sein Zimmer besser aufräumen."
Ärgerlich für die Nikolaus-Zunft sind auch die häufigen Verwechslungen. "Wenn man als 'Weihnachtsmann' angesprochen wird, ab und zu sogar als 'Christkind'." Besonders die Reklame sei Schuld daran. BDKJ-Referent Frank Tönnies, selbst Nikolaus-Darsteller in Lastrup, erzählt von einer Aktion in Cloppenburg. "Da kam am Nikolaustag ein als 'Santa Claus' angekündigter Darsteller im Weihnachtsmann-Kostüm per Hubschrauber angeflogen."
Bei einem anderen Beispiel machte ein Darsteller mit Mitra und Bischofsstab Reklame für einen Supermarkt. Wie sollen Kinder da noch die Unterschiede kennen?
Vor allem das Lob
Beim Nikolaustreffen in Cloppenburg stehen besonders praktische Fragen auf der Tagesordnung. Sollte man als Nikolaus nach einem festen Ablaufplan vorgehen? Sollte man streng auftreten? Wie kann er reagieren, wenn kleine Kinder beim Anblick von Knecht Ruprecht ängstlich weinen? Was sollte man tun, wenn die besuchte Familie "vergisst", den Fernseher während des Besuchs abzuschalten?
"Ich versuche streng, aber gerecht zu sein", erklärt ein Teilnehmer. "Und ich nenne zuerst die Kritik und zum Schluss das Lob. Weil das Gute im letzten Satz besser im Gedächtnis bleibt", erklärt ein anderer. Denn es solle doch vermittelt werden, dass Nikolaus ein guter Mann war. "Deshalb sollte das Lob im Vordergrund stehen", meint auch Nikolaus-Veteran Martin Brüggemann. "Wir können den Eltern schließlich nicht die Erziehung abnehmen."
Auf jeden Fall sei es wichtig, sich den Kindern zuzuwenden. Aber besser nicht mit allzu komplizierten Fragen. Etwa danach, wie sie sich denn im nächsten Jahr bessern wollten. "Das überfordert die Kinder nur", heißt es aus der Runde. "Hilfreicher sind einfache Fragen nach Lehrern oder Lieblingsfächern." Wenn die Kinder dann losreden könnten, falle oft auch schnell die Angst von ihnen ab.
"Ihr solltet langsam sprechen, sehr langsam", rät ein erfahrener Nikolaus aus Friesoythe den jugendlichen Seminarteilnehmern, die aus Petersdorf und Garrel zum Treffen gekommen waren. "Und auf jeden Fall die Sache ernst nehmen."
Und die Nikolaus-Legenden? Soll man die den Kindern erzählen oder sie fragen, ob sie die denn kennen?
"Meist bleibt dafür einfach keine Zeit", erklärt ein Nikolaus-Darsteller aus Friesoythe. "Dennoch möchte ich dazu ermutigen", sagt Frank Tönnies. Weil auch viele Eltern selbst die Geschichten nicht mehr kennen.
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