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22.05.2012
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Eckiger Kranz voller Erwartung.

Motiv zum Aufmerken: Pfarrer Josef Durkowiak entzündet eine Kerze am Adventskranz mit den Toren des himmlischen Jerusalems.

In St. Marien wird himmlisches Jerusalem zum Thema im Advent

Eckiger Kranz voller Erwartung

Waltrop. Er ist nicht rund, sondern eckig. Das muss er auch, denn der Adventskranz in der St.-Marien-Kirche in Waltrop hat in diesem Jahr ein außerordentliches Motiv: Das himmlische Jerusalem mit seinem quadratischen Grundriss war Vorbild, als Künstler Paul Reding das Viereck aus Tannengrün formte, auf denen zwölf geöffnete Stadttore ihren Platz gefunden haben. Die vier Ecken der Stadt tragen die Adventskerzen. Dass sich die Adventsbotschaft dem Betrachter so auch ein wenig kantig präsentiert, ist Pfarrer Franz Josef Durkowiak durchaus bewusst: "Der Sprung zwischen Betlehem und dem himmlischen Jerusalem ist groß."

Wenngleich die Idee nicht weit her geholt ist, sagt er. "Denn die Adventszeit mit der Erwartung der Geburt Jesu ist auch immer verbunden mit der Erwartung seiner Wiederkehr, die in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird." Dann, wenn Himmel und Erde vergangen seien, stehe die Entstehung einer neuen Stadt, in der Gott in der Mitte der Menschen lebe. So sei die Adventszeit nicht nur Ausblick auf Weihnachten, sondern auch Ausblick auf diese Zeit der Vollendung.

Ein eckiger Kranz mit Kannten: Advent in St. Marien in Waltrop.

"Jesus kommt ein zweites Mal"

"Christus, der in der Krippe liegt, ist zugleich der, der wiederkommen wird", erklärt Durkowiak. Das ist kein gängiges Advents- und Weihnachtsmotiv. Lässt sich das in dieser Zeit des Kirchenjahres transportieren, die besetzt ist von traditionellen Bildern? "Wir wollen den Blick weiter fokussieren." Das sei gerade in Zeiten, in denen der Volksglaube rückgängig sei, eine wichtige Botschaft: "Es ist lange her, dass Jesus hier war, aber er wird noch einmal kommen." Diese Offenbarung habe natürlich ihren Ursprung in Betlehem, weiß Durkowiak. Aber wer sich auf diese doppelte Erwartung in der Adventszeit einlasse, könne auch alles verstehen, was dazwischen geschehe. "Und nur vor diesem Hintergrund, der sich zwischen Geburt und Wiederkehr spannt, ist es möglich, Mut zu bekommen, die Dunkelheit der menschlichen Herausforderungen zu bestehen."

Die Gemeinde in Waltrop ist es gewohnt, in der Adventszeit herausfordernde Motive in der Kirche zu finden. Der Adventskranz als Schiff war schon dabei oder auch der Kranz aus Dornengestrüpp, an dem Sonntag für Sonntag mehr Rosen erblühten. Damit diese Bilder auch ihren Weg in das Gefühl der Menschen finden, ist die Begleitung durch Predigten, Lieder und Texte immer intensiv, wie auch in diesem Jahr. "Das heilige Jerusalem kann so viele Aussagen transportieren, die hervorragend in die Adventszeit passen", sagt Durkowiak. Die offenen Tore zählt er dazu, die "sich den Menschen zur Erlösung öffnen". Oder die hohen Stadtmauern, "hinter denen man sich geborgen fühlen kann".

Ein kleiner Vorgeschmack

Die Offenbarungsgeschichte sei voll von Beschreibungen, die zeigen, wie wertvoll das sei, was uns letztlich erwarte: "Kein Tod, keine Trauer, Straßen aus Gold, Engel, die wachen... - das sind Bilder der Unmöglichkeit, aber nur so kann man etwas von Gott Gemachtem gerecht werden." Dazu gehören auch die zwölf Edelsteine, welche die Stadtmauer schmücken. Auch diese haben in dieser Adventszeit Platz in der St.-Marien-Kirche gefunden. An jeder Säule ist einer jener Steine angebracht worden, die in der Bibel genannt werden, vom Saphir bis zum Amethysten. Eben wie ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mit der Geburt Jesu begann und noch nicht zu Ende ist.

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