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06.12.2016
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Buchzensur

Nach Angaben von Wolf befasste sich die für die Buchzensur zuständige Indexkongregation des Vatikans im 18. Jahrhundert mit rund 1.180 verschiedenen Büchern.

Levada sagte weitere Unterstützung des Vatikan zu

Wolf präsentiert neue Erkenntnisse über Buchzensur

Münster. Die Erforschung der Buchzensur der katholischen Kirche ist ein gutes Stück vorangekommen.

Der münstersche Kirchenhistoriker Hubert Wolf und seine Arbeitsgruppe präsentierten am Mittwoch (02.12.2009) in Münster sechs weitere Bände mit Grundlagenforschung über die Römische Buchzensur und Inquisition im 18. Jahrhundert. Darin werden systematisch alle Zensurfälle aus der Zeit zwischen 1701 und 1813 aufgearbeitet. In den vergangenen Jahren hatten die Wissenschaftler bereits 12 Bände mit den Akten des 19. Jahrhunderts publiziert.

"Ein bedeutender Augenblick"

Unterdessen sicherte der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, den Wissenschaftlern aus Münster die Unterstützung des Vatikan zu. Schon sein Vorgänger, Kardinal Joseph Ratzinger und inzwischen Papst Benedikt XVI., habe die Zusammenarbeit mit der Universität Münster gefördert, sagte der Kardinal am Dienstagabend in einer an einen Historikerkongress in Münster gerichteten Videobotschaft.

Die Öffnung der Archive der Glaubenskongregation markiere "einen bedeutenden Augenblick in der Beziehung zwischen der Kirche und der modernen Welt". Grundlage der Entscheidung sei die Überzeugung der Kirche gewesen, dass die Wahrheiten des Glaubens und der menschlichen Vernunft in unumgänglicher Harmonie stünden.

Kirchenhistoriker Hubert Wolf.

Zahl der Buchverbote nahm ab

Nach Angaben von Wolf befasste sich die für die Buchzensur zuständige Indexkongregation des Vatikans im 18. Jahrhundert mit rund 1.180 verschiedenen Büchern, von denen rund 1.100 Titel verboten wurden. Zugleich verhandelte auch die Inquisitionsbehörde, das "Sanctum Officium", über 1.245 Bücher, von denen rund 510 verboten wurden. Der Kirchenhistoriker betonte, dass die Anzahl der Buchverbote im Lauf des 18. Jahrhunderts stark abgenommen habe. Auch insgesamt sei die Aktivität der Römischen Buchzensur gegen Ende des Jahrhunderts zurückgegangen.

Bis Freitag tagen in Münster Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Frankreich, um neue Forschungen zu den Themen Buchzensur und Inquisition zu diskutieren. Es geht vor allem darum, wie die katholische Kirche auf das Zeitalter der Aufklärung reagierte.

Systematische Erforschung der römischen Buchzensur

Außerdem wollen die Wissenschaftler Vergleiche zwischen kirchlicher und weltlicher Zensur sowohl im katholischen als auch im protestantischen Europa anstellen. Am Donnerstagabend diskutieren Wolf und der frühere ZDF-Moderator Wolf von Lojewski über Chancen und Probleme der Darstellung von Wissenschaft im Fernsehen. Beide hatten im Frühjahr eine zweiteilige ZDF-Dokumentation unter dem Titel "Index - Die schwarze Liste des Vatikan" präsentiert.

Ziel der Münsteraner Forschergruppe um Wolf ist die systematische Erforschung der gesamten römischen Buchzensur von 1542 bis 1966. Gefördert wird das auf zwölf Jahre angelegte Projekt mit Geldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die Wolf 2002 den mit 1,55 Millionen Euro dotierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis - und damit den renommiertesten deutschen Wissenschaftspreis - verlieh. Ein Jahr später folgte der Communicator-Preis für die allgemeinverständliche Vermittlung seiner Forschungsergebnisse.

Ratzinger öffnete Archive

Mit dem erstmals 1559 veröffentlichten "Index der verbotenen Bücher" versuchte die katholische Kirche, das Wissen und den explodierenden Buchmarkt in Europa zu kontrollieren. Erst 1966 gab sie diesen Anspruch offiziell auf. 1998 öffnete Kardinal Joseph Ratzinger den Großteil der Archive der Vatikanischen Zensurbehörde für die Forschung. Wolf hatte allerdings schon 1992 vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Zugang zu den Archiven erhalten.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht Professor Wolf

Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Fotos: Archiv
02.12.2009

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