
Wie eine Luftblase – Advent und Weihnachten in der Stadt: grell, bunt, konsumfixiert und hohl.
Advent zwischen Rummel und geistlichen Alternativen
Rituale mit Inhalt füllen
Bistum. Vor der Adventszeit geht es los: Stille Nacht und laute Hektik – Kirche+Leben-Redakteur Michael Bönte hat sich dazu Gedanken gemacht. Christliche Initiativen haben andere Botschaften. Drei Beispiele stellen wir vor.
Die Voraussetzungen sind eigentlich günstig. Es ist kalt, die dunklen Straßen vom Lichterschmuck erhellt, und die Luft trägt eine Duftmischung aus Kräuterbonbons, Bratwurst und Glühwein. Auch das gehört zur Advents- und Weihnachtszeit und wirkt atmosphärisch. Aber es ist eben nicht alles, weiß ich auf meinem Weg durch die Stadt. Wo ist die Erwartung, wo ist die Vorfreude auf seine Ankunft, wo ist der Weg durch die Wüste hin zur rettenden Geburt Jesu? Ob ich den echten Advent hier spüren kann?
Keine Ruhe
Das Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt lässt anderes vermuten. Es gibt alles: hüpfende Rentiere, singende Schneemänner, grinsende Weihnachtsmänner. Die Menschenfluten spülen mich an den blinkenden und zappelnden Auslagen vorbei. Nur an den Fressbuden stockt der Fluss. Und doch sind sie da, die kleinen Fingerzeige: ein Stand mit Krippen aus Olivenholz, ein anderer mit religiösen Motiven auf Kerzen. Sie bleiben im Hintergrund wie kleine Inseln im reißenden Strom konsumfixierter Glückseligkeit. Die Wogen um sie herum sind zu hoch, als dass man in Ruhe verweilen könnte.
"Wir erfüllen Weihnachtswünsche." Das Schild im Schaufenster eines Kaufhauses macht Mut. Es ist zwar noch etwas früh, aber immerhin geht es um Weihnachten. Der Trugschluss wird direkt hinter der Eingangstür deutlich. "Frohes Fest" wünscht dort die Sprechblase über der Ritterburg, auf der sich kleine Spielfiguren in Ritterrüstungen mit monströsen Drachen duellieren.
Kein Emanuel
Wenigstens weisen Tannengrün und Lichterketten auf traditionelle Art den Weg zu den Abteilungen. Die Zeit der Erwartung aber hat auch hier keine Spuren hinterlassen. In der Süßigkeitenabteilung wartet auf die Kundschaft eine Armada an Schokoladenweihnachtsmännern. Ganze Regalreihen entlang strecken feiste Männer mit roter Bommelmütze ihren dicken Bauch heraus. Nur ein echter Nikolaus ist nicht zu finden. Wohl aber eine "Nikola", mit üppigen Formen und knappem Mantel. Die Musik im Hintergrund tut ihr Übriges. Kein Christkind, kein Emanuel, kein Engelschor. Dagegen gibt es englisches Liebesgesäusel, Küsse unterm Mistelzweig und rotnasige Rentiere. Auch die Spielwarenabteilung schafft keine Abhilfe. Krippenfiguren suche ich vergebens, stattdessen gibt es die japanische Trickfilmfigur mit Pudelmütze im Riesenformat.
Vielleicht schafft die Dekorationsabteilung Abhilfe. Ein Lichterregen an der Decke könnte als leuchtende Freude des Festes interpretiert werden. Der Glanz verblasst aber schnell beim Blick auf die Waren. Wieder diese dicken Weihnachtskerle, singende, speckwangige Putten und erschreckend niedlich lächelnde Plastikschäfchen. Hier ist alles zu finden, nur kein Hinweis auf das, worauf wir uns derzeit vorbereiten. Es wird etwas anderes erwartet, das ist mir jetzt bewusst. Hierher passt viel besser der Kalender, den es an der Kasse zum Sonderpreis gibt: "Sexy Christmas" prophezeit die barbusige Frau mit Zipfelmütze auf dem Titelfoto. Für jeden Adventstag verspricht sie einen weiteren "Weihnachtshasen". Auf diesen Advent kann ich gut verzichten.
Drei Beispiele in kirchensite.de:
Interview mit Pfarrer Stefan Jürgens: Abseits der Folklore
Recklinghausen: Eine geprägte Zeit der christlichen Werte
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
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