
Bischof Felix Genn erhebt das Kreuz in der Karfreitagsliturgie.
Karfreitag: Bischof Genn veranschaulicht Größe des Kreuzesopfers
Zeugnis für Gottes Liebe bis zum Letzten
Bistum. "Jesus ist sicher, dass ihn der Vater nicht aus seiner Liebe fallen lässt." Deshalb habe Jesus ungeachtet der tiefen Erschütterung am Gründonnerstagabend in seine Sendung einwilligen können. Darauf verwies Bischof Felix Genn in seiner Predigt am Karfreitag (10.04.2009) im vollbesetzten St.-Paulus-Dom in Münster. In der Todesstunde Jesu hatten sich die Gläubigen zum Gedenken der Erlösungstat des Gottessohns versammelt.
Bischof Genn erinnerte die Gemeinde an seine Predigtgedanken am fünften Fastensonntag zu seiner Einführung als Bischof. Im damaligen Evangelium habe sich Jesus mit dem Weizenkorn verglichen. Am Karfreitag sei diese Stunde seiner Sendung gekommen. "Jesus ringt sich dazu durch, dass sein Leben nur fruchtbar werden kann, wenn es sich wie das Weizenkorn in den Schoß der Erde legen lässt." Dieser Entschluss reife im Gebet am Ölberg – in der Einsamkeit, in der Erschütterung. Er bedeute die Bereitschaft Jesu, "Zeugnis dafür zu geben, dass Gott die Welt bis zum Letzten liebt". Und das ungeachtet aller Ablehnung der Menschen, die sich bei seiner Verurteilung zeige.
Das lasse dankbar zum Kreuz hinaufschauen. "Die offene Seite Jesu ist die neue Quelle, die dem Tod standhält", versicherte der Bischof. In diesem von den Menschen hinausgeworfenen Gekreuzigten sei die Wahrheit Gottes der Welt gegenüber gelebt, gelitten und gestorben. Wie könne das ein Mensch fassen? Bischof Genn empfahl, es "aufzunehmen, sich schenken zu lassen, sich ganz hineinzugeben".
Offenbarung höchster Liebe
Im Rückblick auf die Lesung der Feier erinnerte Bischof Genn daran, schon das Alte Testament habe den anonymen Knecht ersehnt, der die Krankheiten der Menschen trage und ihre Schuld auf sich nehme, dafür seinen Lohn bei Gott finde, und dessen Andenken deshalb ewig bleibe. "Diese Verheißung hat sich in Jesus erfüllt, sie ist in ihm Gestalt geworden", sagte Felix Genn.
Der Bischof empfahl den Gläubigen, mit einem tiefen persönlichen Gedanken zur Erlösungstat den Höhepunkt der Liturgie zu begehen, die feierliche Kreuzverehrung. "Der das Leben in Fülle ist, gibt sich mit unserem Tod ab, er ist unser Erlöser", beschrieb der Bischof die Größe des Geschehens. Deshalb dürfe jede und jeder Einzelne zuversichtlich "hintreten zum Thron der Gnade, zum Thron des Kreuzes, um Erbarmen zu finden". Er dürfe niederknien und den Gekreuzigten bitten: "Schenke mir, dass ich diese Offenbarung höchster Liebe tiefer begreife; wirke dein Werk in mir, damit ich es dankbar empfange und aus ihm mit dir Welt gestalte."
Hoffen für Erdbebenopfer
In seiner Predigt dachte Bischof Genn auch an die Erdbebenopfer in Italien. Das Leid der Menschen in den Abruzzen erschüttere ihn, oberflächliche Erklärungen verböten sich. Aber er glaube fest, dass "Gott auch diese Verwerfungen unserer Erde mit seiner Liebe umfängt". Deshalb, betonte der Bischof, könne er auch für die betroffenen Menschen hoffen.
Die Passion, gesungen von Solisten und dem Kammerchor der Dommusik, brachte den Gläubigen die Geschehnisse von Leiden und Sterben Jesu nahe. Die großen Fürbitten trugen Sorgen und Hoffnungen der Christen für die Kirche, die anderen Religionen, die Mitmenschen und die Staatslenker vor den Gekreuzigten.
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Text: Hans-Josef Joest | Foto: Joachim Busch
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