
Bischof Luigi Padovese.
Geistlicher Abend mit Bischof Luigi Padovese aus der Türkei
"Geben, was wir empfangen haben"
Bistum. Der "Heimatbischof" des heiligen Paulus, Luigi Padovese, hat die Christen zum kontinuierlichen Zeugnis aufgerufen. "Wir müssen das geben, was wir empfangen haben und weiterhin empfangen", sagte Padovese beim Geistlichen Abend zur Fastenzeit am Mittwoch (01.04.2009) im münsterschen Dom.
Padovese ist Apostolischer Vikar für Anatolien in der Türkei und als Bischof unter anderem für Tarsus zuständig, wo Paulus vor 2.000 Jahren geboren wurde. Aus Anlass dieses Jubiläums hatte Papst Benedikt XVI. ein Gedenkjahr ausgerufen. Aus demselben Grund beschäftigen sich die Geistlichen Abende im St.-Paulus-Dom in dieser Fastenzeit mit dem Völkerapostel.
Padovese näherte sich unter dem Leitgedanken "Was Christsein bedeutet" der Identität des Glaubens. Diese wachse innerhalb der Gemeinde. Die Gläubigen bestärkten sich gegenseitig, daher sei die Kirche eine wichtige Voraussetzung, um in der christlichen Identität zu bleiben.
Glaube – Hoffnung – Liebe
Zentrale Merkmale der Identität habe Paulus im Korintherbrief mit dem Dreischritt "Glaube – Hoffnung – Liebe" beschrieben (1 Kor 13,13). Der Glaube bestimme das christliche Sein und die persönliche Identität. Die Hoffnung richte sich auf das, was der Glaube verheiße. Und die Liebe finde ihren Bezugspunkt im Kreuzestod Jesu. Durch diesen habe Gott den Menschen gezeigt, "wie wichtig wir ihm sind. Gott schenkt uns seine Liebe in Jesus Christus und bittet um unsere Erwiderung", sagte Padovese.
Das Kreuz "ist ein ständiger Protest gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung", betonte der Bischof. Dieses Zeichen habe nach 2.000 Jahren nichts von seinem Skandalösen verloren (vgl. 1 Kor 1,23). Viele Zeitgenossen des Paulus hätten sich nicht vorstellen können, dass sich in Jesus ein Gott "auf unser Niveau herablässt" und auf so schändliche Weise sterbe. Das Kreuz aber schaffe Gerechtigkeit, weil es die Erlösung für alle Menschen bedeute – für Sklaven wie Freie, Männer wie Frauen.
Diese Gleichheit des christlichen Glaubens habe ein neues Gottesbild in die Welt gebracht. Auch Paulus, der frühere Christenverfolger, sei "ohne eigene Verdienste berufen", Jesus zu verkünden. Glaube sei "Gnade und Geschenk", sagte Padovese. Deshalb sei die christliche Identität "kein Besitz, sondern ein Prozess".
"Herz der Identität"
Ebenso wenig sei die christliche Hoffnung ein "passives Abwarten" oder abgewandt von der Welt. Die Hoffnung gebe den Christen Kraft zum Handeln und Mut zum Reden, sie helfe zudem, Leid anzunehmen. Die Liebe bezeichnete Padovese als "Herz der christlichen Identität". Die Mahnung des Paulus gelte nicht nur den Galatern: "Dient einander in Liebe" (Gal 5,13). Diese Liebe, die keine Gegenleistung erwarte, gründe auf der "totalen Hingabe" Jesu am Kreuz.
Vor der Bischofs-Predigt hatte Markus Kopf, Oberspielleiter der Städtischen Bühnen Münster, Teile des ersten Korintherbriefs vorgetragen. Den Text hatte der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding übersetzt, Leiter des Bibelwerks im Bistum Münster. Musikalisch bereicherten Domorganist Thomas Schmitz sowie Tenor Jens Zumbült und Bass Michael Nonhoff den Abend mit Werken aus dem Oratorium "Paulus" von Felix Mendelssohn Bartholdy, der vor 200 Jahren geboren wurde.
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