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22.05.2012
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Bibelseminar

Die Referenten Markus Lau (links) und Christian Schramm.

Bibelseminar im Franz Hitze Haus

"Zu unserem Heil gestorben?"

Bistum. Dem Korintherbrief zufolge ist er "den Juden ein Ärgernis und für die Heiden eine Torheit".Was aber bedeutet der Kreuzestod Jesu für die Christen? In der Bistumsakademie "Franz-Hitze-Haus" befasste sich am Wochenende (14. / 15.03.2009) ein Seminar mit dem Titel "Zu unserem Heil gestorben?" mit den theologischen Deutungsmodellen des Todes Jesu.

Neben Gastgeber Frank Meier-Hamidi referierten die Neutestamentler Markus Lau aus Münster und Christian Schramm von der Universität Halle-Wittenberg. "In einem Aufbaukurs zum historischen Jesus haben wir bereits vor einem Jahr das Ärgernis des Kreuzes besonders in Augenschein genommen. Damals sagten unsere Zuhörer, sie wollten mehr darüber hören. Also haben wir aus der Perspektive der Systematischen Theologie und der Exegese diesen Bibelkurs erarbeitet", schilderte Lau.

"Enzyklopädie der Kreuzigung"

Zu Beginn befassten sich die Referenten mit der "Enzyklopädie der Kreuzigung". Was bedeutete sie im antiken gesellschaftlichen Kontext? Wer wurde überhaupt gekreuzigt? Die Fragen markieren Lau zufolge bereits die Quelle der kontroversen Auseinandersetzungen über den Tod: "Für die Juden war ein Gekreuzigter ein von Gott Verfluchter. Für Griechen und Römer galt er als gesellschaftlich erledigt, wie man heute etwa über einen verurteilten Terroristen denken würde." Und doch gelang es den frühen Christen, den Gekreuzigten zu verkündigen und seiner Botschaft Strahlkraft zu verleihen.

Die Deutungen des Todes Jesu seien durch ganz verschiedene Einflüsse geprägt. Die Referenten versuchten, die wichtigsten Deutungen darzustellen und den Zuhörern eine eigene Perspektive zu überlassen. "Wir möchten mit diesem Kurs zu einem geweiteten, erwachsenen, aufgeklärten Glauben beitragen", betonten Lau und Schramm. Sie griffen etwa die prominente paulinische Deutung des Sühnetodes Jesu auf. Sie sei zwar berühmt, aber schwierig nachzuvollziehen. Ein Thema sei sie aber auch, da sie "spätestens seit dem Mittelalter und der Frühneuzeit starken Eingang in das christliche Glaubensleben gefunden hat", sagte Lau. Er verwies auf die unzähligen – gerade in der Fastenzeit gesungenen – Kirchenlieder, die sich auf die Sühne der Sünden beziehen.

Jüdische und hellenistische Traditionen

Während der Sühnetod einer jüdischen Tradition entstamme, sei etwa das johanneische Modell vom Sterben Jesu für seine Freunde im Kern hellenistisch. Das Motiv des Todes als Zeichen der Liebe für die Freunde entspreche einem Ideal, das schon bei Platon auftauche, erklärte Lau. Doch bei Johannes findet sich noch ein zweites Motiv, nämlich die Aufnahme der alttestamentlichen Geschichte von der Erhöhung der Schlange.

In den synoptischen Evangelien treffe man auf weitere Deutungen, darunter die alttestamentliche Erklärung des Prophetenmordes, das Motiv des leidenden Gottesknechts (vgl. Jes 53) sowie das Kontrastschema des Gekreuzigten, von dem nun alle Macht ausgehe (vgl. Apg 4,10).

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Text: Tim Schlotmann | Foto: Tim Schlotmann
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