
Titelblatt zum Index Librorum Prohibitorum, Kupferstich von 1711.
Mitarbeit von Professor Wolf
ZDF zeigt Zweiteiler über kirchliche Buchzensur
Köln. Eine zweiteilige Dokumentation über die legendenumwobene Buchzensur der katholischen Kirche und den Index der verbotenen Bücher zeigt das ZDF in der Karwoche.
Unter dem Titel "Index - Die schwarze Liste des Vatikan" soll der Zweiteiler darüber aufklären, warum die katholische Kirche seit dem Zeitalter der Reformation bestimmte Bücher verbot, welche aufsehenerregende Fälle es im Laufe der Geschichte gab und wie es heute um die Zensur in der katholischen Kirche und der Gesellschaft bestellt ist.
Wolf als wissenschaftlicher Berater
Wolf von Lojewski, lange Jahre Chef des "Heute-Journals", führt als Moderator durch den Film. Wissenschaftlicher Berater ist der münstersche Kirchenhistoriker Hubert Wolf, der als einer der wenigen Wissenschaftler seit Jahren im Archiv der Glaubenskongregation im Vatikan forschen durfte und ein Standardwerk über den Index vorgelegt hat.
Der katholische Priester wurde dafür auch mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Communicator-Preis ausgezeichnet. Die beiden Teile des Projekts werden am Dienstag (07.04.2009) und Mittwoch (08.04.2009) gesendet.
400 Jahre europäischer Geistesgeschichte
Lojewski bezeichnete es am Donnerstag (12.03.2009) bei der Vorstellung des Projekts in Köln als "die Erfüllung eines großen Traums", einen Einblick in die kilometerlangen Akten der Index-Kongregation und damit auch in 400 Jahre europäischer Geistesgeschichte bekommen zu haben.
Er charakterisierte sich als passionierten Liebhaber alter Bücher, der angesichts der Hektik und Kurzfristigkeit des Nachrichten-Geschäfts einen großen Bedarf an Hintergrundwissen und Deutungen gesellschaftlicher Ereignisse verspüre. Der Journalist verwies darauf, dass Zensur auch heute noch ein gesellschaftliches Thema sei, etwa, wenn über die Veröffentlichung von Karikaturen oder Terrorvideos oder die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet gestritten werde.
Verdienst Ratzingers
Wolf lobte das Film-Projekt als Chance, die Ergebnisse an sich trockener wissenschaftlicher Grundlagenarbeit breiten Bevölkerungskreisen bekannt zu machen. Dass er schon seit 1992 unbeschränkten Zugang zu den damals noch gesperrten Archiven des Vatikan bekommen habe, sei wesentlich das Verdienst des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger gewesen. Auch den Dreharbeiten des ZDF habe der heutige Papst Benedikt XVI. ausdrücklich zugestimmt. 1998 hatte der Vatikan die Akten für die Forschung größtenteils frei gegeben.
Der Kirchenhistoriker betonte, es liege auch im Interesse des Vatikans, dass Klischees über die Geheimnis umwitterte Buchzensur hinterfragt würden. Zensur sei bis weit ins 19. Jahrhundert nicht nur von der katholischen Kirche, sondern auch von evangelischen Kirchen und Theologen, aber auch in allen Staaten üblich gewesen. Ziel des Vatikan bei der Gründung des Index sei es gewesen, die Verbreitung der protestantischen Lehre zu verhindern und die Deutungshoheit über Wahr und Falsch zu behalten.
Verbot für Katholiken
Der "Index der verbotenen Bücher" ist das Verzeichnis der Schriften und Bücher, deren Lektüre den Katholiken nicht erlaubt war. Ein erster Index wurde 1559 im Vatikan veröffentlicht. Grundbestand waren die Schriften der Reformatoren sowie mehrere regional entstandene Listen verbotener Bücher. Seit 1571 entschied eine eigens gebildete römische Index-Kongregation, welche Publikationen der Zensur unterworfen wurden.
Den Katholiken war es verboten, indizierte Bücher aufzubewahren, zu lesen oder weiterzugeben. Vergehen waren in schweren Fällen mit der Exkommunikation bedroht. Insgesamt erschienen rund 50 römische Ausgaben des Verbotskatalogs. Die letzte wurde 1948 mit rund 5.000 Einträgen veröffentlicht. Das letzte deutsche Buch wurde 1955 indiziert. Abgeschafft wurde der Index 1966, nachdem es bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, aber auch während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) heftige Kritik an der Zensurpraxis der Kirche gegeben hatte.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur Gmb | Foto: Archiv
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