Zweiter Geistlicher Abend zur Fastenzeit im Dom
Die "Provokation des Paulus"
Bistum. "Gott und die Freiheit. Die Provokation des Paulus" – dieser Titel stand über dem zweiten geistlichen Abend zur Fastenzeit im Dom zu Münster, der am Mittwochabend (11.03.2009) für voll besetzte Bänke in der Kathedrale sorgte. Das teilte die Bischöfliche Pressestelle mit.
Rund 700 Menschen hörten Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Hochschullehrerin an der Universität Dresden, die den Völkerapostel anhand seiner Briefe interpretierte. Drei "Provokationen" arbeitete die Religionsphilosophin in ihrem zweigeteilten Vortrag heraus: die paulinische "Erfindung eines neuen Menschen, der als einzelner frei ist", den unerschütterlichen Glauben des Paulus an die baldige Wiederkehr Jesu und die paulinische Bewertung von Jesu Kreuzestod als "göttliche Liebe, die sich machtlos gemacht hat".
Paulus stehe für eine "Loslösung von Selbst- und Fremdhass"; bei ihm seien "staatliche und sakrale Macht zweitrangig", er propagiere eine "Freiheit zu einer neuen Menschlichkeit", so Gerl-Falkovitz. Bei ihm würden Besitz, Eigentum und Vorsorge unwichtig, wobei es eben nicht um "eine Flucht in ein leeres Jenseits" gehe, sondern um eine "Überwindung unserer Schwere".
"Bereit, uns umdrehen zu lassen?"
Paulus sei nicht Erfinder, sondern Kommentator des Christentums, bilanzierte die Rednerin und mahnte zur Dankbarkeit für diesen "diamantenen Geist", der mit seinen "subversiven Sätzen" die Geschichte bis heute nachhaltig beeinflusst habe. Paulinisches Gedankengut bleibe aktuell, es finde sich in den Idealen der französischen Revolution ebenso wie in jenen des Feminismus wieder, so die Professorin. Anspielend auf die Wandlung vom Saulus zum Paulus endete die Referentin mit der Frage: "Paulus ließ sich umdrehen – sind wir dazu bereit?"
Zuvor hatte Johann Schibli, Schauspieler der Städtischen Bühnen Münster, das Kapitel acht aus dem Paulusbrief an die Römer vorgetragen. Umrahmt wurden die gesprochenen Impulse von musikalischen Beiträgen der Mezzosopranistin Judith Gennrich von den Städtischen Bühnen Münster und des Domorganisten Thomas Schmitz; sie brachten Rezitative und Arien aus Bach-Kantaten sowie thematisch passende Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach zu Gehör.
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