
Bischof Felix Genn wird am 20. März im Bistum Essen verabschiedet.
Bischof Genn im Interview:
"Das werde ich mir allmählich erobern"
Essen / Münster. Bischof Felix Genn wird am 20. März in seinem alten Bistum Essen verabschiedet und am 29. März in sein neues Amt als Bischof von Münster eingeführt. Über seine Wünsche bezüglich eines Nachfolgers im Ruhrbistum und darüber, wie er sich seine Aufgabe in Westfalen vorstellt, äußerte sich Genn in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Essen.
KNA: Bischof Genn, in wenigen Tagen werden Sie verabschiedet. Welche Bilanz ziehen Sie?
Genn: Ich bin mir nicht sicher, ob man als Bischof selbst Bilanz ziehen sollte. Das ist Aufgabe anderer. Hauptsache, die Bilanz Gottes stimmt.
KNA: Sie verlassen das Bistum früher, als Sie vor allem mit Blick auf Ihre Reform wollten. Wie sollen die Katholiken mit den neuen Strukturen umgehen?
Genn: Sie können der Spur folgen, die meine Mitarbeiter und ich gelegt haben. Die Strukturen stimmen. Jetzt gilt es, sie mit Leben zu füllen. Der Prozess ist schon im Gange. Bisherige Pfarreien, die jetzt eine Gemeinde bilden, befruchten sich mit ihren Projekten gegenseitig. Ziel ist eine Zukunft, in der Menschen mehr an Christus glauben.
KNA: Welchen Nachfolger wünschen Sie dem Bistum?
Genn: Ich wünsche dem Bistum einen Nachfolger, der diese Aufbauarbeit im geistlichen Sinne fortsetzt. Ich möchte mich nicht auf Personen festlegen. Aber das Domkapitel und der Papst werden sicherlich bedenken, dass das Bistum in einer besonderen Situation ist und durch die Wirtschaftskrise auch das Ruhrgebiet.
KNA: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, mit Ihrer Abberufung sei der Anfang vom Ende des Bistums Essen eingeläutet. Was sagen Sie dazu?
Genn: Ich möchte die Botschaft des Papstes zum 50-jährigen Bistumsjubiläum 2008 zitieren: Die Gründung des Bistums hat sich bewährt.
KNA: Ihre neue Diözese Münster ist finanziell und mitgliedermäßig besser aufgestellt als Essen. Dennoch fürchten viele, es komme der Sanierer...
Genn: Ich habe mich nie als großer Sanierer verstanden, sondern immer als Bischof, der die Situation vor Ort wahrnimmt und nach intensiver Beratung zu einer Entscheidung kommt. Das war in Essen der Fall und wird auch in Münster so sein. Das bedeutet nicht, dass das "Schema Essen" auf alle Bistümer übertragbar wäre, auch nicht auf Münster. Ich werde die Lage dort - wie 2003 in Essen - im Laufe der Zeit kennen lernen und entscheiden, wo gehandelt werden muss.
KNA: Das Bistum hat die meisten Kirchenbesucher. Zugleich gibt es einen Trend zur Säkularisierung. Was erwarten Sie von jedem einzelnen Christen?
Genn: Jeder muss das Christentum persönlich bezeugen. Das ist eine Herausforderung, seit der Glaube nicht mehr selbstverständlich ist. Aber die Diözese Münster hat eine reiche Tradition, vom Bistumsgründer Liudger über Clemens August Graf von Galen bis zu meinem Vorgänger Reinhard Lettmann und den vielen Priestern, Diakonen und Laien-Mitarbeitern.
KNA: Zum Bistum gehören der Niederrhein und Teile Niedersachsens - bis nach Wangerooge. Werden Sie den entlegeneren Regionen Aufmerksamkeit schenken?
Genn: Ich habe dort bereits Termine vereinbart, auch für das Oldenburger Land und die Insel.
KNA: Münster hat die größte deutsche Fakultät für katholische Theologie. Werden Sie mit ihr in Kontakt treten? Hat der Papst Ihnen dies ans Herz gelegt?
Genn: Ich habe mit dem Papst gar nicht über Münster gesprochen. Aber der Kontakt zu dieser Fakultät ist für mich als Bischof selbstverständlich. Ich freue mich darauf. Außerdem kenne ich viele der dort lehrenden und arbeitenden Personen noch gar nicht.
KNA: Worauf freuen Sie sich in Münster besonders?
Genn: Bisher kenne ich nur das Stadtgebiet von der Überwasserkirche bis zum Rathaus, und den Aasee. Es ist interessant, wie viele junge Leute es gibt und dass alle Fahrrad fahren. Ich werde in einem beliebten Viertel wohnen. Alles andere ist mir noch nicht so vertraut. Das werde ich mir allmählich erobern. Zunächst steht die Arbeit im Vordergrund.
KNA: Werden Sie bald von Ihrem Heimtrainer auf ein solides Hollandrad umsteigen?
Genn: Fragen Sie mich das mal in drei Jahren.
KNA: Kommen Sie als Rheinländer in Westfalen klar?
Genn: Darauf bin ich gespannt.
KNA: Skeptisch?
Genn: Nein, nein. Aber ich weiß wirklich nicht, wie Westfalen einen Rheinländer aufnehmen. Immerhin gab es vorher schon zwei Bischöfe aus meinem Heimatbistum Trier, Johann Georg Müller und Joseph Höffner. Und wir Trierer haben schon zwei Westfalen als Bischof aufgenommen, Hermann-Josef Spital und Reinhard Marx. So schlimm wird es also nicht sein.
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Text: Von Viola van Melis,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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