
Dompfarrer Kurt Schulte erläutert Schülerinnen und Schülern der Realschule Lohne den Dom.
Ort der Glaubensvermittlung
Dompfarrer Schulte: Paulusdom-Touristen sind eine Chance
Bistum. Wenn der münstersche St.-Paulus-Dom im November für gut ein Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen wird, so ist dies nach Meinung von Dompfarrer Kurt Schulte eine gute Gelegenheit, neu zu überdenken, welche Angebote in der Mutterkirche des Bistums Münster künftig gemacht werden können.
Für viele Tausend Menschen ist der Dom Woche für Woche ein touristischer Höhepunkt bei ihren Besuchen in Münster. Neben den berühmt-berüchtigten Wiedertäufer-Käfigen an der St.-Lamberti-Kirche und dem Friedenssaal im historischen Rathaus gehört auch die Astronomische Uhr im Paulusdom zum "Muss" für Münster-Besucher. Das ist eine wichtige Gruppe, die Dompfarrer Schulte im Blick hat.
"In Stein gemeißelter Glaube"
"Unser Dom ist in Stein gemeißelter Glaube", sagt Schulte, der auch Domkapitular und Leiter des Bischöflichen Offizialats (Diözesangericht) in Münster ist.
Dieses steinerne Glaubenszeugnis sei nicht allen Besuchern ohne weiteres zugänglich. "Wir haben die große Chance, diesen Neugierigen etwas von unserem Glauben zu vermitteln", erläutert der Geistliche.
Kritische Anfragen
Er verweist auf das Team vom so genannten "Accueil" am Eingang des Doms, am Paradies. 40 Frauen und Männer haben sich diesem "Begrüßungsdienst" in der Kathedrale verschrieben: Sie stehen bereit, um Fragen von Besuchern zu beantworten; sie haben aber auch ein offenes Ohr für kritische Anfragen an die Kirche. "Da kommt mancher Kirchenfrust hoch, aber viele sind auch offen für Glaubensthemen", weiß Schulte, der seit Anfang des Jahrs Dompfarrer ist.
"Wir wollen mit diesem Empfang am Eingang des Doms den Menschen entgegenkommen, und ich bin froh, dass dabei so viele engagierte Menschen mitmachen."
Eine lohnende Gruppe
Die vielen Touristen sind für den 46-Jährigen eine lohnende Gruppe: Zum einen zeigten zwar viele durch ihr Verhalten, dass ihnen der Ort fremd sei, zum anderen verdeutliche der Kirchenbesuch dennoch eine gewisse Neugier und vielleicht sogar Aufgeschlossenheit. Darum denkt Schulte darüber nach, wie das Gebäude noch stärker den Besuchern geistlich erschlossen werden kann; eine allein kunsthistorische Führung ist dem Domgeistlichen "eigentlich zu wenig, denn der Dom ist ein Ort des Glaubens".
Gerade der Anziehungspunkt "Astronomische Uhr" könnte genutzt werden, nicht nur dessen technischen Hintergründe und historischen Details zu erläutern, sondern mittags um zwölf Uhr, wenn die Heiligen Drei Könige an der Muttergottes mit dem Christuskind vorbeiziehen, die fast acht Meter hohe Uhr auch geistlich zu erschließen.
Führungen für Erstkommunionkinder oder Firmlinge
Schulte denkt auch an spezielle Führungen etwa für Erstkommunionkinder oder Firmlinge. Gerade dieser Punkt liegt dem Domkapitular am Herzen: "Der Dom muss geistliches Zentrum bleiben und immer mehr werden."
Darum ist er auch froh, dass zum Beispiel die werktägliche Mittagsmesse um 12.15 Uhr "gut angenommen wird". Diese Zeit ermögliche es, auch Menschen, die in Münsters City arbeiteten, in ihrer Mittagspause an der Eucharistie teilzunehmen. Für diese Initiative der Domvikare zur Einführung der Mittagsmesse ist Schulte daher dankbar.
Ein Ort des Gebetes
Ohnehin habe die Bischofskirche auch an den Sonntagen eine große Gottesdienstgemeinde. Und: "Durch das tägliche Stundengebet der Klarissen wird der Dom als ein Ort des Gebetes erlebt." Der geistlichen Profilierung des mittelalterlichen Kirchbaus dient nach Ansicht von Schulte auch das vielfältige kirchenmusikalische Angebot im Dom. Dazu trügen auch die Jugendgebetsabende oder auch die mittlerweile zur Tradition gewordene "Alternative Silvesternacht" am 31. Dezember bei.
Ab dem 3. November 2011 ist der Dom wegen Innenrenovierungsarbeiten nicht mehr für Gottesdienste und Besichtigungen zugänglich. Die Gottesdienste von Bischof und Domgeistlichkeit finden dann in der nahe gelegenen Überwasserkirche statt, bevor zum 1. Dezember 2012 die Domtüren wieder für Touristen und Gläubige offen stehen.
Zwischenzeit nutzen
Dompfarrer Schulte will die Zwischenzeit nutzen, um mit den vielen Ehrenamtlichen und den Mitgliedern des Domkapitels zu überlegen, wie dann der Dom mit einem erneuerten Angebot seine Attraktivität für Beter und Besucher erhöhen kann.
Hinweis
Das letzte Orgelkonzert vor der Schließung des Doms ist am 22. Oktober 2011 um 19.30 Uhr mit Domorganist Thomas Schmitz.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte in
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