
Pfarrer Meinolf Winzeler aus Rheine.
"Dies kann Gegensätze überbrücken und Spannungen abbauen"
Impuls von Pfarrer Winzeler zur Sendung der Kirche
Bistum. Die Arbeiten an einem Pastoralkonzept für das Bistum Münster haben begonnen. Damit beschäftigte sich auch der Diözesanrat am Freitag (18.02.2011). Die Ratsmitglieder vertieften sich in das Thema durch einen Impuls von Pfarrer Meinold Winzeler (Rheine) zur Sendung der Kirche im Bistum Münster. – kirchensite.de dokumentiert diesen Impus:
"Die konkreten Bedingungen und Konstellationen haben es gefügt, dass wir in unserem Bistum das Pferd gewissermaßen von hinten aufzäumen. Da war zuerst der Stellen- und Strukturplan. Jetzt aber beginnt die Arbeit am inhaltlichen Konzept.
Als ich im Hauptausschuss von Pater Manfred Kollig hörte, dass ein erster Schritt zu den Inhalten vom Stichwort Sendung ausgeht – 'Die Sendung der Kirche im Bistum Münster' – fühlte ich mich sofort positiv elektrisiert. Denn dann kann das ja gar nicht anders gehen, als dass wir an der Sendung Jesu anknüpfen. Und wenn wir das tun, muss es ja richtig werden.
'Sendung' ist ein urjüdischer und damit auch ein urchristlicher Begriff, der es in sich hat.
Der Gesandte macht den in vollem Sinne präsent, der ihn gesandt hat. Joh 12, 45: '…wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.'
Das Wesentliche an der Sendung ist nicht die Leistung des Gesandten, sondern das Vertrauen zwischen Sendendem und Gesandtem. Das Herz der Sendung ist die Transparenz zwischen beiden. Ein Egozentriker ist nicht zur Sendung geeignet. Joh 6, 38: '…denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.'
Die Sendung Jesu hat ganz tiefe Wurzeln in der Trinität. Als die Fülle der Zeit gekommen ist, wird der innergöttliche Austausch der Liebe zur Sendung: nämlich dass Jesus die Liebe des Vaters unter uns präsent macht. Es ist eine Freude anzusehen, wie er das tut: wie kontaktfreudig, völlig frei, wirklich ohne Hemmungen für andere da. Auch wie konfliktfähig, aber fair. Und wie leidensfähig. Sein Geheimnis: Er lebt in seinem Vater und der Vater in ihm. 'Abba!'
Diese Sendung gibt Jesus im vollen Sinne an seine Jünger weiter. Joh 20, 21: 'Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.' = Was der Inhalt meines Lebens ist, gebe ich euch weiter. Von jetzt an habe ich keine Hände als die euren.
Wir werden unserer Sendung gerecht, wenn wir die gleiche Transparenz zu Jesus pflegen wie er zum Vater. Also nicht, wie wir die Einheitsübersetzung von Mk 3, 14 missverstehen könnten: 'Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte…' Nicht 'dann' sondern 'im Mit-ihm-sein' gesandt sein. In der Sendung sind wir bei ihm und er ist bei uns. Mt 28, 20: 'Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.' In dieser Beziehung lebend, gilt es, unser Leben immer wieder auf seine Sendung abzustimmen.
Solche Sendung gibt Sinn, kann unser Leben erfüllen, sogar im Scheitern. Denn der Sinn unseres Lebens ist nicht Erfolg. Jesus stärkt uns den Rücken. Joh 13,20: 'Wer einen aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.'
Jeder Christ ist gesandt in der Taufe. Es gibt wohl eine Verschiedenheit des Dienstes, aber eine Einheit in der Sendung. Darum kann der Primat der Sendung viele Gegensätze überbrücken und Spannungen abbauen. Wenn ich zum Beispiel als Priester und gar Pfarrer an einem bestimmten Ort 'das Haupt des Leibes' repräsentieren soll, muss ich bedenken: Das Haupt ist ohne den Leib tot. Gleichwohl sind Haupt und Leib auch nicht dasselbe. Laut Eph 4,11 bin ich dazu da, 'um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.' Ich stehe also im Dienst des Dienstes jener, die sich ehren-, neben- und hauptamtlich an dem Ort für die Sendung Jesu engagieren. Ich habe ihnen Respekt zu bezeugen. Dies lässt sich sinngemäß für alle Dienste weiter denken."
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Text: Pfarrer Meinolf Winzeler, Rheine | Foto: Norbert Göckener
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