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22.05.2012
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Dr. Hermann-Josef Silberberg.

Dr. Hermann-Josef Silberberg.

Hermann-Josef Silberbergs Zeit als Theologischer Berater endet

Ein "einfacher Gläubiger" werden

Bistum. Mit seinem nunmehr letzten geistlichen Impuls beendet Hermann-Josef Silberberg seine Tätigkeit als Theologischer Berater des Online-Magazins kirchensite.de. 183 gehaltvolle Texte verfasste er seit der Fastenzeit 2003. Nagend, provozierend – Silberberg macht es dem Leser nicht leicht: Ein zufriedenes Zurückfallen in den Sessel ist nicht möglich, wenn man sich seinen geistlichen Impulsen stellt. Zum Ende seiner Zeit als Theologischer Berater sprach Norbert Göckener mit dem Geistlichen über seine langjährige Arbeit.

kirchensite.de: Ihren Texten merkt man an, dass sie nie einfach so heruntergeschrieben sind, sondern sich entwickeln mussten. Sie formulieren keine pastoralen Worthülsen, sondern "jenseits einer theologischen Fertigteilsprache", wie Sie das einmal gesagt haben. Geben Sie uns einen kleinen Einblick: Was steht am Anfang, wenn Sie einen geistlichen Impuls verfassen?

Hermann-Josef Silberberg: Vor jedem geistlichen Impuls steht der Satz von Teresa von Avila: "Ich sage nicht, dass ich so bin, aber ich wäre es gern."

kirchensite.de: Ist das Demut?

Silberberg: Für mich hat das zunächst den Aspekt der Umkehr – sowohl persönlich als auch kirchlich.

kirchensite.de: Können Sie das konkretisieren? Umkehr wohin?

Silberberg: Mein Ziel ist es, ein "einfacher Gläubiger" zu werden – "mit demütigem und heiligem Selbstbewusstsein", wie es Teresa von Avila sagt.

kirchensite.de: Also doch Demut?

Silberberg: Demütig in dem Sinn: vor Gott "in der eigenen Wahrheit stehend". Ja sogar heilig, weil "reich" von Gott her und damit standfest und frei.

kirchensite.de: Ihren Texten ist stets diese große Perspektive anzumerken: es geht um die Begegnung mit dem heiligen Gott, der auch immer wieder anders als erwartet ist und doch die Seinen in dies Anders-Sein, Heilig-Sein hineinruft. Darauf muss sich der Leser einlassen wollen.

Silberberg: Ich möchte den Leser gern mitnehmen: in die Umkehr – oder anders gesagt, es geht um das "Werden wie ein Kind", aber nicht naiv, kindisch oder kindlich.

kirchensite.de: Wie dann?

Silberberg: Nur ein Erwachsener kann die gläubige Haltung eines Kindes einnehmen – am Ende eines intensiven Glaubensprozesses.

kirchensite.de: Wie kommt er dorthin?

Silberberg: Dieser beginnt bei den Haftpunkten und an den Orten göttlicher Gegenwart – in Gebet (Jesusgebet), Schriftlesung, Eucharistie und überall dort, wo uns Hingabe gelingt. Wer Gottes Nähe sucht, kann die Wirkung erfahren: Reinigung, Sammlung, Heiligung – "Teilhabe an der Freude des Herrn". Daraus ergibt sich entsprechendes Sozialverhalten.

kirchensite.de: Sie verweisen auch auf die Umkehr der Kirche. Was meinen Sie damit?

Silberberg: Ich habe eine Kirche vor Augen, die sich ernsthaft, aufrichtig und offen dem fundamentalen Mentalitätswandel stellt: Der "Christ der Gegenwart" ist freiheitlich gesinnt, eigenverantwortlich, selbst bestimmt und demokratisch orientiert.

kirchensite.de: Wo hat die Kirche Umkehr nötig?

Silberberg: Es wäre gut, sich öffentlich und offiziell dafür zu entschuldigen, dass sie vielen Menschen den Glauben schwer macht und sie daran hindert, in und mit der Kirche zu leben.

kirchensite.de: Was sollte für die Kirche daraus folgen?

Silberberg: Sie sollte jede Form triumphalen und versteckten Machtgebarens vermeiden und klerikales Standesdenken und hierarchisch feudalistische Verhaltensweisen aufgeben.

kirchensite.de: Wie wünschen Sie sich die Kirche?

Silberberg: Sie muss sich stets aufs Neue erneuern ("ecclesia semper reformanda"), darum muss sie bußfertig und dienstbereit sein, um so als weitherzig und barmherzig erfahren und empfunden zu werden.

kirchensite.de: Ihre Texte sind verdichtete und schnörkelfreie Ansprachen an Christen, die Proviant für die Seele suchen. Sie zeigen, dass Sie aus vielen Quellen schöpfen: Glaube und Theologie, Kunst und Literatur – aber eben auch viel Lebenserfahrung.

Silberberg: Ich hoffe, in Leben eingetaucht zu sein, das mir die Augen öffnete und den Mut gibt, weiter zu geben, was anderen vielleicht hilft. Nebenbei lesen geht nicht und reicht nicht. Ich fand Menschen und heilige Worte, Bilder und Weisungen, die mich wach gemacht haben. Gutes von gestern soll für heute zur Sprache kommen.

kirchensite.de: Was erhoffen Sie sich als Autor?

Silberberg: Die geistlichen Impulse sind ein Versuch, mit immer neuen Worten nach einer Lebensgestalt zu tasten, die uns verheißen ist und manchmal schon jetzt aufleuchtet. So ist ein kleines Credo entstanden. Dabei half mir die Psychologie der Offenbarung: Ehrlich werden, sich und anderen nichts vormachen!

kirchensite.de: Das stimmt. Ihre Texte verlangen dem Leser einiges ab!

Silberberg: Die Gefahr besteht immer, "nach Menschen Art" im Psychologischen stecken zu bleiben, sich nicht wirklich dem Anspruch der Bibel zu stellen, das Fremde, Spröde und Unangenehme der Botschaft auszublenden und zu harmonisieren. Die Heilige Schrift legt wahres Leben frei. Die ersten Christen spürten es in der Person Jesu. Sie bekannten feierlich: "In ihm war das Leben." Wer sein Leben aus den Augen verloren hat und sein eigenes "vor Gott" nicht besonders gelungen findet, bekommt "geistliche Trittsteine" für neue Gehversuche. Er lernt, sich (wieder) im Herrn zu freuen.

kirchensite.de: Und doch ist Ihnen eine nur innere Glückseligkeit fremd.

Silberberg: Wahre "Freude im Herrn" verschließt sich nicht der Welt. Ich wünsche meinen Lesern Mut zur Tat aus einem tiefen Glauben – kritisch allem gegenüber, was sich heute Zeitgeist nennt, aber mit einem wachen Auge für die wirklichen Nöte und Sorgen der Menschen im dritten Jahrtausend.

kirchensite.de: Viele kirchensite-Nutzer werden ihre regelmäßigen Impulse vermissen. Was tun Sie, wenn es doch noch einmal drängt, eine spirituelle Anregung weiterzugeben?

Silberberg: Ich habe die Idee für Impulse, die ich "Bildgespräche" nenne. Sie kommen aber nicht regelmäßig. Wenn Sie mögen, können Sie diese veröffentlichen.

kirchensite.de: Herzlichen Dank, das tun wir gern. – Noch ein Schlusswort von Ihnen?

Silberberg: "Ehre sei Gott in der Höhe" – und sonst niemandem.

Zur Person:

Geboren wurde Hermann-Josef Silberberg 1939 in Köln. Nach der Priesterweihe 1965 in Münster war er bis zum Herbst 1968 Kaplan sowie Religionslehrer und Mitarbeiter am Landeskrankenhaus in Lengerich. Danach wurde er Subsidiar in Recklinghausen St. Pius sowie Religionslehrer am Gymnasium. Von 1975 bis 2002 war der promovierte Pädagoge Fachleiter für Katholische Religion am Studienseminar in Bochum; zudem war er von 1995 bis 2002 Seelsorger im Benediktinerinnenkloster Maria Hamicolt in Dülmen-Rorup. Von 2003 bis Ende 2011 war er im Auftrag des Bischofs Theologischer Berater von kirchensite.de, dem Online-Magazin des Bistums Münster.

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07.12.2011

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