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25.06.2017
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Der Künstler Piotr Zamojski bei der Arbeit in der Gelderner Pfarrkirche Maria Magdalena.

Der Künstler Piotr Zamojski bei der Arbeit in der Gelderner Pfarrkirche Maria Magdalena.

Textliche Darstellung an Kirchenwänden stellt Pfarrpatronin vor

Ungewöhnliches Kunstwerk

Geldern. Rolf Kolb ist in seinem Element. Der Sprecher des Arbeitskreises "Darstellung Maria Magdalena" berichtet mit Leidenschaft von dem von Kaiserin Irene 787 einberufenen zweiten Konzil von Nicaea, wo die Bilderverehrung in der Kirche zugelassen worden sei. Bis dahin habe das Bilderverbot geherrscht. Mit dem Verweis auf das Schweißtuch der Veronika, das Jesu Antlitz gezeigt habe, hätten sich die Bilderverehrer durchgesetzt, erläutert Kolb. "Bis dahin herrschte die Schrift in den Kirchen vor. Mit unserer Darstellung der Maria Magdalena kehren wir zu den Wurzeln zurück", sagt Kolb und schlägt damit einen Bogen zu dem Werk, das in diesen Tagen in der Gelderner Pfarrkirche Maria Magdalena entsteht.

Aus Anlass des diesjährigen Patronatsfestes wird am 28. August ein ungewöhnliches Kunstwerk der Öffentlichkeit vorgestellt, das der polnische Künstler Piotr Zamojski zurzeit vollendet. Der Entwurf des Künstlers wurde bereits 2015 von einer Jury der St.-Maria-Magdalena-Gemeinde einstimmig ausgewählt.

"Ich wollte kein Bild Maria Magdalenas entwerfen, um nicht noch ein fantasmagorisches Bild in die Welt zu setzen", erklärt der Künstler. Vielmehr ging es ihm darum, dass jeder Betrachter sein eigenes Bild entstehen lassen kann. In einer Zeit, in der die Menschen mit zu vielen Bildern konfrontiert würden, wolle er wieder auf das Wort zurückgreifen, sagt er. "Wir wollten mit diesem Werk die Heilige auch aus der berüchtigten Ecke herausholen", erläutert Jurymitglied Helga Schulte.

Zamojski griff auf die Botschaft aus dem Johannes-Evangelium (20, 13-18) zurück, die vom Dialog zwischen dem auferstandenen Jesus und der heiligen Maria Magdalena am Ostermorgen ausgeht und unter dem Begriff "Noli me tangere" ("Rühre mich nicht an") bekannt geworden ist. "Ich habe dem Bibeltext Verse entnommen, die den Dialog direkt wiedergeben", erläutert der Künstler. Es seien die einzigen Worte Maria Magdalenas in der Bibel, sagt er. "Über die historische Person wissen wir wenig."

Die Sätze werden in konstanter Höhe direkt an die Wände gemalt. "Die horizontal verlaufende Sequenz antwortet auf die vorgegebene vertikale Gestaltung der gotischen Architektur", erklärt der Künstler. Der Text beginnt an der Außenwand der Turmkapelle mit der Engelfrage: "Frau, was weinst du?". "Sat lacrima" ("Genug der Tränen") hat der Künstler sein Werk tituliert. Es kulminiert im Hochchor mit dem kürzesten und wahrscheinlich spannendsten Dialog des Evangeliums "Maria!" – "Rabbuni!" und endet mit der triumphalen Verkündigung Magdalenas "Ich habe den Herrn gesehen" über der Tür des Hauptportals.

Um die Aussagen entsprechend hervorzuheben, verwendet Zamojski unterschiedliche Farbtöne. Im Süden, wo die Sonne in ihrem Zenit steht, verwendet er Orange. Die Worte "Ich habe den Herrn gesehen" werden durch diese Farbe in ihrer Bedeutung hervorgehoben. Im Norden, der lichtärmsten Richtung, schreibt er die Worte in Violett, einer Farbe, die auch zur Darstellung der Trauer verwendet wird. So wird zum Beispiel die Verzweiflung in den Worten "Man hat meinen Herrn genommen" unterstützt. Im Osten nimmt der Maler Blau, die Farbe der himmlischen Ferne.

Die verwendete Schrift "Diotema" wurde von Gudrun Zapf von Hesse entworfen und 1952 veröffentlicht – dem Jahr, in dem der Wiederaufbau der Gelderner Pfarrkirche nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen wurde. Diotima aus Mantninea gilt als erste bekannte Philosophin, die Socrates unterrichtet haben soll.

Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
05.08.2016

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