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26.06.2016
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Weihbischof em. Friedrich Ostermann.

Weihbischof em. Friedrich Ostermann.

Gedanken von Weihbischof em. Ostermann zur Großen Prozession am 5. Juli

Der Neubeginn

Münster. Am Tag der Großen Prozession 1945 inmitten der zerstörten Stadt vor den Trümmern des Doms sagte vor 70 Jahren Bischof Clemens August Graf von Galen: "Nur in der Treue gegen Gott ist Rettung und künftiges Heil für uns möglich. Und darum soll der Sinn und der feste Vorsatz unserer heutigen Feier sein: ein offenes Bekenntnis und eine demütige Huldigung vor Gott – ein Treuegelöbnis der katholischen Kirche. An der Hand der Kirche, nach ihren Lehren und Weisungen wollen wir unser Leben gestalten, das private und das öffentliche, das soziale und das staatliche."

Da die Kirche die Institution zusammen mit anderen Gruppierungen war, die dem Nationalsozialismus widerstanden, folgte man aus tiefer Überzeugung diesem Aufruf des Bischofs.

Doch spätestens am Ende der Fünfzigerjahre ging die alte Zeit selbstverständlicher, ursprünglicher Religiosität zu Ende – wir wollten es nicht wahr haben, so blieb die Vergangenheit Maßstab des Glaubens für die Zukunft.
Beim Wiederaufbau unserer Stadt war es ebenso. Nur wenige dachten an eine Modernisierung, nachdem alles zerstört war. Die weit aus größere Zahl der Bürger wollte den Wiederaufbau der alten Stadt – die einzige Ausnahme war in der Altstadt das Stadttheater. Hier umbaute man die Ruine des Alten mit dem Neuen auf gelungene Weise – ein gutes Beispiel dafür, Tradition und Gegenwart miteinander zu vermitteln.

Ähnliches gab es auch im kirchlichen Leben, Aufbrüche aus dem Beginn des Jahrhunderts konnten sich entfalten – die liturgische, biblische und ökumenische Bewegung; doch nach 1968 ging dieser Weg der Kirche zu Ende. Auch das Konzil hatte die verheerenden Entwicklungen nicht voraussehen können.
Was war geschehen? In seinem Buch "Der Gott Jesu Christi" schreibt Kardinal Kasper: "Wir haben die Dimension des Glaubens, welche die Dimension des Geheimnisses ist, weithin verloren, unsere Erfahrungsfähigkeit ist weithin auf das sinnlich Erfahrbare, auf das Zähl- und Machbare beschränkt."

Über dieses Geheimnis schreibt Karl Rahner in seiner Gebetssammlung "Worte ins Schweigen": "Mich aber umfängt das ewige Geheimnis, das unendliche Geheimnis, das alles andere ist als die zusammengesetzten Restbestände des bisher noch nicht Gewussten und noch nicht Erfahrenen, das Geheimnis, das in seiner Unendlichkeit und Dichte zugleich äußerst und innerst der tausenden zersplitterten Wirklichkeiten ist, die wir unsere Erfahrungswelt nennen. Die ungeheuere, alles in einem Erzittern machende Erfahrung ist die: Ich kann auf dieses alles umfassende und durchdringende Geheimnis zugehen, ich kann es anreden, ich kann beten. Ich weiß, wenn solcher betender Zugang geschieht, ist dieses nochmal die Tat des alles umfassenden Geheimnisses."

In Abwandlung eines MalrauxWorts hat Rahner gesagt: "Der Fromme und der kommende Christ wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein."
Kardinal Kasper schreibt im oben genannten Buch: "Und in dieser Situation soll das Geheimnis Gottes wahrgenommen werden in der Freude, im Leid, in der Angst, im Trost, in mitmenschlicher Liebe und Treue, in der Langeweile, in der Begegnung mit dem Tod, in der Erfahrung, man gehört nicht sich oder einem anderen, sicherlich im Gebet."

Sollte diese Dimension des Glaubens, diese Dimension des Geheimnisses, das uns trägt, nicht besonders in der Feier der heiligen Eucharistie erfahren werden? Ich wage es zu sagen, dass das Geheimnis in unseren üblichen Eucharistiefeiern keine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Wenn aber der Mensch – wahrscheinlich zunächst mehr unbewusst als bewusst – dieses Geheimnis sucht, aber es in der Eucharistiefeier nicht findet, wird er sich dann nicht völlig zu Recht fragen: Was soll ich da? Finde ich das Geheimnis nicht eher in einem gut gestalteten Wortgottesdienst? Was kann geschehen?

Können wir nicht doch ohne großartige Liturgiereform etwas ändern? Ich meine schon, dass es nicht nur möglich, sondern dringend notwendig ist.
Ist es wirklich nicht möglich, im Eröffnungslied einen Leitgedanken der Tagesmesse anklingen zu lassen und ihn kurz in der Eröffnung aufzugreifen? – dabei sollte die Liturgie den Oberlehrer zu Hause lassen.

Sollte man zwei oder mehr Strophen zu Beginn singen, könnte dann nicht ein Zwischenspiel helfen, dass jeder Einzelne das Gesungene verinnerlichen kann? Könnte das so nicht auch bei weiteren Liedern möglich sein?

Wäre nicht öfter nach einer Lesung einfach Stille möglich, könnte nicht auch ein markanter Psalmvers aus dem Zwischengesang genügen?

Sollten wir nicht manchmal während der Opferbereitung Stille halten oder das Geschehen mit meditativer Orgelmusik begleiten? Besonders angemessen wäre ein kleinerer oder größerer Opfergang, der dann den dritten Teil der heiligen Messe feierlicher eröffnet.

Auf ein Schweigen nach der heiligen Kommunion sollte man nicht verzichten. Es geht sicherlich nicht darum, in jeder heiligen Messe die vorgeschlagenen Zeiten der Stille einzuhalten, es geht auch hier um das rechte Maß.

Erforderlich ist es allerdings, darüber zu predigen, dass wir uns in der Stille dem Geheimnis Gottes, das wir feiern und das unser ganzes Leben, ja die ganze Schöpfung durchwirkt, öffnen wollen.

Vor 70 Jahren rief Clemens August Graf von Galen zur Treue zu Gott und der Kirche auf und dazu, das Leben und die Welt aus dem Glauben zu gestalten.
Gilt es nicht heute, Gott als das große Geheimnis zu entdecken und ihn zu feiern und anzubeten?

Text: Weihbischof em. Friedrich Ostermann | Foto: Privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
05.07.2015

 

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