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11.12.2018
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Pater Otto Nosbisch.

Seit 2008 leitet Pater Otto Nosbisch das Haus Don Bosco in Calhorn. Daneben ist er Berufungsbeauftragter für die deutsche Provinz des Ordens. Am vergangenen Wochenende beging die Niederlassung denn 200. Geburtstag des Gründers der Salesianer.

Berufungsbeauftragter der deutschen Salesianer:

Ohne Fangnetz oder Angelhaken

Essen i. O. / Calhorn. Freiheit steht für ihn ganz oben. Dass junge Menschen frei entscheiden können. Zum Beispiel darüber, ob die Salesianer etwas für sie wären, ein Leben als Mönch. Niemand dürfe sich bedrängt fühlen.

"Es geht nicht darum, dass ich bei jemandem eine Berufung finde und sie jetzt kralle. Nein! Das dürfen wir nicht! Das wäre fatal für den Menschen." Otto Nosbisch schüttelt den Kopf. "Nein! Nirgendwo darf es so etwas wie eine Angel oder ein Netz geben. Nicht mal im Denken."

Weil Berufung Raum braucht

Dabei würde er sich natürlich über Ordensnachwuchs freuen, als "Berufungsbeauftragter" für die deutsche Provinz der Salesianer. Aber er weiß: Berufung braucht Raum, um sich entwickeln zu können.

Der eigene Weg ist ihm bestes Beispiel. Lächelnd erzählt er, wie er nach der Hauptschule für die Ausbildung bei der Post aus seinem Heimatdorf in der Eifel nach Köln gegangen war. Berufsziel: Briefträger. Dabei hätte es bleiben können, vielleicht hätte er eine Frau gefunden, eine Familie gegründet. "Meine Mutter hätte das sicherlich gefreut", sagt Otto Nosbisch mit rheinländischen Singsang in der Stimme. Aber dann kam dieser Brief.

Gelernter Postbeamter

Er weiß noch, wie er sich damals wunderte: ein persönliches Schreiben vom Leiter der Bildungsstätte der Salesianer in Jünkerath? Im letzten Schuljahr war er dort zu Besinnungstagen gewesen. Nun lud ihn der Pater zu einem Wochenende ein. Und traf wohl den Nerv des jungen Mannes. Dem in der Großstadt schon ein bisschen die selbstverständliche Religiosität seines Dorfes fehlte.

"Ich war fasziniert", sagt er und berichtet, wie er in Jünkerath Salesianer aus Köln kennenlernte, die sich dort in einem Jugendtreff im Stadteil Mülheim um Kinder und junge Leute in einem so genannten "sozialen Brennpunkt" kümmern. "Drogen, Prostitution, Multikulti. Mülheimer Bronx." Das interessierte ihn.

So dass Otto Nosbisch fortan selbst dreimal die Woche in diesem Jugendclub half, nach der Schicht bei der Post. Mit den Kindern aus dem Viertel spielte, kegelte oder kickte. Irgendetwas habe damals in ihm zu wachsen begonnen, sagt er. Er begann, in der Bibel zu lesen und notierte seine Gedanken dazu. "Ich spürte, wie das Mitleben bei den Mitbrüdern in Köln und die Arbeit mit ihnen mich veränderten. Bis zu der Frage: Sollte das nicht mein Weg sein? Ich spürte einen Ruf und ich sah eine Möglichkeit."

Einladen zum Mitleben

So ähnlich könne es auch heute laufen – wenn junge Leute etwas über die Salesianer erfahren möchten.

"Dann laden wir sie zum Beispiel ein, einfach mal für eine Zeit bei uns mitzuhelfen oder mitzuleben." Zum Beispiel in der Bildungsstätte in Calhorn. Zum Beispiel, wenn sie über das Internet mit dem Orden Kontakt aufnehmen. Die Mail landet automatisch bei Pater Nosbisch, der dann sofort antwortet. "Das ist oberstes Prinzip", sagt der Salesianer: "Nicht warten lassen. Und auch nicht schreiben: Wir haben in vier Wochen ein Treffen. Sondern direkt Kontakt aufnehmen."

Wenn er weiß: Da ist jemand auf der Suche. Auf Wunsch kommt er dafür direkt nach Hause, auch wenn es mal eben bis nach Wuppertal geht. Das ganze Jahr über ist er so mit jungen Menschen in Kontakt, mit vier derzeit im intensiveren Gespräch. Einer kommt demnächst für ein paar Wochen nach Calhorn.

Offen für andere Berufungen

Otto Nosbisch selbst brauchte damals auch noch eine persönliche Begegnung. Den Satz eines älteren Mitbruders, der ihm nach langen Gesprächen versicherte: "Ich spüre Deine Berufung". Für ihn sei das zwar richtig gewesen. Er selbst ist da heute aber eher vorsichtig, spürt die große Verantwortung als Begleiter junger Menschen.

"Das Ganze ist ja ein Prozess.", sagt er. "Und ich suche gemeinsam mit jedem nach seiner speziellen Berufung. Das kann am Ende auch der Weg als Familienvater sein."

Gerade erst hat er das bei einem jungen Mann erlebt. Der stand kurz vor dem Eintritt – hat sich dann aber doch entschieden zu gehen. Jetzt heiratet der – und er traue das Paar. Auch solch eine Entwicklung bedeute für ihn ein Glücksmoment. "Der Mann brauchte diese Auseinandersetzung und hat jetzt seinen Weg gefunden." Das sei  eben Berufungspastoral:  Menschen zu helfen, ihren Weg zu finden.

Hintergrund:

1974 zogen die ersten Salesianerpatres in die ehemalige Volksschule in der Bauerschaft Calhorn in der Gemeinde Essen i. O. ein, um hier eine Jugendbildungsstätte zu gründen. In das Haus kommen das ganze Jahr über Gruppen, die eigene Seminare durchführen oder an den Angeboten der Salesianer teilnehmen. Daneben gibt es unter anderem Veranstaltungen für junge Strafgefangene aus dem Vechtaer Gefängnis. Wichtiger Programmpunkt ist außerdem das "Pfingstfestival", ein überregionales Messdienertreffen mit mehreren hundert Teilnehmern. In Calhorn leben acht Salesianer, vier Patres und vier Laienbrüder.  Weltweit hat der Orden rund 16 000 Mitglieder. In Deutschland leben 280 von ihnen in 30 Niederlassungen.

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Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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