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29.07.2016
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Kostenloses Kolping-Leihfahrrad.

Emsdetten sieht Kolping-Orange: Mehr als 130 ausrangierte Fahrräder setzte die Schraubertruppe der Kolpingsfamilie Emsdetten für ihre 2009 initiierte Aktion "Kostenloses Kolping-Leihfahrrad" instand und brachte sie in der Stadt zur Nutzung für jedermann in Umlauf.

Ein Preisträger des Projektwettbewerbs zum Domjubiläum

Leihservice: 130 kostenlose Kolping-Fahrräder für alle

Emsdetten. "Hol mir mal bitte ein paar andere Speichen, diese passen nicht", sagt Uwe Gronemann, und sein Sohn flitzt los. Fachmännisch wühlt er im Lager der offenen Fahrradscheune im Garten des Kolpinghauses nach den gewünschten Ersatzteilen. In der Scheune findet sich alles, was das Schrauberherz höher schlagen lässt: Schläuche, Felgen, Bremsen, Lenker, Klingeln, Lampen, Sättel und Werkzeug in Hülle und Fülle. Zum Teil stammt es aus dem Besitz der Ehrenamtlichen selbst, oft stellen Bürger es als Spende zur Verfügung.

Nach kurzer Zeit ist der Junge fündig geworden. Gemeinsam spannen Vater und Sohn die Speichen ein und kontrollieren noch, ob das Rad eine "Acht" hat. Sie ziehen Schlauch und Mantel auf, und Tilo stellt zufrieden fest: "Fertig – nun können wir es wieder montieren."

Zwei Mal in der Woche treffen sich abends für zwei Stunden im Sommer in der Gartenscheune und im Winter im Keller des Kolpinghauses 15 bis 25 Freiwillige, um aus Alt neu zu machen oder aus dem Kreislauf zurückgekommene Fahrräder wieder instand zu setzen. Voller Eifer flicken sie Schläuche, ölen rostige Ketten, reparieren die Bremsen oder streichen den Rahmen in leuchtend Kolping-Orange. Das ist das Erkennungszeichen der Fahrräder, die ohne Schloss in der Innenstadt zur kostenlosen Nutzung aufgestellt sind. Der älteste Teilnehmer ist über 70 Jahre alt, der jüngste gerade mal neun.

Gemütliche Bastlerrunde

"Mir fällt zu Hause manchmal die Decke auf den Kopf", sagt Rainer Matrutzki. In der Bastlerrunde fühle er sich gebraucht und genieße die Geselligkeit. Und der aus Düsseldorf nach Emsdetten zugezogene Alf Jehnichen ergänzt: "Durch die Fahrradwerkstatt habe ich gute Kontakte geknüpft und neue Freunde gefunden." Seine ganze Familie sei nun Mitglied bei Kolping und nehme gern an den vielfältigen Angeboten des 600 Mitglieder starken Verbands teil.

Die Idee zur Aktion "Kostenloses Kolping-Leihfahrrad" kam Vorstandsmitglied Joachim Behrla bei den regelmäßigen Kolping-Schrottsammelaktionen. Dabei holen die Aktiven zur Finanzierung der Jugendarbeit und sozialer Projekte Altmetall aller Art von privaten Haushalten mit PKW und Anhängern ab.

"Oft fanden sich ausrangierte Fahrräder darunter – viel zu schade zum Wegwerfen!", erinnert sich der 54-Jährige. Er suchte nach Gleichgesinnten. Gemeinsam wurden die Räder repariert, manchmal entstand aus den noch gebrauchsfähigen Teilen von drei oder vier Drahteseln ein einziges funktionstüchtiges Modell. Die fertigen Fahrräder stellten Behrla und sein Team am Bahnhof und im Citybereich ab. Die Aktion kam von Anfang an gut ins Rollen. Heute befinden sich mehr als 130 Fahrräder im Umlauf.

"Wer ein Rad braucht, nimmt es sich, und stellt es später wieder ab, wo es der nächste gebrauchen kann", erklärt Joachim Behrla das einfache Prinzip. Das gelte für Jugendliche, die nach einer Fete, einem Disko- oder Kneipenbesuch einen fahrbaren Untersatz brauchen genauso wie für Erwachsene, etwa wenn sie nach einem Einkauf zu Fuß zu schwer zu tragen hätten. Interessant: Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Emsdetten geht seit dem Kolping-Engagement deutlich zurück – von 918 in 2009 auf heute 598.

"Alle Räder kommen nur verkehrstüchtig zum Einsatz", versichert Behrla. Daher gebe es  auf den Seitenblechen neben dem gut lesbaren Hinweis "Kolping-Leihrad" noch Informationen zur Nutzung. "Das ist wichtig, da beim Fahrrad keine Halter-, sondern Nutzerhaftpflicht besteht." Jeder müsse sich vor dem Besteigen überzeugen, dass Luft auf den Reifen ist, die Bremsen sowie Licht und Klingel funktionieren. Es komme selten vor, dass die Räder mit Absicht demoliert oder gestohlen würden. "Ein findiger Zeitgenosse hatte ein Fahrrad mal dunkelblau überpinselt. Doch wir kamen ihm rasch auf die Schliche." Denn die Schriftzüge darunter seien immer noch gut zu erkennen.

"Ganz Emsdetten identifiziert sich mit unserem Projekt", freut sich Andreas Dust, Vorsitzender der Kolpingsfamilie. So rufe die Polizei an, wenn sie Räder zu vergeben hätte. Oft kämen Spenden von Senioren, wenn sie sich ein Elektro-Bike anschaffen. Der Service ist sogar so ausgeklügelt, dass Bürger, die ein lädiertes Kolping-Fahrrad irgendwo entdecken, die Fundstücke bequem über ein Kontaktformular auf der Homepage des Verbands melden können. Dust: "Wir gehen dann hin und holen die Räder wieder ab."

Export nach Togo

Aufgrund der überwältigenden Resonanz existiert mittlerweile sogar ein Überangebot. "Wir können ja nicht 500 Räder in der Stadt aufstellen. Da würden uns irgendwann die Fahrradhändler aufs Dach steigen – ganz zu Recht", meint Andreas Dust.  Daher geht es jetzt weiter – ins ferne Afrika. Über eine befreundete Kolpingsfamilie in Bayern besteht ein guter Kontakt nach Togo.

Im Oktober wird ein Container mit 300 ausrangierten Rädern, Ersatzteilen und Werkzeug per Flugzeug in das Entwicklungsland transportiert. Dort soll eine Fahrradwerkstatt aufgebaut werden. "Das gibt den Einheimischen die Chance, einen Job zu finden und sich als Fahrradmechaniker eigenständig eine Existenz aufzubauen", ist Joachim Behrla zuversichtlich. Zugleich könnten die
Räder gewinnbringend verkauft werden, um später, wenn sich das Projekt etabliert habe, mit den Überschüssen soziale Kolping-Projekte zu finanzieren.

"Mobilität", betont Behrla, "ist in einem armen Staat wie Togo der Schüssel für den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Nahrung und Beschäftigung."

Prämierung sozialer Projekte in Münster

Die Sieger des Projektwettbewerbs des Bistums Münster zum 750-jährigen Domweihjubiläum werden am 27. September 2014 prämiert. Unter dem Motto "Willkommen im Paradies" hatte das Bistum dazu eingeladen, sich mit "paradiesischen Projekten" zu bewerben, die unsere Welt besser machen und eine Idee vom Paradies vermitteln können. Neben dem Leihfahrrad-Projekt der Emsdettener Kolpingsfamilie werden weitere 26 Projekte aus allen Teilen der Diözese ausgezeichnet. Die Preisverleihung für die Projekte aus der Region Borken-Steinfurt wird Regionalbischof Christoph Hegge vornehmen. Die prämierten Projekte stammen aus verschiedenen Städten und Gemeinden:

> In Rheine und Ibbenbüren haben sich Schüler und Lehrer von zwölf weiterführenden Schulen Gedanken zum Thema "Paradies" gemacht und ihre Beiträge mit der dortigen Schulseelsorge zu einer multimedialen Paradiesausstellung zusammengeführt.
> In der Jugendkirche "Mary´s" in Greven stand eine große Arche im Mittelpunkt einer aufwändigen Erlebnisausstellung mit dem Titel "Arche Deluxe. Noah nahm die Tiere, was nimmst Du?".
> Die Hohe-Giethorst-Schule in Bocholt übt mit besonderen Maßnahmen soziales Lernen ein.
> Mit einem "Trauercafé" bietet die Katholische Frauengemeinschaft im Kreisdekanat Borken Unterstützung in schwerer Zeit.
> Der ökumenische Kirchengarten "Oase" in Gronau organisierte anlässlich der Fußballweltmeisterschaft einen "Eine-Welt-Tag".

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: 750 Jahre St.-Paulus-Dom

Text: Heike Sieg-Hövelmann | Foto: Heike Sieg-Hövelmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
20.09.2014

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