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10.12.2018
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Gläserne Tafel.

An verstorbene und nicht auf dem Klosterfriedhof in Gerleve begrabene Mitbrüder erinnert die gläserne Tafel.

Pater Daniel Hörnemann hat Schicksale von Mitbrüdern erforscht

Dem Vergessen entreißen

Billerbeck-Gerleve. Den vielen unbekannten Toten einen Namen und ihre Würde zu geben, das spornt Pater Daniel Hörnemann in seinen Nachforschungen immer wieder an. Der Benediktiner aus der Abtei Gerleve hat sich intensiv mit Opfern des Ersten und Zweiten Weltkriegs auseinander gesetzt. Er möchte die Gefallenen der Vergessenheit entreißen wie beispielsweise die Mitbrüder seines Klosters.

"Beim Abendessen werden aus dem Nekrolog die Verstorbenen des jeweiligen Jahrestags vorgelesen. Aber wir wussten häufig nicht, welche Geschichte sich dahinter verbarg", berichtet der 59-Jährige. Viele der Brüder seien im Ersten Weltkrieg verpflichtet worden. "Die Priester mussten als Feldgeistliche dienen, die anderen ihren Wehrdienst verrichten", berichtet der promovierte Benediktiner weiter.

Wenig Informationen gab es über die Schicksale der Brüder. Pater Daniel hat ihre Namen erforscht, das Internet nach Informationen durchforstet und ist beispielsweise nach Flandern gefahren. "Natürlich gab es zuvor auch schon Nachforschungen, allerdings haben wir heute andere Mittel zur Verfügung. Zudem ist es von Vorteil, wenn man französisch oder flämisch spricht", sagt Pater Daniel. So fand er in verschiedenen Quellen unterschiedliche Fragmente, die er wie ein Puzzle zusammensetzte.

Fünf Mitbrüder aus dem Ersten Weltkrieg und zehn aus dem Zweiten Weltkrieg verlor die Gemeinschaft in Gerleve. "Aber viel mehr Mönche wurden eingezogen und haben überlebt. Sie sind mit Wunden an Herz und Seele zurückgekommen. So gibt es viel mehr Opfer als die Toten und körperlich Versehrten", macht der Pater auf den Schrecken der Kriege aufmerksam. Gerade die psychischen Erkrankungen seien früher nicht beachtet worden wie es heute der Fall ist.

"Es gibt teilweise keine Fotos und keine Zeitzeugen mehr", begeistert es den Seelsorger, wie durch seine Nachforschungen die Schicksale eine Geschichte erhalten. Die Namen der fünf Gefallenen des Ersten Weltkriegs seien erhalten. Aber ihre Gräber zu finden, sei nicht einfach gewesen. "Darüber gab es nur vage Angaben wie ›gefallen in Flandern‹ beispielsweise".

So ist es auch bei Bruder Gottfried Kuhlmann, das erste Kriegsopfer der Abtei. "Es ist der einzige Mitbruder, dessen Grabstätte bis heute unbekannt ist. Möglicherweise ruht er nach Aufhebung kleinerer Friedhöfe oder einsamer Feldgräber und der Umbettung auf dem Friedhof Langemark im Kameradengrab", mutmaßt der Benediktiner. Auch für die Angehörigen der vielen Vermissten sei die Situation nicht einfach. "Wer bestattet ist, dessen Grab kann man besuchen. Das ist ein tröstlicher Gedanke, auch wenn die wenigsten Angehörigen die Gräber aufgesucht haben", informiert er. Als er selbst zu den Gräbern der Mitbrüder gefahren sei, habe er eine Verbindung gespürt. "Auch wenn ich sie nie kennen gelernt habe."

Auf dem Gerlever Klosterfriedhof hatte lange Zeit eine Steintafel an die toten Mitbrüder erinnert. Doch sie verwitterte immer weiter im Lauf der Jahre und war unleserlich geworden. So entstand die Idee, eine Erinnerungstafel ins Kloster auf dem Weg zum Garten und zum Friedhof zu setzen. Unterstützt von der Ernsting-Stiftung überzeugte der Entwurf der Glaskünstlerin Anna Pauli aus Köln. Auf der langen Glastafel aus Schwarzglas ist seit 2009 für jeden Mönch, der nicht auf dem Klosterfriedhof bestattet wurde, eine goldene Plakette angebracht. Angefangen bei den Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs bis hin zu einem in Brasilien ermordeten Pater oder einem in den Alpen vermissten Mitbruder. "So haben wir sie als Mitglieder unserer Gemeinschaft im Blick", hält Pater Daniel fest. Noch gibt es zahlreiche Leerstellen auf der Tafel, aber der Benediktiner hofft, dass diese Lücken nicht gefüllt werden müssen.

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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
18.08.2014

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