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10.12.2018
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Schwester Irmgarde (r.) im Gespräch mit Schwester Agnilde.

Schwester Irmgarde (r.) im Gespräch mit Schwester Agnilde.

Schwester Irmgarde ist die älteste Bewohnerin des Klosters Annenthal

Still und heimlich das Gelübde abgelegt

Coesfeld. An sieben Päpste und ebenso viele Diözesanbischöfe erinnert sich Schwester Irmgarde Hueske-Imming. Mit ihren 99 Jahren ist sie die älteste Bewohnerin des Klosters Annenthal in Coesfeld. Vor 70 Jahren legte sie ihre Ewigen Gelübde bei den Schwestern Unserer Lieben Frau ab. Das war zu einer Zeit, in der die Nationalsozialisten Klöster beschlagnahmten, der Zweite Weltkrieg tobte und christlichen Kirchen an den Rand gedrängt wurden. Doch das schien Schwester Irmgarde als junge Frau nicht von ihrem Weg abgebracht zu haben. "Der Herrgott ist mir immer gut gewesen", sagt sie heute, wenn sie auf ihr Leben zurückblickt.

1915 wurde sie als fünftes von acht Kindern in Stadtlohn geboren. Sie wuchs in einer Familie auf, in der das Gebet und der Glaube zum Alltag gehörten. "Ich habe die Schwestern Unserer Lieben Frau in Vechta kennen gelernt, als ich ein Jahr lang die Hauswirtschaftsschule 'Marienhain' besuchte", berichtet die rüstige Ordensfrau. Doch habe sie damals noch ein paar Jahre gezögert, in den Orden einzutreten. "Ich war innerlich unruhig, und ich habe noch gesucht", gibt sie zu. Im Frühjahr 1942 war es dann doch soweit. Sie schloss sich den Schwestern an.

Im Lazarett gearbeitet

Nachdem sie sich für diesen Lebensweg entschlossen hatte, musste alles geheim gehalten werden. "Ich habe mich in unserem Ort abgemeldet und gesagt, dass ich zum Roten Kreuz gehe", erzählt sie. Das sei nicht ganz falsch gewesen, denn ihr Weg führte sie in ein Wehrmachtslazarett nach Mühlhausen, wo die Schwestern bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten 1941 eine Schule betrieben hatten. Der dortige Chefarzt hatte sie angefordert.

"Zu viert sind wir 1942 eingetreten. Nach einigen Wochen sind wir nach Cloppenburg gegangen. Dort war das Noviziat untergebracht", erinnert sich Schwester Irmgarde. Still und heimlich wurden die vier Frauen im Vincenzhaus, einer Einrichtung für Kinder mit Lernbehinderung, eingekleidet. An diesem Tag sei die Gestapo ins Josefshaus –ebenfalls in Cloppenburg – gekommen und hätte sich dort umgeschaut. In der Schule unterrichteten Mitschwestern. Auf die Frage, was in diesem Haus passiere, hätten sie guten Gewissens erzählen können, dass nichts Ungewöhnliches anstehe. Denn die Einkleidung hatte im Vincenzhaus stattgefunden. "Man musste sich in acht nehmen. Da war der Herrgott wohl im Spiel, dass alles gut ging", ist sich die 99-Jährige sicher.

Geheime Profess

Neben dem Unterricht zur Einführung ins Ordensleben arbeitete Schwester Irmgarde im Garten und in der Abendküche des Vincenzhauses. Ihr Weg führte sie weiter ins Lazarett nach Ahlen. Am 17. Oktober 1944 legte sie dort ihre Ewige Profess ab. "Wir sind früh morgens um fünf Uhr aufgestanden, und um sieben Uhr war alles vorbei", erzählt Schwester Irmgarde. Bis zum Kriegsende, das sie in Cloppenburg erlebte, arbeitete sie in verschiedenen Lazaretten. "Wir waren froh, als der Krieg endlich zu Ende war. Es gab viel zu tun. Unsere Häuser waren teilweise zerstört." Wie für die gesamte Bevölkerung begann auch für die Ordensfrauen die Zeit des Wiederaufbaus. Sie konnten ihre Klöster, die durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt worden waren, übernehmen.

Schwester Irmgarde führte der Weg später nach Münster. Zuvor hatte sie mit 31 Jahren die Handelsschule besucht. 30 Jahre organisierte sie beim Diözesan-Caritasverband Erholungsfreizeiten für Kinder und Kuren für Mütter. "Das hat anfangs nur die Caritas angeboten. Später kam das Müttergenesungswerk hinzu", berichtet sie.

Seit 1996 lebt Schwester Irmgarde im Kloster Annenthal in Coesfeld. Für sie sei es der richtige Weg gewesen. "Der Heilige Geist hat uns geleitet. Er war wohl überall mit im Spiel, sodass wir immer Menschen gefunden haben, die uns gesonnen waren und uns geholfen haben", blickt sie auf ihre Jahre während der nationalsozialistischen Diktatur zurück.

Zuflucht ist der Herr

Das Gebet sei ihr immer eine Stütze gewesen. "Meine Zuflucht ist der Herr", zitiert sie einen Psalm. "Und natürlich war unsere Muttergottes auch immer dabei", fügt sie lachend hinzu. In Coesfeld nimmt sie rege am Leben der Gemeinschaft teil. "Ich kann nicht mehr so gut sehen. Das schränkt mich sehr ein. Aber ich höre gern Radio", berichtet sie. Bei gutem Wetter gehe sie im Park spazieren. Zudem besucht sie ihre kranken und bettlägerigen Mitschwestern.

Und natürlich ist sie der Einladung des Bistums zum Tag der Ordensjubiläen gefolgt. "Das war eine schöne Feier. Der Bischof war erstaunt, als ich ihm gesagt habe, dass ich vor 70 Jahren meine Profess gefeiert habe", berichtet Schwester Irmgarde, und ein bisschen Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.

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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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